KV-Verhandlungen Ordensspitäler Oberösterreich: Arbeitgeber legen weiterhin kein ernsthaftes Angebot vor
Auch in der fünften Verhandlungsrunde keine Annäherung – Gewerkschaft vida fordert Nachbesserung
KV Verhandlung
In der fünften Runde der Kollektivvertragsverhandlungen für die Ordensspitäler Oberösterreichs ist es erneut zu keiner wesentlichen Annäherung gekommen. Trotz deutlicher Kompromissbereitschaft der Gewerkschaft vida verweigert die Arbeitgeberseite bei zentralen Punkten weiterhin substanzielle Zugeständnisse. Betroffen sind rund 10.000 Beschäftigte in den oberösterreichischen Ordensspitälern.
Die Gewerkschaft vida fordert die Arbeitgeber auf, ihr Angebot bis Mittwoch kommender Woche deutlich nachzubessern. Die Gespräche sollen zunächst in einer Arbeitsgruppe fortgeführt werden. Danach werden die Beschäftigten erneut über den Verhandlungsstand informiert und zu möglichen weiteren Maßnahmen befragt.
Gewerkschaft vida legt tragfähigen Kompromiss vor
„Wir haben einen großen Schritt auf die Arbeitgeber zugemacht“, erklärt Martina Reischenböck, KV-Verhandlerin und oberösterreichische Gesundheitssprecherin der Gewerkschaft vida. Die Gewerkschaft ist bereit, den Gehaltsabschluss des öffentlichen Dienstes zu übernehmen – unter der Voraussetzung einer schrittweisen Arbeitszeitverkürzung.
Konkret sieht der Vorschlag vor, die Normalarbeitszeit innerhalb von drei Jahren auf 37 Wochenstunden zu senken. Dieses Modell ist im Kollektivvertrag der Sozialwirtschaft Österreich (SWÖ) bereits etabliert. Laut vida bietet der Vorschlag Planungssicherheit, Umsetzbarkeit und finanzielle Kalkulierbarkeit für alle Beteiligten.
Ursprünglich hatten die Beschäftigten eine 35-Stunden-Woche gefordert. „Trotz dieses klaren Entgegenkommens gibt es von den Arbeitgebern weiterhin kaum Bewegung“, kritisiert Reischenböck.
Arbeitgeberangebot bringt nur minimale Entlastung
Das bislang letzte Angebot der Arbeitgeber unterscheidet sich laut Gewerkschaft kaum von früheren Vorschlägen. Vorgesehen ist lediglich ein zusätzlicher Urlaubstag pro Vollzeitkraft, für Teilzeitbeschäftigte anteilig.
„Das entspricht rechnerisch einer Entlastung von rund neun Minuten pro Woche bei einer Vollzeitstelle. Angesichts der hohen Arbeitsbelastung im Spitalsbereich ist das kein ernsthaftes Angebot“, stellt Reischenböck klar.
Aus dem Kreis der Verhandler:innen heißt es entsprechend deutlich:
„Wir sind fünf Kilometer auf die Arbeitgeber zugegangen – und sie nur einen Fußbreit.“
Beschäftigte fordern spürbare Arbeitszeitverkürzung
Dass die Forderung nach einer Reduktion der Wochenarbeitszeit im Gesundheitsbereich realistisch ist, zeigt der Blick auf andere Branchen. In der Sozialwirtschaft sind 37 Wochenstunden seit Jahren Standard. Eine schrittweise Umsetzung über mehrere Jahre würde zudem eine verlässliche Planung ermöglichen.
Auch Beschäftigte der Ordensspitäler melden sich im Zuge der KV-Verhandlungen zu Wort:
„40 Stunden sind in diesen Berufen kaum mehr zu bewältigen. Das Arbeitstempo ist in den letzten Jahren massiv gestiegen. Unter diesen Bedingungen steigt auch die Fehleranfälligkeit – das betrifft direkt die Patient:innensicherheit“, betont eine Kollegin.
Eine andere ergänzt: „Wir erwarten ernsthafte Lösungen und einen klaren Fahrplan zur Arbeitszeitverkürzung.“
„Seit über vier Monaten kennen die Arbeitgeber unsere Forderungen. Dennoch erleben wir eine konsequente Verweigerungshaltung“, sagt eine weitere Beschäftigte.
Landespolitik bei Finanzierung der Ordensspitäler in der Verantwortung
Da das Land Oberösterreich die Ordensspitäler mitfinanziert und zugleich von deren wirtschaftlichen Rückflüssen profitiert, sieht die Gewerkschaft vida auch die Landespolitik in der Pflicht.
Markus Simböck, Mitglied des KV-Verhandlungsteams, appelliert an die Arbeitgeber:
„Gehen wir gemeinsam auf die Landespolitik zu und fordern die notwendigen finanziellen Zusagen ein. Gute Arbeitsbedingungen im Spitalsbereich sind keine Zusatzleistung, sondern die Grundlage für eine sichere und hochwertige Gesundheitsversorgung.“
Petition
Unterstützung erhalten die Beschäftigten bereits von tausenden Unterzeichner:innen der Petition „Sichere Gesundheitsversorgung in OÖ braucht Entlastung für die Beschäftigten der Ordensspitäler.“