KV-Runde Ordensspitäler OÖ: Wie geht es weiter?
vida präsentiert Ergebnisse der Beschäftigtenbefragung und informiert über weiteren Fahrplan in den Kollektivvertragsverhandlungen.
Pressekonferenz
Fünf KV-Runden ohne Durchbruch: Ordensspitäler OÖ vor entscheidender Verhandlungsrunde
Seit der Forderungsübergabe am 16. September 2025 verhandelt die Gewerkschaft vida mit den Arbeitgebern der oberösterreichischen Ordensspitäler über einen neuen Kollektivvertrag für rund 10.000 nichtärztliche Beschäftigte. Der offizielle Start der KV-Verhandlungen war am 26. November 2025. Seither gab es fünf Verhandlungsrunden und eine zusätzliche Arbeitsgruppe – ohne substanzielle Annäherung.
Der nächste Termin am 24. Februar 2026 gilt nun als Weggabelung.
Druck aus den Häusern: 6.843 Absichtserklärungen und erster Streik
Die Beschäftigten haben in den vergangenen Monaten deutlich gemacht, dass sie hinter ihren Forderungen stehen. Am 3. Dezember 2025 übergaben mehrere Hundert Kolleg:innen in Linz, Wels und Ried insgesamt 6.843 Absichtserklärungen. Gefordert wurden ein echter Inflationsausgleich und eine spürbare Arbeitszeitverkürzung. Gleichzeitig wurde ein 40-Tage-Ultimatum gesetzt.
Nachdem es dennoch zu keiner entscheidenden Bewegung kam, folgte am 22. Jänner 2026 ein erster Streik in allen acht Ordensspitälern Oberösterreichs.
Die zentrale Botschaft der Beschäftigten: Die Arbeit wird dichter, der Druck höher – Entlastung bleibt aus.
Arbeitszeit im Zentrum: Entgegenkommen ohne Antwort
Ursprünglich forderte die Arbeitnehmer:innenseite eine schrittweise Reduktion auf 35 Wochenstunden. In der fünften Verhandlungsrunde wurde diese Forderung auf eine schrittweise Reduktion auf 37 Stunden bis 2028 angepasst – ein deutliches Entgegenkommen.
„Wir haben fünf Runden und zusätzlich eine Arbeitsgruppe hinter uns. Wir bringen Lösungen, Modelle und Kompromissvorschläge ein. Aber bei der Arbeitszeit erleben wir bisher zu wenig Bewegung.“vida KV-Verhandlerin
Die Reaktion der Arbeitgeber blieb bislang minimal:
- Umwandlung eines Sonderurlaubstags in einen regulären Urlaubstag
- rechtliche Möglichkeit, angespartes Zeitguthaben zu konsumieren
Eine strukturelle Arbeitszeitverkürzung ist damit weiterhin nicht vereinbart.
80 Prozent für weitere Kampfmaßnahmen
Bis heute, 8 Uhr, stimmten die Beschäftigten über das weitere Vorgehen ab. Trotz massiver Einflussnahme aus einzelnen Geschäftsführungen fiel das Ergebnis klar aus:
80 Prozent lehnen das bisherige Angebot ab und sprechen sich – falls nötig – für einen erneuten Streik aus.
„Es braucht am 24. Februar eine Lösung. Wir sind weiterhin überzeugt, dass eine Einigung am Verhandlungstisch möglich ist. Kommt es dazu nicht, liegt mit dem klaren Votum der Beschäftigten bereits der Streikbeschluss für den 3. März vor.“vida KV-Verhandlerin
Ordensspitäler OÖ: Systemrelevant für Versorgung und Wirtschaft
Die Bedeutung der Ordensspitäler für Oberösterreich ist enorm:
- 52 Prozent der stationären Patient:innen werden dort versorgt
- 51 Prozent der ambulanten Besuche finden in Ordensspitälern statt
- 46 Prozent der über den Landesgesundheitsfonds finanzierten Betten befinden sich dort
- Bruttowertschöpfung: rund 1,76 Milliarden Euro
- Jeder 43. Euro der oberösterreichischen Wertschöpfung stammt aus diesem Bereich
- Pro Vollzeitäquivalent werden jährlich rund 184.230 Euro Wertschöpfung generiert
„Was hier verhandelt wird, betrifft nicht nur 10.000 Beschäftigte, sondern potenziell jede und jeden im Land. Die Arbeitsbedingungen sind keine interne Frage, sondern eine Frage der Versorgungssicherheit.“vida-Landesvorsitzender Oberösterreich
Orientierung am öffentlichen Dienst – mit klarer Bedingung
Traditionell orientiert sich der KV der Ordensspitäler am Abschluss des öffentlichen Dienstes. Dieser sieht einen 3-Jahres-Abschluss mit 3,3 Prozent ab Juli 2026 und jeweils 1 Prozent in den Folgejahren vor.
„Wir haben bereits in Aussicht gestellt, dass wir diesen Krisenabschluss mittragen würden – vorausgesetzt, es gibt eine spürbare, verbindliche Entlastung bei der Arbeitszeit.“
Lohnabschluss ja – aber nicht ohne strukturelle Entlastung.
Offener Brief an Politik: Verantwortung für Versorgung heißt Verantwortung für Personal
Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerinnen wie Isabel Burgstaller-Schoberleitner und Daniela Klostermann machen in einem offenen Brief an Landesrätin Christine Haberlander und Landeshauptmann Thomas Stelzer deutlich:
Die Identifikation mit dem Beruf ist hoch. Der Stolz auf Professionalität ebenso. Doch unter den aktuellen Bedingungen ist die Arbeit für viele langfristig nicht mehr leistbar.
„Wir sind nicht Spielball zwischen Arbeitgebern und Politik. Verantwortung für die Versorgung braucht auch Verantwortung für die Menschen, die sie leisten.“
Breite Mitbestimmung – so demokratisch wie noch nie
Die heurigen KV-Verhandlungen zeichnen sich durch eine besonders breite Einbindung der Basis aus:
- Teamdelegierte in allen Häusern
- Informationswege direkt in die Teams
- demokratische Abstimmungen über weitere Schritte
6.843 Absichtserklärungen, die hohe Streikbeteiligung und mehr als 10.000 Unterschriften für die Petition „Sichere Gesundheitsversorgung in OÖ braucht Entlastung“ zeigen: Die Forderung nach Arbeitszeitverkürzung und Entlastung wird nicht nur von der Belegschaft, sondern auch von der Zivilgesellschaft getragen.
24. Februar: Entscheidung über Verhandlungslösung oder Eskalation
Am 24. Februar 2026 entscheidet sich, ob es eine vertraglich abgesicherte Arbeitszeitentlastung gibt. Die Arbeitnehmer:innenseite hat ihre Kompromissbereitschaft mehrfach belegt.
Nun liegt der Ball bei den Arbeitgebern. Streik bleibt das letzte Mittel. Doch ohne echte Bewegung bei der Arbeitszeit wird der Personalengpass nicht kleiner, die Belastung nicht geringer und die Versorgung nicht stabiler.
Entlastung ist keine Luxusforderung. Sie ist Voraussetzung dafür, dass Oberösterreich auch künftig auf eine sichere Gesundheitsversorgung bauen kann.