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Fachkräfte von morgen: Gute Arbeit statt Ausbeutung und Abhängigkeit

Zur Fachkräftestrategie der Bundesregierung: Kritik an Rot-Weiß-Rot-Card - Sozial- und arbeitsrechtliche Standards absichern!

Pressekonferenz

Bim | Getty Images

Österreichs Fachkräftemangel: Herausforderung mit politischen Weichenstellungen

Die demografische Entwicklung in Österreich zeigt deutlich: In vielen Bereichen werden in den kommenden Jahren qualifizierte Fachkräfte fehlen. Eine vorausschauende Fachkräftestrategie ist daher notwendig. Entscheidend ist jedoch, welche Prioritäten die Bundesregierung setzt. Arbeitsmigration aus Drittstaaten kann Teil der Lösung sein – allerdings nur, wenn sie mit klaren arbeits-, sozial- und menschenrechtlichen Standards verbunden wird.

Pressekonferenz:

Fachkräfte von morgen: Gute Arbeit statt Ausbeutung und Abhängigkeit

Datum: 25. Februar 2026, 9:30 Uhr
Ort: „Riverbox“ im ÖGB-Haus Catamaran, Johann-Böhm-Platz 1, 1020 Wien

 

  • Roman Hebenstreit, Vorsitzender Gewerkschaft vida
  • Olivia Janisch, stv. Vorsitzende und Frauenvorsitzende Gewerkschaft vida
  • Judith Kohlenberger, Migrationsforscherin, WU Wien

Offene Fragen in der Fachkräftestrategie

  • Welche Qualifikationen werden konkret benötigt?
  • Welche Arbeits- und Lebensbedingungen bietet Österreich zugewanderten Fachkräften?
  • Wer trägt die Kosten für Ausbildung, Integration und soziale Infrastruktur?
  • Und wie kann Arbeitsmigration so organisiert werden, dass keine neuen Abhängigkeitsverhältnisse entstehen?

Ohne Antworten auf diese Fragen droht eine Politik, die kurzfristig Personallücken stopft, langfristig aber soziale Probleme verschärft.

Personalmangel oft hausgemacht

Gerade in jenen Branchen, die besonders laut über Arbeitskräftemangel klagen, zeigt sich: Das Problem liegt vielfach in den Arbeitsbedingungen. Wo Löhne stagnieren, Arbeitszeiten ausufern und Belastungen steigen, kehren Beschäftigte der Branche den Rücken. Niedrige Entlohnung und prekäre Aufenthaltsverhältnisse halten keine Fachkräfte im Land – sie erzeugen hohe Fluktuation und verschärfen den Personalmangel weiter.

Prekäre Aufenthaltstitel begünstigen Ausbeutung

Besonders problematisch ist die enge Kopplung von Aufenthaltstitel und Arbeitgeber. Wer bei Jobverlust automatisch auch sein Aufenthaltsrecht verliert, gerät in ein Abhängigkeitsverhältnis. Betroffene trauen sich häufig nicht, Missstände zu melden, ihre Rechte einzufordern oder sich gewerkschaftlich zu organisieren. So entsteht ein System, das Ausbeutung begünstigt und im schlimmsten Fall moderne Formen von Menschenhandel legalisiert.

Verantwortung statt Lückenfüllung

Ein Staat, der aktiv Arbeitskräfte aus Drittstaaten anwirbt, trägt Verantwortung: für faire Arbeitsbedingungen, soziale Absicherung, Rechtsschutz und echte Zukunftsperspektiven. Arbeitsmigration darf nicht auf das bloße „Stopfen von Personallücken“ reduziert werden. Nachhaltige Lösungen brauchen gute Arbeit, sichere Aufenthaltstitel und umfassende Integrationsangebote – vom Spracherwerb bis zu leistbarem Wohnraum.

Faire Arbeitsmigration nützt allen

Die Gewerkschaft vida und Migrationsforscherin Judith Kohlenberger zeigen anhand konkreter Beispiele, wie Anwerbung von Fachkräften sozial gerecht gestaltet werden kann. Wo Arbeits- und Menschenrechte eingehalten werden, profitieren alle: die zugewanderten Fachkräfte, die Betriebe durch stabile Beschäftigungsverhältnisse – und die Gesellschaft insgesamt durch bessere Integration und langfristige Fachkräftesicherung.

 

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