Herbstlohnrunde 2026 - Wer Österreich am Laufen hält, muss anständig entlohnt werden!
Die vida geht für rund 283.500 Beschäftigte in die Kollektivvertragsverhandlungen. Gefordert sind höhere Reallöhne, bessere Arbeitsbedingungen und ein Ende unbezahlter Überstunden.
KV Herbst 2026
vida startet in die Herbstlohnrunde
„Ein echter Fachkräftemangel hat eine Sprache – und die heißt steigende Löhne. Wo die Löhne stagnieren oder gar real sinken, herrscht kein Mangel. Da gibt es nur Arbeitgeber, die nicht anständig zahlen wollen.“Vorsitzender der Gewerkschaft vida
Ab Oktober verhandelt die Gewerkschaft vida die Kollektivverträge für Eisenbahnen, Handelsarbeiter:innen, private Autobusbetriebe, den Straßengüterverkehr und private Sicherheitsdienste. Die zentrale Forderung: Die Teuerung vollständig ausgleichen und darüber hinaus die Einkommen real erhöhen – besonders die niedrigen.
Pressekonferenz
Montag, 05. Oktober 2026, 09:30 Uhr
- Zeit: Montag, 05. Oktober 2026, 09:30 Uhr
- Roman Hebenstreit, Vorsitzender Gewerkschaft vida
- Gerhard Tauchner, Vorsitzender vida-Fachbereich Eisenbahn
- Anil Zümrüt, Vorsitzender vida-Fachbereich Straße
- Christine Heitzinger, Vorsitzende vida-Fachbereich Dienstleistungen
Ausbildungsstreik statt Fachkräftesicherung: Bei der Bezahlung herrscht plötzlich Krise
In den Krisenjahren haben Beschäftigte Lohnzurückhaltung geübt. Ihre Lebenshaltungskosten steigen dennoch weiter: Die Inflation lag im September laut Schnellschätzung bei 3,6 Prozent. Gleichzeitig nimmt die Arbeitslosigkeit zu.
Die vida kritisiert, dass auf Personalengpässe regelmäßig mit mehr Rot-Weiß-Rot-Karten, längeren Mangelberufslisten und höheren Saisonkontingenten reagiert wird. Statt bessere Löhne und Arbeitsbedingungen anzubieten, soll das Arbeitskräfteangebot wachsen.
Hebenstreit bezeichnet dieses Zusammenspiel als „Lohndrückerkartell“: Geht es um zusätzliche Arbeitskräfte, wird ein dramatischer Fachkräftemangel beklagt. Geht es um deren Bezahlung, berufen sich Arbeitgeber auf eine Dauerkrise.
Ausbildungsstreik der Wirtschaft
Auch bei der Ausbildung klaffen die Forderungen der Wirtschaft und ihr Handeln auseinander. Im September 2026 gab es in Österreich 95.057 Lehrlinge – um 4,3 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Gleichzeitig standen 11.693 Lehrstellensuchenden nur 7.716 offene Lehrstellen gegenüber. Insgesamt waren 381.159 Menschen arbeitslos oder in Schulung.
„Wir erleben einen Ausbildungsstreik der Wirtschaft. Wer Fachkräfte braucht, muss sie ausbilden, anständig bezahlen und halten“, stellt Hebenstreit fest.
Für die Fachkräftestrategie fordert die vida deshalb ein klares Kriterium: Zusätzlicher Zuzug aus Drittstaaten über Rot-Weiß-Rot-Karte, Mangelberufsliste und Saisonkontingente soll nur in Branchen möglich sein, deren Löhne in den vergangenen fünf Jahren deutlich stärker gestiegen sind als die Inflation.
Die Forderung richtet sich gegen lohndrückende Arbeitsmarktpolitik. Für alle Beschäftigten gilt: Wer in Österreich arbeitet, hat Anspruch auf denselben Lohn und dieselben Rechte – unabhängig von der Herkunft.
Kaufkraft stärken: Teuerung ausgleichen und Reallöhne erhöhen
Obwohl die Wirtschaft 2025 real um 0,7 Prozent wuchs, sank das reale verfügbare Einkommen der Haushalte um 1,6 Prozent. Für die vida zeigt das: Lohnzurückhaltung entlastet Beschäftigte weder beim Einkauf noch bei der Miete. Sie schwächt vielmehr die Kaufkraft und damit die Nachfrage.
„Alles unter einer Teuerungsabgeltung ist eine Lohnkürzung. Wir brauchen den vollen Ausgleich der rollierenden Inflation – und darüber hinaus reale Lohnzuwächse, vor allem bei den niedrigen Einkommen“, unterstreicht Hebenstreit.
Mit der rollierenden Inflation ist die durchschnittliche Teuerung über den für die Verhandlungen maßgeblichen Zeitraum gemeint. Wird sie vollständig ausgeglichen, bleibt die Kaufkraft erhalten. Erst Lohnerhöhungen darüber hinaus bringen einen realen Einkommenszuwachs.
Unbezahlte Überstunden kosten Beschäftigte Milliarden
2025 wurden rund 46 Millionen Mehr- und Überstunden weder bezahlt noch durch Zeitausgleich abgegolten. Den Beschäftigten entgingen dadurch rund 2,5 Milliarden Euro Bruttoentgelt. Auch Staat und Sozialversicherung verloren rund 1,23 Milliarden Euro an Steuern und Beiträgen.
„Unbezahlte Überstunden sind Lohnraub. Wer Arbeit bestellt, muss sie bezahlen“, fordert Hebenstreit.
Die vida verlangt wirksame Kontrollen und harte Sanktionen bei systematischer Nichtabgeltung. Jede geleistete Arbeitsstunde muss bezahlt oder durch Zeitausgleich abgegolten werden.
Anständige Löhne sichern zudem die Finanzierung öffentlicher Leistungen. Nach den von der vida angeführten Berechnungen kostet bereits ein Prozent weniger Lohnentwicklung im Dienstleistungssektor rund 204 Millionen Euro an Steuern und 385 Millionen Euro an Sozialbeiträgen.
Eisenbahnen-KV: Rekordleistungen müssen sich im Lohn zeigen
Die Kollektivvertragsverhandlungen für rund 55.000 Beschäftigte in 98 Eisenbahnunternehmen beginnen am 12. Oktober 2026. Die Beschäftigten leisten immer mehr: Die Bahnen erreichen 138,9 Millionen Zugkilometer. Von 2023 bis 2025 fielen im Schnitt jährlich fünf Millionen Mehrleistungs- und Überstunden an, 410.000 Urlaubstage blieben offen.
Seit 2023 stieg die Betriebsleistung pro Kopf um 15,7 Prozent, die Produktivität um 11,3 Prozent. Gleichzeitig sank der Anteil der Personalkosten drei Jahre in Folge. Die realen KV-Mindestlöhne im Verkehr liegen dennoch unter dem Vorkrisenniveau.
„Die Bahn fährt Rekorde ein. Die Lohnerhöhung ist längst erwirtschaftet – sie wurde nur noch nicht ausbezahlt“, sagt Gerhard Tauchner, Vorsitzender des vida-Fachbereichs Eisenbahn und KV-Verhandlungsleiter.
Rund 7.000 Eisenbahner:innen beteiligten sich an der KV-Umfrage der vida. 93 Prozent verlangen die volle Abgeltung der Teuerung. Darüber hinaus fordert die Gewerkschaft einheitliche Arbeitszeitmodelle und ein Ende verkürzter Ruhezeiten. Ausreichende Erholung schützt Beschäftigte und Fahrgäste.
Handelsarbeiter:innen-KV: Anständige Löhne statt Krisenerzählung
Für die 150.000 Handelsarbeiter:innen starten die KV-Verhandlungen im Dezember. Die vida stellt die Krisenerzählung der Arbeitgeber infrage: Der Einzelhandel verzeichnete im Juli 2026 laut Statistik Austria ein reales Umsatzplus von zwei Prozent. Eine Studie im Auftrag der WKÖ weist seit 2017 steigende Bruttoumsätze aus – um 28 Prozent im Einzelhandel und um 67 Prozent im Onlinehandel.
„Wir haben unseren Beitrag geleistet. Aber Lebensmittel wurden nicht billiger, und unseren Kolleginnen und Kollegen blieb am Monatsende immer weniger übrig“, sagt Christine Heitzinger, Vorsitzende des vida-Fachbereichs Dienstleistungen.
Die Beschäftigten brauchen Lohnerhöhungen, die ihre Kaufkraft sichern.
Bus- und LKW-KV: Respekt muss im Geldbörsel sichtbar sein
Im November beginnen die Verhandlungen für private Autobusbetriebe und die Güterbeförderung. Die vida fordert anständige Lohnerhöhungen bis hin zu Reallohnzuwächsen, ausreichend Personal und verlässlichere Dienstpläne. Weitere Forderungen sind die Anpassung der Diäten sowie Arbeitsplatz- und Lohngarantien.
Im Straßengüterverkehr belasten fehlendes Personal und schlechte Arbeitsbedingungen die Beschäftigten. In Österreich fehlen rund 8.000 LKW-Lenker:innen. Ein Drittel der Fahrer:innen ist über 55 Jahre alt, nur drei Prozent sind unter 25.
Um den Beruf attraktiver zu machen, fordert die vida eine Raststätten-Offensive von Politik und ASFINAG. Dazu gehören bessere Möglichkeiten für Pausen und Erholung. Gegen Lohn- und Sozialdumping braucht es deutlich mehr Kontrollen.
Busfahrer:innen brauchen Entlastung und Schutz vor Gewalt
Auch im Busverkehr wächst der Druck: Ein Viertel der Busfahrer:innen geht in den nächsten Jahren in Pension. Lange Dienste von bis zu 15 Stunden und zunehmende Gewalt verschärfen die Belastung.
„Aber wer Busfahrerinnen und Busfahrer anspuckt, beschimpft oder schlägt, der greift uns alle an“, betont Anil Zümrüt, Vorsitzender des vida-Fachbereichs Straße.
Die vida fordert ein konsequentes Meldesystem für Übergriffe, geschlossene Fahrerkabinen und ein Ende des Ticketverkaufs durch die Fahrer:innen im Bus.
Die zentralen Forderungen der vida zur Herbstlohnrunde 2026
- Kaufkraft stärken: Die rollierende Inflation vollständig abgelten und reale Lohnzuwächse erreichen – besonders bei niedrigen Einkommen.
- Jede Stunde zählt: Geleistete Arbeit bezahlen oder durch Zeitausgleich abgelten. Systematische Verstöße wirksam kontrollieren und sanktionieren.
- Ausbilden und anständig bezahlen: Zusätzlichen Zuzug aus Drittstaaten an eine Lohnentwicklung deutlich über der Inflation knüpfen und dieses Kriterium in der Fachkräftestrategie verankern.
Arbeitsbedingungen verbessern: Mehr Personal, verlässliche Dienstpläne, ausreichende Ruhezeiten und besseren Schutz vor Gewalt durchsetzen.
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