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Hey Chef/in, du nervst!

Wie schlechter Führungsstil MitarbeiterInnen im Tourismus zusetzt.
Der Tourismus in Österreich bleibt eine beeindruckende Erfolgsgeschichte. Über 37 Millionen Gäste sind in den ersten neun Monaten 2019 in unser Land gekommen. Während die Branche jubelt, hält sich die Begeisterung bei den Beschäftigten im Hotel- und Gastgewerbe in Grenzen.

Die Jobzufriedenheit ist heuer erneut drastisch gesunken. Das zeigt die Sonderauswertung des Arbeitsklima Index (AI Tourismus), präsentiert von Gewerkschaft vida, AK Wien und IFES.
 
Zufriedenheit sinkt, Belastungen steigen

Verglichen mit anderen Branchen sind die Beschäftigten im Tourismus (Gastronomie und Hotellerie) mit ihrer Arbeitswelt deutlich unzufriedener. Stärker als je zuvor wird der Führungsstil in den Unternehmen kritisiert. Die Zufriedenheit mit der Dienstplangestaltung und dem Einkommen sind ebenfalls erneut gesunken. Den Beschäftigten setzen vor allem hohe körperliche Belastungen und Stress zu. Das permanente Stress-Gefühl lasten die Beschäftigten oft ihrer Führungskraft an. „Es zeigt sich, wie wichtig eine gute Zeiteinteilung durch die Führungskraft für ein gutes Arbeitsklima ist. Es ist sogar einer der Grundpfeiler“, so Berend Tusch, Vorsitzender Fachbereich Tourismus.

Was einen guten Chef ausmacht

„Beim Führungsstil in den Betrieben im heimischen Tourismus gibt es noch viel Luft nach oben“, steht für Tusch außer Frage. Die Zahlen des Arbeitsklimaindex zeigen, dass es durchaus Hebel gibt, die von den Beschäftigten als positive Effekte wahrgenommen werden und die Zufriedenheit mit der Führungskraft und damit auch mit dem Arbeitsplatz steigern. Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wünschen sich mehr Handlungsspielraum bei Entscheidungen.

„Sie wollen sich einbringen. Ein gutes Arbeitsklima entsteht nicht, wenn Vorgesetzte die verbale Keule auspacken und eine Befehlsstruktur an den Tag legen. Wer seine Kolleginnen und Kollegen nicht unterstützt, kann auch nicht mit ihrer Zufriedenheit rechnen!“

Berend Tusch, Vorsitzender des vida-Fachbereichs Tourismus

Auffällig ist, dass das Einkommen keinen Effekt darauf hat, ob ich mit meinem Chef oder meiner Chefin zufrieden bin. 

Wenn schlechte Führung krank macht

Schlechte Führung hat auch gesundheitliche Folgen. Beschäftigte, die mit ihren direkten Vorgesetzten unzufrieden sind, sind deutlich öfter von körperlichen Schmerzen und gesundheitlichen Beeinträchtigungen betroffen als Zufriedene.

Gute Work-Life-Balance schaffen

Der Arbeitsklima Index beweist erneut, dass es ein Gebot der Stunde ist, „dass wir die Work-Life-Balance endlich in den Griff bekommen müssen. „Der Tourismus muss wieder ein Magnet für Beschäftigte werden“, fordert Berend Tusch. Um mehr Menschen für die Branche zu begeistern bzw. in der Branche zu halten, müssen nicht nur die Arbeitsbedingungen, sondern auch die Führungsstile in den Betrieben „endlich spürbar besser werden", steht für den Gewerkschafter fest.
 
Führungskräfte mit sozialer Kompetenz ausstatten

Eine gute Führungskraft braucht ein soziales Grundgerüst. Das heißt, es muss unter anderem selbstverständlich sein, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für ihre Arbeit auch wertgeschätzt und gelobt werden. „Die Branche muss es schaffen, die Menschen mit sozialer Kompetenz an sich zu ketten“, so Tusch. Beschäftigte, die mit ihrem Vorgesetzten oder ihrer Vorgesetzen zufrieden sind, sind auch im Beruf glücklicher.

Forderungen an die kommende Bundesregierung

„Wer mit besten Arbeitsbedingungen Leidenschaft und Enthusiasmus bei seinen Beschäftigten fördert, erntet top-motivierte Fachkräfte und beste Gastgeber. Das muss auch der kommenden Regierung klar sein“, bekräftigt Tusch. Um die Arbeitswelt der Beschäftigten im Tourismus zu verbessern, richtet der vida-Gewerkschafter schon jetzt drei Forderungen an die künftigen Regierungsmitglieder:
 
  • Qualitativ hochwertige Personal-Unterkünfte: Hierzu können wir uns vorstellen, dass dafür etwa bestehende und wirtschaftlich nicht erfolgreiche Beherbergungsbetriebe umgewandelt werden. 
  • Ausreichende Erholungsphasen: Die Ruhezeitverkürzung von elf auf acht Stunden muss zurückgenommen werden. Die Beschäftigten brauchen ausreichend Erholung, um die hohen betriebsbedingten Stressfaktoren besser aushalten und abfedern zu können.
  • Bewertungskriterien für gute Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber: Als vida sind wir bereit, an der Erstellung eines derartigen Kriterienkatalogs mitzuarbeiten. Die Beschäftigten sollen so eine Entscheidungshilfe bei der Auswahl ihres touristischen Arbeitsplatzes mit auf den Weg bekommen.
  • Einrichtung einer Tourismuskasse nach dem seit Jahrzehnten bewährten Modell der Urlaubs- und Abfertigungskasse der Baubranche. Eine solche Kasse würde durch regelmäßige Einzahlungen ermöglichen, dass beispielsweise bei einem Jobwechsel zwischen Saisonspitzen Urlaubsansprüche nicht verfallen würden, sondern mitgenommen werden könnten.
  • Gute Führung ist auch wichtig in Zusammenhang mit der betrieblichen Lehrausbildung. Neben der längeren Bindung der Beschäftigten müssen Führungskräfte aktiv in die Qualitätssicherung der innerbetrieblichen Lehrausbildung eingebunden werden und einen aktiven Beitrag leisten.
  • Die Erweiterung der Mangelberufsliste hat das Ziel 2019 klar verfehlt. Die Branche muss gemeinsam mit ihren Führungskräften ihre Hausaufgaben erledigen, anstatt zu fordern, dass Arbeitskräften, die aus dem Nicht-EU-Raum kommen, Tür und Tor geöffnet werden.

 

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