Zweiter Streik in den Ordenskrankenhäusern Oberösterreich: Beschäftigte senden unüberhörbares Signal
Druck auf Arbeitgeber vor Verhandlungsrunde am 12. März steigt
Streik
Mit einem ganztägigen Streik haben heute Beschäftigte aus allen acht Ordenskrankenhäusern in Oberösterreich ein deutliches Zeichen gesetzt. Insgesamt beteiligten sich rund 1.700 nichtärztliche Beschäftigte an Streikversammlungen. Die hohe Beteiligung zeigt: Die Geduld der Mitarbeiter:innen ist erschöpft.
Bereits Ende Jänner hatte es einen ersten Streik gegeben. Auch eine eingesetzte Arbeitsgruppe sowie die sechste Verhandlungsrunde am 24. Februar blieben ohne Ergebnis. Ein substanziell verbessertes Angebot der Arbeitgeber liegt weiterhin nicht vor. Die Beschäftigten fordern vor allem spürbare und nachhaltige Entlastung durch eine Arbeitszeitverkürzung auf 37 Wochenstunden.
„Die Beschäftigten tragen das System – jetzt sind die Arbeitgeber am Zug“
Für die Gewerkschaft vida ist klar: Der heutige Streik ist kein symbolischer Akt, sondern Ausdruck wachsender Frustration und Entschlossenheit.
„Die Kolleginnen und Kollegen stemmen Tag für Tag die Versorgung in den Ordenskrankenhäusern – unter enormem Druck, mit hoher Verantwortung und oft am Limit. Wer solche Leistungen einfordert, muss auch bereit sein, sie fair zu honorieren“, betont vida-KV-Verhandlerin Martina Reischenböck.
Die Gewerkschaft habe in den bisherigen Gesprächen mehrfach Bereitschaft zu konstruktiven Lösungen gezeigt und sei den Arbeitgebern entgegengekommen.
„Aber Verantwortung darf keine Einbahnstraße sein. Es ist immer die Arbeitnehmerseite, die Kompromissbereitschaft zeigt und selbst im Streik dafür sorgt, dass die Notfallversorgung jederzeit gesichert ist. Dieses Verantwortungsbewusstsein erwarten wir auch von den Arbeitgebern“, so Reischenböck.
Geplante Eingriffe und ambulante Termine mussten am 3. März verschoben werden.
Kritik an Einschüchterungsversuchen
Deutliche Kritik kommt von Gerald Mjka, Fachbereichsvorsitzender Gesundheit der Gewerkschaft vida. Er spricht von einem „unangebrachten und verantwortungslosen Verhalten“ einzelner Arbeitgeber im Vorfeld des Streiks.
„Die Kolleg:innen stehen für eine bessere und zukunftsfähige Versorgung der Patient:innen ein. Gleichzeitig berichteten Beschäftigte teilweise von massiven persönlichen Einschüchterungen. Der Druck wurde erhöht, indem planbare Operationen und Behandlungen nicht rechtzeitig verschoben wurden. Das hohe Pflichtbewusstsein der Belegschaften wurde offenbar strategisch genutzt, um die Streikbereitschaft zu schwächen“, kritisiert Mjka.
Breite Beteiligung an allen Standorten
Seit den frühen Morgenstunden fanden an allen Standorten Betriebs- und Streikversammlungen statt. Viele Beschäftigte betonten, dass sie diesen Schritt nicht leichtfertig setzen, sondern weil die Belastungsgrenze längst erreicht sei.
Bei der öffentlichen Streikversammlung in Linz nahmen rund 800 Personen teil – neben Beschäftigten auch zahlreiche Unterstützer:innen aus der Bevölkerung. Auch in Wels, Grieskirchen, Ried und Braunau fanden Streikversammlungen statt.
Die Botschaft war überall dieselbe: Ohne echte Bewegung der Arbeitgeber wird es keine Ruhe geben.
12. März wird zum Entscheidungsmoment
Die Gewerkschaft bleibt gesprächsbereit, erwartet jedoch bis zur nächsten Verhandlungsrunde am 12. März ein ernstzunehmendes Angebot.
„Die Beschäftigten haben heute sehr deutlich gezeigt, wie groß der Handlungsbedarf ist. Jetzt liegt es an den Arbeitgebern, Verantwortung zu übernehmen. Ohne substanzielle Bewegung werden wir weitere Maßnahmen setzen“, kündigt Reischenböck an.
Das Ziel ist klar: „Eine stabile und qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung in Oberösterreich. Aber diese gibt es nicht zum Nulltarif – sie braucht faire Bezahlung, Entlastung und Respekt für jene, die sie täglich sichern.“