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vida erreicht Abschluss für 250.000 Beschäftigte

Nach monatelangen Verhandlungen und vida-Protestaktionen steht der neue Kollektivvertrag für Hotellerie und Gastronomie.

Tourismus-KV

Pajaros Volando | Adobe Stock

Die Löhne steigen ab Oktober um durchschnittlich 3,02 Prozent – besonders Lehrlinge und Beschäftigte in der niedrigsten Lohngruppe profitieren von Nachbesserungen.

Nach vier gescheiterten Verhandlungsrunden, einem einseitigen Abbruch durch die Wirtschaftskammer und zahlreichen Protestaktionen ist der neue Kollektivvertrag für rund 250.000 Beschäftigte in Hotellerie und Gastronomie unter Dach und Fach. In mehreren Gesprächsrunden konnten wir als Gewerkschaft vida schließlich weitere Verbesserungen für die Beschäftigten erreichen.

Ab 1. Oktober 2026 steigen die Löhne im Durchschnitt um 3,02 Prozent. Lehrlinge erhalten durchschnittlich 3,44 Prozent mehr, in der Lohngruppe 5 – der größten und am niedrigsten entlohnten Beschäftigtengruppe der Branche – beträgt das Plus 3,48 Prozent.

Zusätzlich wurde für den Großteil der Beschäftigten eine fixe Prämie von 275 Euro vereinbart. Arbeitgeber haben darüber hinaus die Möglichkeit, eine freiwillige steuerfreie Prämie von insgesamt bis zu 500 Euro auszuzahlen.

Eva Eberhart Portrait
„Das ist kein Triumph, und das behauptet auch niemand. Aber es ist der Beweis, dass sich Standhalten auszahlt. Wer beim ersten Ultimatum unterschreibt, bekommt weniger. Wir haben das Ultimatum nicht akzeptiert, wir haben den ganzen Sommer durchgehalten – und wir haben das Schlimmste verhindert: einen Abschluss weit unter der Teuerung und ganz ohne Einmalzahlung, wie ihn die Wirtschaftskammer ursprünglich wollte.“
Eva Eberhart
vida-Verhandlungsleiterin und Vorsitzende des vida-Fachbereichs Tourismus

Mehr für Lehrlinge und Beschäftigte mit niedrigen Löhnen

Besonders wichtig war uns, bei jenen Gruppen nachzubessern, die für die Zukunft der Branche entscheidend sind und gleichzeitig besonders genau auf jeden Euro schauen müssen.

„Besonders wichtig ist uns, dass diese Nachbesserung gerade jenen zugutekommt, die für die Zukunft der Branche entscheidend sind: den Lehrlingen und den vielen Beschäftigten in der Lohngruppe 5, die am niedrigsten entlohnt sind“, betont Eva Eberhart.

Die abschließenden Gespräche seien dabei auf Augenhöhe und in einem respektvollen Umgang geführt worden.

vida-Aktionen brachten KV-Verhandlungen wieder in Gang

Dass überhaupt noch einmal ernsthaft verhandelt wurde, ist auch ein Ergebnis des gewerkschaftlichen Drucks der vergangenen Wochen.

Nachdem die Wirtschaftskammer die KV-Verhandlungen im Tourismus einseitig für beendet erklärt hatte, machten wir gemeinsam mit den Beschäftigten weiter Druck. Mit Aktionen in Wien, Salzburg und Oberösterreich machten wir auf die Situation aufmerksam und forderten die Arbeitgeberseite auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Diese Ausdauer hat sich ausgezahlt: Die Wirtschaftskammer bewegte sich noch einmal zugunsten der Beschäftigten.

Für uns ist klar: Der Tourismus kann langfristig nur dann erfolgreich sein, wenn auch die Menschen, die diesen Erfolg täglich erarbeiten, davon profitieren.

„Über den Fachkräftemangel wird im Tourismus viel gesprochen. Die wirksamste Fachkräftestrategie liegt aber auf der Hand: gute Löhne und Arbeitsplätze, an denen Menschen gerne bleiben“, sagt Eberhart.

Rekorde im Tourismus müssen auch bei Beschäftigten ankommen

vida-Vorsitzender Roman Hebenstreit bekräftigt die Kritik, mit der wir die KV-Verhandlungen in den vergangenen Monaten begleitet haben.

„Unsere öffentliche Kritik an der Gastronomie und Hotelbranche war nicht übertrieben, sie war belegt“, so Hebenstreit. Rekordnächtigungen, hohe Umsätze und erfolgreiche Saisonen stünden einem ursprünglichen Arbeitgeberangebot gegenüber, das für viele Beschäftigte einen realen Kaufkraftverlust bedeutet hätte.

Besonders deutlich werde das bei den Lehrlingen: Selbst mit dem nun verbesserten Abschluss wird ihre durchschnittliche Erhöhung die Inflation nicht vollständig ausgleichen.

Hebenstreit appelliert deshalb an die Arbeitgeber, allen Beschäftigten die Teuerung vollständig abzugelten und die Möglichkeit der freiwilligen steuerfreien Prämie von bis zu 500 Euro voll auszuschöpfen.

vida fordert faire Löhne statt Lohndumping

Kritik üben wir auch an der Arbeitsmarktpolitik im Tourismus. Während immer wieder über einen Arbeitskräftemangel geklagt wird, werden gleichzeitig neue Beschäftigte aus dem Ausland angeworben – obwohl die bestehenden Arbeitnehmer nicht einmal durchgehend einen vollen Inflationsausgleich erhalten.

„Seit Jahren hören wir dieselbe Klage über Arbeitskräftemangel. Aber ein echter Mangel hat eine Sprache, und die heißt steigende Löhne“, sagt Hebenstreit. Sinkende Reallöhne seien kein Beweis für zu wenige Arbeitskräfte, sondern für ein Unterangebot an fairer Bezahlung.

Dass Tourismusstaatssekretärin Elisabeth Zehetner zuletzt auch in Griechenland um Arbeitskräfte für Österreich geworben hat, hält Hebenstreit unter diesen Voraussetzungen für den falschen Weg.

Wer über Rot-Weiß-Rot-Karten und Saisonkontingente zusätzliche Arbeitskräfte in Branchen hole, deren bestehende Beschäftigte nicht ausreichend bezahlt würden, erhöhe den Druck auf die Löhne weiter.

Unsere Forderung lautet deshalb: Zuerst faire Löhne und attraktive Arbeitsbedingungen schaffen. Denn wer Beschäftigte gewinnen und langfristig halten will, muss ihnen auch etwas bieten.

Gemeinsam können wir mehr erreichen

Der Tourismus-KV 2026 zeigt einmal mehr: Verbesserungen fallen nicht vom Himmel. Sie entstehen dort, wo Beschäftigte zusammenstehen, sich organisieren und gemeinsam Druck machen.

Die Aktionen der vergangenen Monate haben dazu beigetragen, die Verhandlungen wieder in Gang zu bringen und ein schlechteres Ergebnis zu verhindern. Genau dafür gibt es Gewerkschaft.

Je mehr Beschäftigte bei vida organisiert sind, desto stärker können wir bei den nächsten KV-Verhandlungen für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen kämpfen.

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