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FAIRreisen für alle?!

Prekäre Arbeit und Ausbeutung in der Tourismusindustrie.

Der Tourismus in Österreich boomt. Jährlich werden neue Rekorde gebrochen. Was die Unternehmer jubeln lässt, belastet viele Beschäftigte: Für sie heißt Arbeiten in der Tourismusindustrie oft niedrige Löhne, Nacht- und Wochenendarbeit, enorme Arbeitsdichte, kaum berufliche Aufstiegschancen oder auch prekäre Arbeitsverhältnisse von Saisonarbeit bis hin zu undokumentierter Arbeit von MigrantInnen. Zu diesen Themen hat es Ende Jänner eine Fachtagung von UNDOK (Anlaufstelle zur gewerkschaftlichen Unterstützung undokumentiert Arbeitender), ExpertInnen aus Wissenschaft, betroffenen ArbeitnehmerInnen, den NGOs LEFÖ-IBF und MEN VIA sowie vida gegeben.

FAIRreisen für alle?!

Beschäftigte hintergangen

Prekäre Beschäftigung und Ausbeutung sind gerade im Tourismus weit verbreitet. Für die Arbeitgeber geht es vor allem um Gewinnmaximierung. „Ausländische KollegInnen werden von der Arbeitgeberseite häufig weder bei der Sozialversicherung angemeldet noch wird für sie beim AMS eine Beschäftigungsbewilligung beantragt“, weiß Albert Kyncl, Wiener Landessekretär für den Fachbereich Tourismus der Gewerkschaft vida. „Viele arbeiten häufig undokumentiert und scheinselbstständig“, so der Gewerkschafter. Dieses Schicksal hat auch Natascha erlebt wie sie bei der Tagung erzählt. Sie ist Kroatin und hat mehrere Jahre in der Gastronomie in Österreich gearbeitet: „Meine Arbeitgeber haben keine Beschäftigungsbewilligung für mich beantragt. Später hat mir das AMS dann eine Arbeitsmarktsperre verpasst. Jetzt darf ich ein Jahr lang nicht arbeiten, weil sich meine Chefs nicht an die Gesetze gehalten haben. Ich weiß nicht, wie ich jetzt meine Rechnungen zahlen soll.“

UNDOK hilft

Natascha ist nur einer von derzeit rund 370 Fällen, die UNDOK bearbeitet wie Beraterin Marica Guldimann erzählt: „Wir hatten bereits Fälle, in denen Menschen für die Arbeit als Küchenhilfe 50 Cent in der Stunde erhalten haben. Arbeitgeber üben sehr viel Druck auf diese KollegInnen aus. Es wird mit Arbeitsplatzverlust gedroht oder auch mit anderen Repressalien.“ UNDOK bietet kostenlose, mehrsprachige und anonyme Beratung für Menschen ohne freien Arbeitsmarktzugang an: „Denn egal ob mit oder ohne Papiere, alle Menschen haben Arbeitsrechte, wenn sie in Österreich arbeiten! Wir unterstützen Menschen dabei ihre Rechte als ArbeitnehmerInnen einzufordern und durchzusetzen. Dies trägt letztlich auch zur Prävention von Lohn- und Sozialdumping bei und ist im Sinne aller Beschäftigten“, so Guldimann.

Vernetzung wichtig

Ausbeutung und schlechte Arbeitsbedingungen sind leider weltweit nach wie vor Teil des Arbeitsalltags hunderttausender Beschäftigter. Laura Moreno von der Gewerkschaft UNITE HERE! in San Diego im US-Bundesstaat Kalifornien berichtet bei der Tagung, dass gerade Menschen, die keinen sicheren Aufenthaltsstatus in den USA haben, von Arbeitgebern viel stärker und öfter ausgebeutet werden: „Wir wollen diese Menschen als Mitglieder gewinnen und ihre Betriebe, in den sie arbeiten, gewerkschaftlich organisieren. Es ist unerlässlich, dass ArbeitnehmerInnen, egal woher sie kommen oder welche Aufenthaltsbewilligung sie haben, gemeinsam an einem Strang ziehen. Nur so können wir Verbesserungen für sie erreichen!“

Gütesiegel für Hotels

Auch Bridget Anderson, Migrationsexpertin der Universität Oxford unterstreicht, wie wichtig es ist, dass sich ArbeitnehmerInnen gewerkschaftlich organisieren bzw. es eine Anlaufstelle für sie gibt. Sie ist zudem überzeugt, dass auch wir es als TouristInnen und KundInnen in der Hand haben, positive Veränderungen herbeizuführen: „Mit einem Blick sollten gewisse soziale Standards bei Hotels sichtbar sein.  Das heißt, eine Art Gütesiegel für gute Arbeitsbedingungen in Hotels. Das würde auch die Attraktivität der Häuser verbessern. Wir können auf Urlaub fahren und zugleich faire Arbeitsbedingungen erwarten!“

 

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Über uns

Der Fachbereich Tourismus in der Gewerkschaft vida vertritt die Interessen der 200.000 Beschäftigten im Hotel- und Gastgewerbe und in der Systemgastronomie. Der Tourismus ist eine junge Branche, 40 Prozent der Beschäftigten sind jünger als 30 Jahre, nur knapp 11 Prozent über 50. Über 60 Prozent der ArbeitnehmerInnen im Hotel- und Gastgewerbe sind Frauen. Die Branche ist von hoher Fluktuation und Abwanderung gezeichnet. Ohne Pensionierungen verlässt im Tourismus fast die Hälfte der Beschäftigten die Branche nach zehn Jahren. Die Gründe dafür liegen in schlechten Verdienstmöglichkeiten, Schwierigkeiten bei der Vereinbarung von Beruf und Familie und wenig Zukunftsperspektiven. Das darf nicht so bleiben, daher setzen wir in der Gewerkschaft vida uns für bessere Rahmenbedingungen in der Branche ein.

Fachbereichsvorsitzender: Berend Tusch
Fachbereichssekretär: Andreas Gollner