Zum Hauptinhalt wechseln

Ohne uns fährt kein Zug

Die Beschäftigten der ÖBB-Infrastruktur AG sorgen dafür, dass alles rund um die Uhr sicher auf Schiene ist - auch auf der neuen Koralmbahn.

Reportage

www.stefanjoham.com

Tief im Berg, in modernsten Leitstellen und auf kilometerlangen Gleisen – hier fährt die neue Koralmbahn. Doch dass alles pünktlich, sicher und zuverlässig funktioniert, ist keine Selbstverständlichkeit. Hinter diesem reibungslosen Betrieb stehen Menschen, deren Arbeit für die meisten unsichtbar bleibt. Vor dem neuen Stützpunkt der ÖBB-Infrastruktur AG in St. Paul, zuständig für Streckenmanagement und Anlagenentwicklung, kurz SAE, steht Betriebsratsvorsitzender Ernst Wölkart. Hinter ihm liegt ein moderner Bau – vor ihm eine Aufgabe, die mit der Eröffnung der Koralmbahn erst richtig begonnen hat.

Jahrhundertprojekt auf Schiene

Die Koralmbahn ist Teil der neuen Südstrecke in Österreich und gilt als eines der bedeutendsten Infrastrukturprojekte Europas. Sie verbindet die Steiermark und Kärnten auf völlig neue Weise und verkürzt die Reisezeiten drastisch. Damit dieses Jahrhundertprojekt im Alltag funktioniert, braucht es Menschen, die die Infrastruktur rund um die Uhr am Laufen halten. Mehr als 60 Beschäftigte arbeiten am SAE-Stützpunkt in St. Paul, über 500 sind es in der gesamten Region Süd 2, denen Betriebsrat Ernst Wölkart verlässlich zur Seite steht.

Rückgrat des Bahnverkehrs

Expert:innen aus den verschiedensten Fachbereichen treffen aufeinander: von Elektrotechnik, Fahrwegtechnik über Sicherungstechnik bis hin zu Ingenieurbau und Telematik. Sie überwachen Anlagen, prüfen Systeme und greifen ein, wenn etwas nicht nach Plan läuft – Tag und Nacht. Für Fahrgäste bleiben sie meist unsichtbar – und sind doch unverzichtbar. „Mit dem Zug von Klagenfurt nach Graz in 45 Minuten ist eine großartige Sache. Dazu braucht es aber auch eine verlässliche Infrastruktur“, sagt Ernst Wölkart. Für ihn sind seine Kolleg:innen die „stillen Helden im Hintergrund“, die den Betrieb am Laufen halten, rund um die Uhr, sieben Tage die Woche, 365 Tage im Jahr, bei jeder Witterung.

Ernst Wölkart ist seit über 30 Jahren bei der ÖBB-Infrastruktur AG beschäftigt. Als Betriebsratsvorsitzender ist er eine starke Stütze für die Belegschaft, zum Beispiel am SAE-Stützpunkt in St. Paul im Lavanttal. www.stefanjoham.com

Dritte Generation

Was Eisenbahninfrastruktur bedeutet, zeigt sich oft erst im Detail. Gerald Knaus kennt diese Details genau. 1986 hat der Eisenbahner in dritter Generation bei den ÖBB begonnen, heute ist er Fachkoordinator im Bereich Sicherungstechnik. Auf der Koralmbahn steuern heute digitale und elektronische Systeme den Zugverkehr – hochpräzise und weitgehend automatisiert. Gemeinsam mit seinem Team wartet und entstört Gerald Knaus sicherheitstechnische Anlagen wie elektronische Stellwerke, Hochgeschwindigkeitsweichen und Gleisfreimeldeanlagen – eine Aufgabe, die höchste Präzision und große Flexibilität verlangt. Denn gearbeitet wird meist dann, wenn andere schlafen. „Untertags fahren so viele Züge, dass wir kaum Wartungsfenster haben.“ Für Gerald Knaus ist das weit mehr als reine Technik: „Ich bin stolz, dass ich dazu beitrage, dass die Züge hier auf der Koralmbahn jeden Tag sicher fahren.“

Gerald Knaus weiß, wie Eisenbahninfrastruktur funktioniert. Der Sicherungstechniker hat Weichen und Gleisfreimeldeanlagen gut im Blick und fest im Griff. www.stefanjoham.com

Unter Hochspannung

Ein paar Kilometer weiter, entlang der Strecke, zeigt sich ein ganz anderer Teil dieser Arbeit: Robert Reinhart ist dort im Einsatz, wo der Strom fließt – oft in schwindelerregender Höhe. Seit 2014 ist Robert Reinhart bei den ÖBB beschäftigt. Was ihn fasziniert, ist etwas Unsichtbares: Elektrizität. „Strom sieht man nicht, hört man nicht – aber er ist immer da. Und man muss wissen, wie man damit umgeht.“ Gemeinsam mit seinen Kolleg:innen sorgt der Elektrotechniker dafür, dass die Energieversorgung stabil bleibt. Regelmäßig werden die Bahnstromanlagen kontrolliert und, wenn nötig, Schäden behoben. Zum Einsatz kommt dabei ein neues, modernes Hochleistungs-Instandhaltungsfahrzeug, mit dem Robert Reinhart und seine Kolleg:innen Höhen von bis zu 24 Metern erreichen. „Man sieht hier bei der Arbeit vieles, was andere nicht sehen – und genau das macht es auch so spannend.“

Für die Wartung der Bahnstromanlagen geht es mit dem modernen Hochleistungs-Instandhaltungsfahrzeug bis zu 24 Meter in luftige Höhen. Gut, dass Oberleitungsmonteur Robert Reinhart schwindelfrei ist. www.stefanjoham.com

Starkes Fundament

Doch nicht nur auf und über den Gleisen wird gearbeitet – auch darunter braucht es regelmäßige Kontrolle. Auf der 130 km langen Neubaustrecke gibt es immerhin rund 100 Brücken und 12 Tunnel. Philip Pajer kümmert sich als Arbeitskoordinator Ingenieurbauu um eines der spektakulärsten Bauwerke der Koralmbahn: die Jauntalbrücke. Mit 96 Metern Höhe zählt sie zu den höchsten Eisenbahnbrücken Europas. „Wir kontrollieren die Tragstruktur, den Beton- und Stahlbau und die Lagerstellungen“, berichtet Philip Pajer. Für den Bauingenieur war der Wechsel zu den ÖBB vor acht Jahren auch eine Entscheidung für Stabilität. „Früher war ich weltweit im Einsatz und oft wochenlang von zu Hause weg“, erzählt er. „Heute bin ich jeden Tag daheim bei meiner Familie.“ Gerade in der Corona-Zeit wurde für ihn deutlich, was ein sicherer Arbeitgeber bedeutet: „Während viele meiner ehemaligen Arbeitskollegen plötzlich ohne Arbeit dastanden, konnten wir bei den ÖBB jeden Tag arbeiten.“

Arbeitskoordinator Philip Pajer sorgt dafür, dass über die 96 Meter hohe Jauntalbrücke Tag für Tag Züge sicher von Klagenfurt nach Graz fahren können. www.stefanjoham.com

Weichen gestellt

Von der Brücke zurück auf die Strecke: Hier treffen wir Christoph Rabensteiner. Gemeinsam mit seinem Team ist der Fahrwegtechniker für die Wartung, Inspektion und Instandhaltung der Gleisanlagen verantwortlich. Diese können im Regelbetrieb mit bis zu 250 km/h befahren werden. „Bei der Weichenmessung fahren die Züge am Nachbargleis mit reduzierter Geschwindigkeit von 160 km/h direkt an uns vorbei.“ Gemessen wird im Zehntelmillimeterbereich – kleinste Abweichungen können große Auswirkungen haben. Gerade die Mischung aus Büroarbeit und Einsätzen vor Ort macht für Christoph Rabensteiner den Reiz aus. „Man ist draußen und sieht direkt, was die Arbeit bewirkt. Das ist schon etwas Besonderes.“

Bei der Weichenmessung arbeitet Fahrwegtechniker Christoph Rabensteiner mit seinen Kolleg:innen während des laufenden Eisenbahnbetriebs – höchste Sicherheit hat dabei immer Vorrang. www.stefanjoham.com

Gute Arbeit unter guten Bedingungen

Zurück zum SAE-Stützpunkt in St. Paul. Hier arbeiten unterschiedliche Berufsgruppen Hand in Hand. Jede Anlagenüberprüfung ist entscheidend, jede Aufgabe trägt Verantwortung – für die Sicherheit von Zügen, Fahrgästen und Kolleg:innen. Auch Betriebsrat Ernst Wölkart trägt Verantwortung. Er hat immer ein offenes Ohr für die Anliegen der Belegschaft. Ob Arbeitsrecht oder Kollektivvertrag – sein Alltag ist vielfältig. Ein großes Thema sind Überstunden und zunehmende Nachtschichten. Auch der Arbeitnehmerschutz spielt für ihn eine zentrale Rolle: „Viele Kolleginnen und Kollegen arbeiten im Gleisbereich. Dafür gibt es strenge Sicherheitsmaßnahmen, auf die wir natürlich besonders achten.“ Was sich Ernst Wölkart für seine Kolleg:innen wünscht? „Ganz klar: Wertschätzung und Gesundheit!“ Denn eines ist klar: Es sind die Beschäftigten der ÖBB-Infrastruktur AG, die das Land auf Schiene halten.

Die Koralmbahn verbindet Menschen und Regionen – und ist ein Projekt, auf das die Beschäftigten der ÖBB-Infrastruktur AG zu Recht stolz sein können. Werner Hartweger (links im Bild), Leiter Anlagenservice Center Klagenfurt, mit seinen Mitarbeitern und Betriebsratsvorsitzendem Ernst Wölkart (rechts im Bild). www.stefanjoham.com

Foto-Galerie

Gute Gründe, gerade jetzt Mitglied zu werden
 

vida Logo Hexagon

vida Logo Hexagon

Du willst, dass Verhandlungen wieder auf Augenhöhe stattfinden – mit Ergebnissen, die im Geldbörsel ankommen?


Grafik Powered by Gerechtigkeit