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“Von an Weib los i ma nix sogn!“

Tagung: Wenn Arbeiten zum Risiko wird - (sexuelle) Übergriffe und Gewalt gegen Frauen.

„Gewalt am Arbeitsplatz war viel zu lange ein Tabuthema. Es ist eine Errungenschaft der Gewerkschaften, dass dieses Thema offen angesprochen wird. Gewalt im Job und auf anderen Ebenen ist nicht nur menschenverachtend, sondern hat auch dramatische Folgen für die Gesellschaft, die Wirtschaft und die Gewerkschaften!“, so Elisabeth Vondrasek, stellvertretende Vorsitzende und Frauenvorsitzende der Gewerkschaft vida bei der Eröffnung der Tagung: “Von an Weib los i ma nix sogn!“ Wenn Arbeiten zum Risiko wird - (sexuelle) Übergriffe und Gewalt gegen Frauen.“

Die Gewerkschaften vida und PRO-GE, die AK Wien und der Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser - AÖF haben dieses heikle Thema Ende Jänner in der ÖGB-Zentrale in Wien vor knapp 200 TeilnehmerInnen breit diskutiert, Beispiele aus der Praxis beleuchtet und Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt. In einer aktuellen EU-Erhebung gibt jedeR zehnte ArbeitnehmerIn an, in den vergangenen 12 Monaten Opfer einer Form von physischer oder psychischer Gewalt geworden zu sein. Frauen, vor allem jüngere Frauen, sind häufiger von psychischer Gewalt (Mobbing, sexuelle Belästigung) am Arbeitsplatz betroffen als Männer. Weder die Opfer noch die Betriebe müssen das tatenlos hinnehmen. Wenn es schon passiert ist, sind meist Rechtsberatung und psychologische Unterstützung gefragt. Aber schon im Vorfeld können Betriebe viel tun, um Konflikte mit KundInnen, aber auch mit KollegInnen und Vorgesetzten zu vermeiden.

vida bietet umfassende Hilfe

Vondrasek betont, dass sie größten Respekt vor Gewaltopfern hat, die sich nach ihren schlimmen Erlebnissen wieder ihrem Arbeitsalltag stellen: „Ich hoffe und wünsche mir, dass wir den Betroffenen mit der vida-Initiative „Tatort Arbeitsplatz“ viele Informations- und Serviceleistungen bieten können. Wir wissen, dass gerade Beschäftigte in Dienstleistungsberufen und im Verkehrssektor besonders oft von Gewalt betroffen sind.“ Präventionsarbeit muss früh beginnen, fordert die Gewerkschafterin: „Schon vom Kindergarten an, über die Pflichtschule bis hin zu den Universitäten und ja bis in die Erwachsenenbildung muss das Thema Gewaltprävention ein Pflichtfach sein!“ Eines steht für Vondrasek fest: „Nur Menschen können Menschen vor Gewalt schützen. Den Einsatz von Bodycams und anderen technischen Hilfsmitteln finde ich gut, aber das alleine kann und wird nicht reichen. Wir dürfen uns nicht hinter der Technik verstecken und die menschliche Unterstützung vernachlässigen!“

Gewaltopfer über Rechte informieren

„Gewalt beginnt bereits mit Beschimpfungen oder mit der Herabwürdigung von Frauen. Das kann gerade eine Gesellschaft, die sich für Gleichstellung einsetzt, nicht hinnehmen. Ein gewaltfreies Leben ist ein Menschenrecht. Geben wir der Gewalt keine Chance", sagt Klaudia Frieben, stellvertretende Bundesvorsitzende und Bundesfrauenvorsitzende der Gewerkschaft PRO-GE. Sie betont, dass es wichtig ist, dass Frauen wissen, welche Rechte sie haben, wenn sie Gewaltopfer werden: „Gemeinsam mit dem Bundeskriminalamt haben wir eine Broschüre erarbeitet. Darin sind alle wichtigen Adressen und Telefonnummern angeführt, unter denen Frauen, denen Gewalt angetan wird, Hilfe bekommen. Die Broschüre kann kostenlos unter der E-Mail-Adresse frauen@proge.at bestellt werden und liegt auch auf Polizeidienststellen und Landeskriminalämtern auf!“

Hinschauen statt Wegschauen

Eine wichtige Rolle bei der Vermeidung von Gewalt am Arbeitsplatz aber auch bei der Unterstützung von Betroffenen häuslicher Gewalt sind BetriebsrätInnen und KollegInnen, unterstreicht Maria Rösslhumer, Geschäftsführerin des Vereins AÖF: „Betroffene ziehen sich zurück. Das sind Verhaltensänderungen, die KollegInnen oft schnell wahrnehmen. Manchmal sind auch Verletzungen sichtbar. Hier braucht es Zivilcourage. Betroffene anzusprechen und nachzufragen, wie es ihnen geht, bewirkt viel. Nicht immer können sie sich sofort öffnen, aber es wird ihnen vermittelt, dass sie die Möglichkeit zum Reden haben.“ Wichtig ist auch, dass Gewaltopfer schnell an Opferschutzeinrichtungen weitervermittelt werden: „Viele Betriebe sind mit dieser Situation überfordert. Wir bieten hier Hilfestellungen an. Wir bieten Workshops, Seminare und Trainings an und erarbeiten Strategien für den Umgang mit häuslicher Gewalt im Betrieb. Wir beraten und informieren Betriebe gerne, so auch die Frauenhelpline gegen Gewalt 0800 / 222 555!“, sagt Rösslhumer.

Respekt kann Gewalt verhindern

Gewalt gegen Frauen am Arbeitsplatz aber natürlich auch in einer Beziehung ist ein einschneidendes Erlebnis, das alles verändert. Das Selbstwertgefühl, die Gesundheit, die Beziehung zu anderen. Sich alleine daraus zu befreien, ist sehr schwer. Viele Frauen brauchen Hilfe von außen. Sie brauchen Menschen in ihrer Umgebung, die sie unterstützen, sie nicht alleine lassen. Einig waren sich alle TeilnehmerInnen in einem Punkt: „Gegenseitiger Respekt kann Gewalt verhindern. Wir müssen schon beim Umgangston, sei es im Arbeitsleben oder in den sozialen Medien, darauf achten, unser Gegenüber mit Würde und Respekt zu behandeln. Dann kommen wir unserem Wunsch nach einer gewaltfreien Gesellschaft wieder ein Stück näher!“

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