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„Es beginnt leise – und endet oft laut“

Mobbing am Arbeitsplatz beginnt oft schleichend – und genau das macht es so gefährlich. vida im Gespräch mit Präventionsexperte Günther Ebenschweiger.

vida Hören | Podcast

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Stell dir vor, du gehst morgens zur Arbeit – und dein erster Gedanke ist nicht: „Was steht heute an?“, sondern: „Hoffentlich passiert heute nichts.“ Ein abwertender Kommentar, ein falscher Blick oder das Gefühl, systematisch ausgeschlossen zu werden: Mobbing beginnt oft schleichend – und genau das macht es so gefährlich. Mobbing ist kein gewöhnlicher Konflikt, sondern ein wiederkehrendes Muster. Es belastet nicht nur Betroffene, sondern ganze Teams – und kann großen Schaden anrichten.

In einer Spezialfolge von „vidaHören“ ist Experte Günther Ebenschweiger vom Mobbing-Zentrum Österreich zu Gast. Wir sprechen darüber, warum Mobbing entsteht, welche Warnsignale ernst genommen werden sollten und wie man rechtzeitig handeln kann.

Günther Ebenschweiger, Mobbing-Präventsionexperte
„Mobbing ist ein systematisches, wiederholtes Verhalten über längere Zeit – mit dem Ziel, eine Person auszugrenzen oder zu verletzen. Es zeigt sich selten offen."
Günther Ebenschweiger
Mobbing- und Präventionsexperte

Hier ein Auszug aus dem Podcast-Interview:

Was ist Mobbing – und woran erkennt man es?

Günther Ebenschweiger: Mobbing ist ein systematisches, wiederholtes Verhalten über längere Zeit – mit dem Ziel, eine Person auszugrenzen oder zu verletzen. Es zeigt sich selten offen: Typisch sind subtile Formen wie Ignorieren, Ausschließen, Lächerlichmachen oder das Vorenthalten von Informationen. Auch kleine Signale können Hinweise sein – verdrehte Augen, demonstratives Schweigen oder das Gefühl, bewusst übergangen zu werden.

Gibt es Warnsignale?

Günther Ebenschweiger: Ein erstes Anzeichen ist oft ein anhaltendes Unwohlsein. Später kommen Selbstzweifel sowie körperliche Reaktionen wie Schlafprobleme oder Angst hinzu. Spätestens dann sollte gehandelt werden.

Warum entsteht Mobbing überhaupt?

Günther Ebenschweiger: Mobbing ist kein „Problem zwischen zwei Personen“, sondern ein gruppendynamischer Prozess. Es entsteht, wenn bestimmte Rollen zusammenwirken – und wenn das Umfeld nicht eingreift. Unternehmenskultur und Führung spielen dabei eine zentrale Rolle.

Welche Folgen hat Mobbing?

Günther Ebenschweiger: Für Betroffene reicht die Belastung von Stress und Krankheit bis hin zu schweren psychischen Folgen. Auch Unternehmen sind betroffen: Motivation sinkt, Krankenstände steigen, Produktivität geht verloren.

Welche Rolle spielen Kolleginnen und Kollegen?

Günther Ebenschweiger: Eine entscheidende. Wer früh „Stopp“ sagt, kann Mobbing verhindern – Schweigen verstärkt die Dynamik.

Was können Betroffene tun?

Günther Ebenschweiger: Nicht allein bleiben: Sprechen Sie mit jemandem, dokumentieren Sie Vorfälle und setzen Sie klare Grenzen. Holen Sie sich Unterstützung, etwa beim Betriebsrat oder bei der Gewerkschaft.

Was hilft bei der Prävention?

Günther Ebenschweiger: Früh reagieren, offen ansprechen und respektvoll kommunizieren. Führungskräfte müssen klar Haltung zeigen: Mobbing wird nicht toleriert.

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