Zum Hauptinhalt wechseln

Kollektivvertrag Hotellerie und Gastronomie: WKÖ schützt Problemfälle statt Beschäftigte

Zweite KV-Runde endet ohne Ergebnis – Gewerkschaft vida kritisiert Blockade bei Löhnen und Überstundenregelungen

Tourismus

Gewerkschaft vida

Auch die zweite Verhandlungsrunde zum Kollektivvertrag (KV) für die Hotellerie und Gastronomie am 7. April 2026 ist ergebnislos geblieben. Für die Gewerkschaft vida verdichtet sich damit der Eindruck: Die Arbeitgeberseite verhindert nicht nur eine faire Lohnentwicklung, sondern blockiert auch dringend notwendige Verbesserungen bei Überstunden.

„Bei einer Inflation von 3,6 Prozent bedeuten Abschlüsse darunter reale Einkommensverluste. Gerade im Tourismus, wo viele Beschäftigte ohnehin an der Armutsgrenze arbeiten, ist das völlig unverständlich“, kritisiert vida-Verhandlungsleiterin Eva Eberhart das Angebot der Wirtschaftskammer von durchschnittlich 3 Prozent.

Streitpunkt Überstunden: Schutz für säumige Betriebe?

Besonders scharf fällt die Kritik an der Haltung der Arbeitgeber bei Überstunden aus. Laut vida lehnt die Wirtschaftskammer zwei zentrale Forderungen ab:

  • Erhöhung der Überstundenzuschläge auf 65 Prozent, wenn diese verspätet ausbezahlt werden
  • Verlängerung der Verfallsfrist für Ansprüche von derzeit vier auf acht Monate

„Damit werden genau jene Arbeitgeber geschützt, die bei der Auszahlung von Überstunden säumig sind. Beschäftigte hingegen bleiben auf ihrer Leistung sitzen oder laufen Gefahr, dass ihre Ansprüche verfallen“, so Eberhart.

Branche mit strukturellem Problem

Die Diskussion ist kein Detailthema, sondern betrifft den Alltag tausender Beschäftigter. Gerade in der Hotellerie und Gastronomie gehören Überstunden zur Realität – oft unter hohem Zeitdruck, mit langen Arbeitszeiten und wenig Planungssicherheit.

„Die Beschäftigten leisten enorm viel – oft weit über die normale Arbeitszeit hinaus. Aber bei der Bezahlung bleibt die Branche minimalistisch“, betont Eberhart.

Besonders brisant: Laut Interventionen von Arbeiterkammer und vida ist die Branche Spitzenreiter bei unbezahlten Überstunden.

Eva Eberhart Portrait
„Ein Wirt kann auch nicht monatelang seine Lieferanten nicht bezahlen, ohne dass es Folgen gibt. Warum soll das bei den Beschäftigten anders sein?"
Eva Eberhart
vida-Verhandlungsleiterin

Die Forderung

Mehrarbeit muss vollständig und rechtzeitig bezahlt werden – und wer sich nicht daran hält, darf nicht länger ohne Konsequenzen davonkommen.

„Problemkinder“ verzerren den Wettbewerb

Für die Gewerkschaft vida geht es nicht nur um einzelne Missstände, sondern um ein strukturelles Problem in der Branche.

„Die WKÖ schützt de facto die Problemkinder der Branche“, kritisiert Eberhart. Gemeint sind Betriebe, die systematisch gegen Regeln verstoßen – etwa durch:

  • nicht bezahlte Überstunden
  • Verstöße gegen Jugendschutzbestimmungen
  • Manipulationen bei Registrierkassen

Diese Praktiken hätten weitreichende Folgen:
Sie benachteiligen nicht nur Beschäftigte, sondern auch jene Betriebe, die fair wirtschaften und sich an Regeln halten.

vida fordert klare Regeln statt Ausreden

Die Gewerkschaft vida bleibt verhandlungsbereit, erwartet aber ein deutlich verbessertes Angebot der Arbeitgeberseite.

Die Branche braucht keine Ausreden – sondern verbindliche Regeln, die Beschäftigte schützen und faire Wettbewerbsbedingungen schaffen.

Denn ohne bessere Arbeitsbedingungen wird sich auch das zentrale Problem der Branche nicht lösen: der Mangel an Arbeitskräften.

Gute Gründe, gerade jetzt Mitglied zu werden
 

vida Logo Hexagon

vida Logo Hexagon

Du willst, dass Verhandlungen wieder auf Augenhöhe stattfinden – mit Ergebnissen, die im Geldbörsel ankommen?


Grafik Powered by Gerechtigkeit

 

Mehr Themen für dich