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Arbeiten mit Corona: Übernimmt Gesundheitsministerium die Haftung?

vida-Gassner-Mjka: „Bundesregierung darf Verantwortung nicht auf Beschäftigte übertragen. Anstatt mehr Pflegepersonal einzustellen, werden Infizierte zu Hochrisikopatienten geschickt.“

„Wenn man seine Großeltern im Pflegeheim besuchen möchte, braucht man einen negativen Corona-Test. Beschäftigte aus dem Gesundheits- und Langzeitpflegebereich sollen ab August aber trotz positivem Corona-Test schwerkranke oder betagte Menschen pflegen. Die Bundesregierung riskiert mit der Entscheidung, die Quarantäne abzuschaffen, Ansteckungen in vulnerablen Gruppen“, sagt Sylvia Gassner, Vorsitzende des Fachbereichs Soziale Dienste der Gewerkschaft vida. Die Bundesregierung übertrage mit dieser Entscheidung ganz offensichtlich Verantwortung an Beschäftigte. „Übernimmt dann das Gesundheitsministerium die Haftung, wenn es zu Ansteckungen kommt? Denn es ist klar, dass es auch trotz getragener Maske keinen 100-prozentigen Schutz gibt“, ergänzt Gerald Mjka, Vorsitzender des Fachbereichs Gesundheit der Gewerkschaft vida, und betont, dass aktive Infektionskrankheiten eine Belastung für den Organismus darstellen, egal ob symptomfrei oder nicht. Nicht umsonst würden Ärzte Ruhe und Schonung verordnen – wird der Körper nicht geschont, könne das zu schweren Komplikationen führen. „Man darf hier außerdem nicht vergessen, dass die Kolleginnen und Kollegen ohnehin schon unter hohem Arbeitsdruck ihre Dienste verrichten und nicht auch noch mit einer akuten Corona-Infektion im Hinterkopf arbeiten sollten“, so die vida-GewerkschafterInnen weiter.

Dass Beschäftigte aber zu Hause bleiben sollen, wenn sie Symptome haben - wie im Ö1-Morgenjournal am Freitag angeführt - kommentiert Gewerkschafterin Gassner mit Kopfschütteln. „Die Kolleginnen und Kollegen haben ein Berufsethos. Das heißt, dass tendenziell das eigene Wohl hintangestellt wird. Jetzt schafft die Regierung mit dem Quarantäne-Aus einerseits auch noch die Legimitierung dafür und sorgt andererseits für einen gewissen Druck auf die Kolleginnen und Kollegen“, sagt Gassner und betont, dass der Personalnotstand für Kolleginnen und Kollegen tagtäglich mit eigenen Augen zu sehen ist. „Da kann man es dann nicht so einfach mit sich selbst vereinbaren, zum Beispiel bei leichten Erkältungssymptomen auch noch zu Hause zu bleiben und damit sowohl die Patienten als auch das Kollegium allein zu lassen.“

Mit der Entscheidung zum Quarantäne-Aus für positiv auf Corona getestete Menschen zeigt sich, dass die Bundesregierung aus Fehlern der Vergangenheit nicht gelernt hat. „Dieselbe Thematik hatten wir schon bei der Verkürzung der Quarantäne. Es kann nicht sein, dass das Quarantäne-Aus die Antwort der Bundesregierung auf den Personalnotstand in der Pflege ist, um Totalausfälle von Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen zu verhindern. Anstatt mehr Personal schickt man lieber Infizierte zu Hochrisikopatienten“, kritisieren Gassner und Mjka das Vorgehen der Politik und schließen: „Vor wenigen Wochen hat die Regierung mit Pauken und Trompeten die Pflegereform präsentiert und sie als großen Wurf bezeichnet. Mit dem Quarantäne-Aus offenbaren die Damen und Herren in der Regierungsbank aber abermals ihr fehlendes Wissen über den Gesundheits-, Langzeitpflege- und Sozialbereich. Wir fordern eine Pflegereform, die diesen Namen auch verdient.“ 

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Der Fachbereich Gesundheit in der Gewerkschaft vida vertritt eine Vielzahl unterschiedlicher Berufsgruppen, die ein gemeinsames Betätigungsfeld vereint – nämlich das Wohlergehen von Menschen in außergewöhnlichen Lebenssituationen. Hier finden sich sämtliche MitarbeiterInnen von Privatkrankenanstalten und Konfessionellen Einrichtungen Österreichs – von der hochdotierten Primaria bis zur Reinigungskraft. Wir vertreten auch die Beschäftigten der Sozialversicherung. Die MitarbeiterInnen der Bäder und Kuranstalten gehören zu dem vida-Fachbereich sowie ArbeiterInnen in Sauna-, Solarien- und Bäderbetrieben, HeilmasseurInnen und die medizinischen MasseurInnen in selbständigen Ambulatorien für physikalische Behandlungen, sofern es sich nicht um Angestellte oder Beschäftigte in Arztpraxen und Spitälern handelt. Dabei engagieren wir uns für faire Arbeitsbedingungen und gerechte Löhne. Sie sind unabdingbare Voraussetzungen für ein Mehr an Lebensqualität.

Fachbereichsvorsitzender: Gerald Mjka
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