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Fahrgäste werden rabiater

Gewalt im Zug: Steigende Übergriffe in Öffis! vida fordert Maßnahmen!

ÖBB-Betriebsratschef, vida-Vorsitzender Roman Hebenstreit fordert, dass Angriffe auf LenkerInnen und Kontrollorgane des öffentlichen Verkehrs künftig als schwere Körperverletzung geahndet werden sollen. Und das hat seinen guten Grund: Denn wüste Beschimpfungen, schwere Drohungen und tätliche Angriffe nehmen zu – die Bediensteten des öffentlichen Verkehrs leben gefährlich, so Hebenstreit im Interview mit dem „Kurier“ (Ausgabe vom 6. Juli 2022).  „Ich habe am Montag einen Rundruf in allen Eisenbahnbetrieben machen lassen. Unisono sagen die Kollegen, dass die Übergriffe steigen und brutaler werden. Das beginnt mit einem Auf-den-Arsch-Hauen, geht über Anspucken bis hin zu einer Watsche.“

„Vor allem bei den Nachtzügen ist es an der Tagesordnung, dass Kollegen bedroht und beschimpft werden, oder dass man ihnen ein Messer hinhält.“

Roman Hebenstreit, vida-Vorsitzender

Diese Dinge kommen mit steigender Tendenz seit 2019 vor. Schon vor vier Jahren wurde etwa jeder neunte der rund 1.200 ÖBB-ZugbegleiterInnen Opfer von Übergriffen durch Fahrgäste. Die Vorfälle würden aber nicht österreichweit erfasst, weil keine Aufzeichnungspflicht besteht. Nur die ÖBB führen eine genaue Statistik. Die Übergriffe erfolgen in der Regel, wenn eher wenig Leute an Bord sind. „Der Klassiker ist der Nachtbus, wo der Lenker mit zwei Betrunkenen unterwegs ist oder im letzten Nahverkehrszug, wo die angesoffenen Discogeher meinen, sie müssen gegenüber dem Zugbegleiter ’lustig‘ sein“, so der vida-Chef im „Kurier“.

Weniger Personal, mehr Übergriffe

Das Problem sei, dass es einen Mangel an geschulten Eisenbahnaufsichtsorganen gibt, dazu zählen u.a. ZugbegleiterInnen. Die Tendenz zu weniger Personal im öffentlichen Verkehrsraum führt automatisch zu Übergriffen. Der vida-Chef fordert daher, dass die öffentliche Hand wieder für mehr Personal in Bahn und Bus sorgen muss. Ob ein Zug mit einem Zugbegleiter fährt oder nicht, bestimmt schließlich der Verkehrsverbund des jeweiligen Bundeslandes, und nicht das Bahnunternehmen.

„Wenn zwei Zugbegleiter in einem Zug auftreten, ist die Wahrscheinlichkeit von Übergriffen geringer.“

Roman Hebenstreit, vida-Vorsitzender

Eine vida-Forderung ist, dass jeder Übergriff auf Verkehrspersonal automatisch als schwere Körperverletzung gilt - analog zur Polizei. Seit fünf Jahren gelten Übergriffe auf LenkerInnen und Kontrollorgane des öffentlichen Verkehrs als Offizialdelikt. Die Strafdrohung beträgt bis zu zwei Jahre Haft. „Das schreckt Täter anscheinend nicht ab“, wird Hebenstreit von der Tageszeitung zitiert.   

Regierung in die Pflicht nehmen

Die vida fordert daher dringend einen Gipfel von Verkehrsministerium, Justizministerium und Innenministerium ein: „Es kann nicht sein, dass es Jobs gibt, bei denen man um Leib und Leben fürchten muss.“ Sonst könnte die Fluktuation weiter zunehmen, weil das Personal entnervt das Handtuch wirft. Die Regierung hat Regeln gemacht, aber es kann dann nicht sein, dass man etwa die Maskenkontrollen auf das Personal im öffentlichen Verkehr abwälzt, so Hebenstreit zum „Kurier“: „Seit das passiert, bekommen unsere Leute eine in die Fresse.“

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