Weil Gerechtigkeit kein Zufall ist
Sie arbeitet im Krankenhaus, verhandelt Kollektivverträge und kämpft für bessere Arbeitsbedingungen. Martina Reischenböck weiß: Solidarität ist die stärkste Kraft.
vida Hören | Podcast
Gerechtigkeit fällt nicht vom Himmel – man muss für sie aufstehen. An einem kalten Tag im Jänner 2026 gingen Hunderte Beschäftigte der oberösterreichischen Ordensspitäler auf die Straße. Für Martina Reischenböck war klar: Es geht um mehr als Zahlen. Es geht um Zeit, Entlastung und eine Arbeitszeitverkürzung, die die Gesundheit schützt – auch die derjenigen, die täglich für andere da sind. Im Podcast „vidaHören“ spricht Martina Reischenböck über ihren Arbeitsalltag als Betriebsrätin im Krankenhaus Barmherzige Schwestern Ried und ihren Einsatz als Kollektivvertragsverhandlerin der Gewerkschaft vida.
Von „niemals“ zur Berufung
Eigentlich wollte Martina Reischenböck nie in die Pflege. „Seid ihr wahnsinnig?“, dachte sie, als Schulkolleginnen Krankenschwestern werden wollten. „Das ist ja ein Job, der ist so herausfordernd!“ Über Umwege landete sie dann doch im OP des Krankenhauses Barmherzige Schwestern Ried – und fand dort ihre Berufung. Die Arbeit ist erfüllend – und fordernd. „Wir begleiten Menschen in Ausnahmesituationen. Dabei sieht man Tag für Tag, wie verletzbar wir als Menschen sind.“ Gleichzeitig ist da das Schöne: für andere da sein, Gespräche führen, Halt geben.
Zwischen Belastung und Mitgefühl
In den letzten Jahren hat sich der Arbeitsalltag stark verändert: Mehr Bürokratie, mehr Druck, mehr Patient:innen – aber weniger Zeit. „Was früher mehrere Tage dauerte, passiert heute oft an einem einzigen Tag“, berichtet Martina. Das spüren alle – körperlich und psychisch. Hier beginnt ihre Arbeit als Betriebsrätin. Die Anliegen ihrer Kolleg:innen sind so vielfältig wie das Krankenhaus selbst. „Es gibt eigentlich nichts, womit man nicht zu uns kommen kann“, erzählt die BR-Vorsitzende. Was sie und ihr BR-Team antreibt? „Wenn jemand sagt: Danke, dass du mir geholfen hast – das ist das Schönste.“
Wenn Solidarität Gänsehaut macht
Ein besonderes Highlight war für Martina Reischenböck der Streik am 22. Jänner 2026 – als bei den KV-Verhandlungen davor „nichts mehr weiterging“. Vorausgegangen war dem Tag eine schlaflose Nacht – mit Zweifel. „Werden genug mitmachen?“ Und dann das „schöne Erwachen“: Kolleg:innen aus verschiedenen Ordensspitälern marschieren in Linz zusammen und stehen Schulter an Schulter. „So viele Menschen, die gemeinsam für bessere Arbeitsbedingungen einstehen – das macht mir heute noch Gänsehaut.“
Warum es sich lohnt, aufzustehen
Am 3. März 2026 geht es wieder auf die Straße – beim 2. Streiktag. Manche fragen sich: Bringt das überhaupt etwas? Martina Reischenböcks Antwort ist klar: „Es gibt keine Alternative.“ Alleine kann man vielleicht für sich etwas erreichen – aber nicht für alle. „In der heutigen Zeit muss man gemeinsam kämpfen.“ Die Betriebsrätin kämpft nicht um ihrer selbst willen. Sie kämpft, weil es notwendig ist. Weil Gerechtigkeit kein Selbstläufer ist. Und weil Solidarität spürbar wird, wenn Menschen gemeinsam aufstehen.
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