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Gütesiegel für fairen Tourismus: vida fordert Schutz redlicher Betriebe und Wiederaufnahme der KV-Verhandlungen

Mit einem offenen Brief an die Wirtschaftskammer Österreich fordert die Gewerkschaft vida die Einführung eines verbindlichen Gütesiegels für fairen Tourismus sowie die rasche und respektvolle Wiederaufnahme der Kollektivvertragsverhandlungen in der Branche.

Tourismus

Gewerkschaft vida

Das geplante Gütesiegel soll jene Tourismusbetriebe sichtbar machen und gezielt belohnen, die fair wirtschaften: also ordentliche Arbeitsbedingungen bieten, kollektivvertragliche Standards einhalten, korrekt abgaben- und sozialversicherungsrechtlich handeln – und damit aktiv zum Schutz des Sozialstaates beitragen.

Faire Betriebe stärken statt schwarze Schafe schützen

„Der österreichische Tourismus lebt von hunderttausenden Beschäftigten und von tausenden Betrieben, die tagtäglich redlich arbeiten. Genau diese Unternehmen verdienen Schutz, Anerkennung und konkrete Vorteile – nicht jene, die durch systematischen Betrug Wettbewerb verzerren und den Sozialstaat schädigen“, betont Roman Hebenstreit, Vorsitzender der Gewerkschaft vida.

Ein Gütesiegel für fairen Tourismus wäre nicht nur ein Signal an Konsument:innen, sondern auch ein wirksames Instrument gegen Lohn- und Sozialdumping. Wer fair arbeitet, soll davon profitieren – wirtschaftlich, reputativ und politisch. Wer sich Vorteile durch Regelbruch verschafft, darf nicht länger belohnt werden.

Kollektivvertragsverhandlungen sind kein Entgegenkommen, sondern Pflicht

Gleichzeitig fordert die Gewerkschaft vida die Wiederaufnahme der Kollektivvertragsverhandlungen. „Wer den Tourismus stärken will, muss auch die Menschen stärken, die ihn tragen. Verhandlungen fortzuführen ist kein Entgegenkommen, sondern eine Frage des Respekts gegenüber den Beschäftigten“, so Hebenstreit.

Gerade in einer Branche, die seit Jahren mit Personalmangel, hoher Fluktuation und steigender Arbeitsbelastung kämpft, braucht es verbindliche Regeln, faire Löhne und verlässliche Arbeitsbedingungen – keine Hinhaltetaktik.

Der offene Brief im Wortlaut

An die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ)
Fachverband Hotellerie & Fachverband Gastronomie
z. Hd. Herrn Georg Imlauer & Herrn Alois Rainer
Wiedner Hauptstraße 63, 1045 Wien

Wien, am 6.2.2026

 

Betreff:
Fakten statt Befindlichkeiten
Unser Vorschlag für einen sauberen Tourismus

 

Sehr geehrte Herren,

zu unserem Bedauern haben Sie die Kollektivvertragsverhandlungen für mehr als 200.000 Tourismusbeschäftigte medienöffentlich verweigert, und fordern eine Entschuldigung der Gewerkschaft als Bedingung für die Aufnahme der Lohnverhandlungen. Wir erlauben uns diesbezüglich festzuhalten, dass die von uns transparent gemachten Fakten medienöffentlich waren und bekanntermaßen den Tatsachen entsprechen.

Wir führen hier unserer Auffassung nach also einen „Streit um des Kaisers Bart“, ab wann eine signifikante Anhäufung von Einzelfällen zum System wird. Wir sehen es im Sinne der redlichen Unternehmen der Branche sowie im Interesse der Steuerzahler:innen als unumgänglich an - Fälle wie jene im Jänner 2026 aufgedeckten -, wonach eine betrügerische Software entwickelt wurde, die gezielt Buchungen löscht und diese laut Mediendarstellungen von einer dreistelligen Anzahl an Betrieben aktiv genutzt wurde, als das zu benennen, was es ist. Im Strafrecht spricht man von einer kriminellen Vereinigung, wenn sich mehrere Personen zusammenschließen, um fortgesetzt Straftaten zu begehen. Wenn Betriebsmittel direkt in kriminelle Energie investiert werden, um den Sozialstaat zu schädigen, muss man das Kind beim Namen nennen dürfen.

Dass Sie nun die Verhandlungen für rund 200.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter blockieren, weil Ihnen die Benennung dieser Tatsachen missfällt, befremdet uns. Die Zeiten, in denen Beschäftigte für das vermeintliche Fehlverhalten ihrer Standesvertretung in Mithaftung genommen wurden, sollten wir hinter uns haben.

Wir bieten Ihnen einen konstruktiven und sachlichen Ausweg an:

Ihren Aussagen entnehmen wir, dass wir ein Interesse teilen: Wir wollen die „schwarzen Schafe“ bekämpfen, weil sie der Branche, dem Sozialstaat und damit den Menschen in diesem Land einen inakzeptablen Schaden zufügen. Die Gewerkschaft vida hat sich mit einer redlichen heimischen Softwarefirma ausgetauscht und eine manipulationssichere, zertifizierbare Softwarelösung entwickeln lassen, die auch bei den Arbeitnehmerschutzbehörden volle Akzeptanz findet.

Lassen Sie uns daraus gemeinsam ein Gütesiegel für redliche Betriebe entwickeln. Unsere Vision:

  • Zertifizierte Transparenz:

Wer dieses Siegel trägt, beweist, dass er redlich handelt und faire Arbeitsbedingungen bietet.

  • Besserstellung:

Betriebe mit diesem Siegel sollen spürbar entlastet werden und Vorteile genießen.

  • Schutz der Redlichen:

Wir trennen gemeinsam die Spreu vom Weizen und schützen jene Unternehmen, die sich an die Spielregeln halten und in Qualität investieren, vor unlauterem Wettbewerb.

  • Regierungsprogramm umsetzen:

Gehen wir in die Umsetzung des im Regierungsprogramm verankerten „Maßnahmenpakets zur Steigerung der Fairness gegenüber den Beschäftigten und Sichtbarmachung guter Arbeitgeber:innen“. Nutzen wir zudem die im Regierungsprogramm vereinbarte Kampagne „Team Tourismus – starke Branche, deine Chance“ mit Fokus auf die Wertschätzung der Tourismusbeschäftigten zur Implementierung eines branchenweit starken Qualitätsmechanismus.

Lassen Sie uns die Emotionen beiseitelegen und gemeinsam an diesem Gütesiegel arbeiten. Kehren wir an den Verhandlungstisch zurück, um faire Lösungen für die Branche und die Beschäftigten zu erarbeiten. Arbeiten wir gemeinsam daran, dass wir alle wieder stolz auf diese für dieses Land so zentrale Branche sein können.

Es ist viel zu tun. Gehen wir es gemeinsam an.

Mit gewerkschaftlichen Grüßen

Roman Hebenstreit
Vorsitzender der Gewerkschaft vida

 

 

KV-Verhandlungen