Reallöhne seit 2019 gesunken - Krisenerzählung der Wirtschaftsvertreter schadet dem Standort.
vida-Vorsitzender Roman Hebenstreit fordert spürbare Lohnerhöhungen und kritisiert die Krisenerzählung der Wirtschaft.
Herbstlohnrunde 2026
Im Oktober starten die KV-Verhandlungen für hunderttausende Beschäftigte in wichtigen vida-Branchen. Ab Oktober verhandelt die Gewerkschaft vida unter anderem die Kollektivverträge für Beschäftigte bei Bus und Bahn, im Lkw-Verkehr, in der Reinigung, bei privaten Sicherheitsdiensten sowie für Arbeiter im Handel.
Nach Jahren hoher Teuerung müssen die Beschäftigten wieder mehr von ihrem Einkommen haben. Zwischen Juli 2019 und Juli 2026 sind die Reallöhne österreichweit um 0,8 Prozent gesunken. Besonders deutlich war der Rückgang etwa in Gastronomie und Beherbergung mit 2,7 Prozent.
Höhere Löhne sind der Sprit, den der Wirtschaftsmotor jetzt braucht
Die vergangenen Jahre waren von hoher Inflation und zurückhaltenden Lohnabschlüssen geprägt. Bei den Handelsarbeiter lagen die KV-Abschlüsse in den vergangenen zwei Jahren sogar unter der rollierenden Inflation.
„Diese Krisenabschlüsse haben die Lebensmittel nicht billiger, aber die Beschäftigten ärmer gemacht.“Vorsitzender der Gewerkschaft vida
Gerade in Branchen mit hoher Arbeitsbelastung und großem Personalbedarf brauche es deshalb jetzt deutliche Verbesserungen bei den Einkommen.
Hebenstreit warnt gleichzeitig davor, die österreichische Wirtschaft dauerhaft schlechtzureden. Die Österreichische Nationalbank erwartet für 2026 ein reales Wirtschaftswachstum von 0,5 Prozent. Gleichzeitig gibt es laut Hebenstreit Branchen wie Tourismus oder Verkehr, in denen die Nachfrage hoch ist.
„Höhere Löhne sind der Sprit, den der Wirtschaftsmotor jetzt braucht“, betont der vida-Vorsitzende. Faire Einkommen stärken nicht nur die Beschäftigten, sondern auch die Kaufkraft und damit die heimische Wirtschaft.
Ausbildungsstreik der Wirtschaft
Kritik übt vida auch an der Ausbildungspolitik vieler Unternehmen. Ende August standen laut Arbeitsmarktservice rund 11.600 sofort verfügbaren Lehrstellensuchenden lediglich rund 6.300 sofort verfügbare offene Lehrstellen gegenüber.
Für Hebenstreit ist das ein deutliches Missverhältnis: Während Unternehmen über fehlende Fachkräfte klagen, würden gleichzeitig zu wenige junge Menschen ausgebildet.
„Wir erleben seit längerem einen Ausbildungsstreik der Wirtschaft“, sagt Hebenstreit. Statt verstärkt selbst Fachkräfte auszubilden, würden Unternehmen zunehmend auf Saisonkontingente und Arbeitskräfte aus Drittstaaten setzen.
Für vida braucht es einen anderen Weg: mehr Ausbildungsplätze, bessere Arbeitsbedingungen und faire Löhne, damit Menschen langfristig in den Branchen bleiben.
46 Millionen Mehr- und Überstunden nicht abgegolten
Ein weiteres Problem sind unbezahlte Mehr- und Überstunden. Im vergangenen Jahr wurden laut Hebenstreit rund 46 Millionen Mehr- und Überstunden weder bezahlt noch durch Zeitausgleich abgegolten.
Den Beschäftigten entgingen dadurch geschätzt rund 2,5 Milliarden Euro Bruttoentgelt. Gleichzeitig fehlten dem Staat rund 1,23 Milliarden Euro an Steuern und Abgaben.
„Dass im Vorjahr 46 Millionen Mehr- und Überstunden weder mit Geld noch durch Zeitausgleich abgegolten wurden, ist Betrug“, kritisiert Hebenstreit.
vida fordert deshalb stärkere Kontrollen und wirksame Konsequenzen bei systematischen Verstößen gegen Arbeitnehmer.
Herbstlohnrunde: Gute Arbeit braucht gute Bezahlung
Ob im Bus, auf der Schiene, im Lkw, in der Reinigung oder im Sicherheitsdienst: Die Beschäftigten sorgen täglich dafür, dass zentrale Bereiche unseres Alltags funktionieren.
Für die Gewerkschaft vida ist deshalb klar: Wer gute Arbeit leistet, hat auch ein Einkommen verdient, von dem man gut leben kann. Genau dafür geht vida in die Herbstlohnrunde 2026.