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Der globale Arbeitskampf im Gesundheitswesen

Warum Pflegekräfte weltweit streiken.

International

Eyewitness News ABC7NY | YouTube

Ob New York, Oberösterreich oder anderswo: Wenn Pflegekräfte streiken, geht es längst nicht mehr um Einzelfragen oder regionale Besonderheiten.

Die aktuellen Arbeitskämpfe der New Yorker Nurses und die Forderungen von Arbeitnehmer:innen im österreichischen Gesundheitssystem zeigen vielmehr ein globales Muster. Überlastung, Personalmangel und chronische Unterfinanzierung sind kein Zufall – sie sind systemimmanent.

Gleiche Probleme trotz unterschiedlicher Systeme

Auf den ersten Blick könnten die Gesundheitssysteme kaum unterschiedlicher sein: hier das stark marktorientierte US-System, dort das sozialpartnerschaftlich organisierte österreichische Modell. Doch die Realität in den Spitälern erzählt eine andere Geschichte.

Pflegekräfte berichten in beiden Ländern von:

  • Chronischer Personalmangel
  • extrem hoher Arbeitsverdichtung
  • steigenden psychischen und physischen Belastungen
  • einer Bezahlung, die mit Verantwortung und Belastung nicht Schritt hält

Größter Pflege-Streik in der Geschichte New Yorks

Quelle: Eyewitness News ABC7NY | YouTube

Am 12. Januar 2026 traten rund 15.000 Pflegekräfte (Registered Nurses) in New York City in den größten Pflege-Streik in der Geschichte der Stadt ein.

Der Arbeitskampf betrifft Beschäftigte der drei großen privaten Kliniksysteme Mount Sinai, Montefiore und NewYork-Presbyterian.

Stand heute, 24. Jänner 2026, befinden sich die Pflegekräfte den 12. Tag im Streik um faire Arbeitsbedingungen.


New Yorks größte Gewerkschaft und Berufsvertretung für diplomierte Pflegekräfte.


Der Streik der New Yorker Nurses richtet sich zentral gegen unsichere Personalbesetzungen und untragbare Arbeitslasten. Genau diese Punkte stehen auch im Zentrum der gewerkschaftlichen Forderungen in Österreich – etwa in Ordensspitälern, Privatkrankenanstalten oder der Sozialwirtschaft.

Überlastung ist kein Betriebsunfall

Die Erzählung, Überlastung sei eine Folge von Krisen, Personalknappheit oder kurzfristigen Engpässen, greift zu kurz. Tatsächlich ist sie strukturell produziert.

Weltweit wurden Gesundheitssysteme in den vergangenen Jahrzehnten nach betriebswirtschaftlichen Kriterien umgebaut:

  • Kostendämpfung statt Versorgungsqualität
  • Effizienzkennzahlen statt Zeit für Patient:innen
  • Personaleinsparungen statt nachhaltiger Personalplanung

Pflegearbeit gilt dabei häufig als „Kostenfaktor“, nicht als tragende Säule der öffentlichen Daseinsvorsorge. Das Ergebnis ist überall ähnlich: Beschäftigte arbeiten am Limit – und darüber hinaus.

Wenn Pflegekräfte streiken, streikt das System

Sowohl in New York als auch in Österreich wird Pflegekräften im Streik reflexartig Verantwortungslosigkeit vorgeworfen. Das ist nicht nur falsch, sondern zynisch.

Denn tatsächlich machen Streiks sichtbar, was im Alltag oft verdeckt wird:
Ein System, das nur funktioniert, weil Beschäftigte permanent über ihre Grenzen gehen, ist kein funktionierendes System.

Pflegekräfte streiken nicht trotz, sondern wegen ihrer Verantwortung:

  • für Patient:innen
  • für Kolleg:innen
  • für eine Gesundheitsversorgung, die diesen Namen verdient

Globale Krise, globale Lehren

Die Parallelen zwischen den Arbeitskämpfen zeigen: Es handelt sich nicht um nationale Ausreißer, sondern um eine globale Krise der Gesundheitsarbeit. Unterschiedliche Systeme, gleiche Logik – und gleiche Folgen.

Was es braucht, ist ein grundsätzlicher Kurswechsel:

  • verbindliche Personalstandards statt Schönrechnerei
  • Arbeitszeitmodelle, die gesundes Arbeiten ermöglichen
  • Löhne, die Qualifikation und Belastung abbilden
  • und eine klare politische Entscheidung gegen Sparpolitik im Gesundheitswesen

Gesundheit ist keine Ware

Die Kämpfe der New Yorker Nurses und der Beschäftigten in Österreich senden dieselbe Botschaft: Gesundheit darf nicht nach Marktlogik organisiert werden.

Solange Profite, Budgetdeckel und „Effizienzprogramme“ über Menschen gestellt werden, bleibt Überlastung kein Ausnahmezustand, sondern Normalität. Wer das ändern will, muss dort ansetzen, wo das Problem entsteht – im System selbst.

 

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