Hinter jedem Menü stehen Menschen
In den BahnBistros der ÖBB geht es um weit mehr als gutes Essen. Ein Gespräch mit Betriebsrat Dominik Wimberger über die wichtigsten Zutaten für gute Arbeit.
vida Hören | Podcast
In den BahnBistros der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) werden Tag für Tag Speisen frisch zubereitet und tausende Beschäftigte versorgt. Doch hinter jedem gut gefüllten Teller stehen Menschen, die mit Leidenschaft, Teamgeist und Engagement dafür sorgen, dass Qualität auf den Tisch kommt. Menschen, die früh beginnen, anpacken und auch dann weitermachen, wenn es heiß und stressig wird. Und genau für diese Menschen setzt sich Betriebsratsvorsitzender Dominik Wimberger ein.. In dieser Folge von „vidaHören“ sprechen wir über frische Küche, faire Arbeitsbedingungen - und darüber, warum Zusammenhalt, Anerkennung und gelebte Mitbestimmung die wichtigsten Zutaten für gute Arbeit sind. Dominik Wimberger erzählt von seinem Weg vom Lehrling zum Betriebsratsvorsitzenden, von den Herausforderungen in der Gastronomie und davon, weshalb Gewerkschaft und Betriebsrat für ihn starke und unverzichtbare Wegbegleiter sind.
Das erwartet dich in dieser Podcast-Folge
- Vom Lehrling zum Betriebsratsvorsitzenden: Warum Dominik Wimberger schon früh Verantwortung übernommen hat.
- Blick hinter die Kulissen: Wie der Arbeitsalltag in den BahnBistros der ÖBB aussieht.
- 1,3 Millionen Menüs: Warum Frische und Qualität für den Erfolg der BahnBistros entscheidend sind.
- Arbeitsbedingungen in der Gastronomie: Was planbare Arbeitszeiten für Beschäftigte bedeuten.
- Betriebsrat, der zuhört: Warum viele Probleme früher gelöst werden könnten, wenn Beschäftigte rechtzeitig das Gespräch suchen.
- Anerkennung, die zählt: Warum ein einfaches „Danke“ für Dominik Wimberger mehr bedeutet als jeder große Verhandlungserfolg.
- Belastung und Bezahlung: Wo es in der Gastronomie noch Verbesserungen braucht.
- Digitalisierung: Was Technik leisten kann – und warum sie den Menschen nicht ersetzt.
- Mitbestimmung mit Zukunft: Warum Betriebsrat und Gewerkschaft gerade in Zeiten des Wandels unverzichtbar bleiben.
Hinter jedem Menü stehen Menschen
Wer in einem BahnBistro der ÖBB zu Mittag isst, denkt vermutlich zuerst an das Essen. Doch bevor das Schnitzel auf dem Teller liegt, hat längst ein ganzes Team angepackt. Dahinter steck ein eingespieltes Team von rund 200 Beschäftigten an 35 Standorten in ganz Österreich. Einer, der ihre Arbeitsrealität seit fast zwei Jahrzehnten kennt, ist Dominik Wimberger. Der Betriebsratsvorsitzende der ÖBB Business Competence Center GmbH (ÖBB BCC) ist selbst im Unternehmen groß geworden – und setzt sich heute dafür ein, dass die die Stimmen seiner Kolleg:innen gehört werden und ihre Anliegen nicht untergehen.
Vom Lehrling zum Betriebsratsvorsitzenden
Dominik Wimbergers Laufbahn begann 2006 mit einer Lehre als Bürokaufmann bei den ÖBB. Schon die erste Station führte ihn in die BahnBistros – ein Bereich, der ihn bis heute begleitet. „Ich habe mich dort sofort wohlgefühlt. Man wächst gemeinsam mit den Menschen und der Arbeit. Das fühlt sich wie ein zweites Zuhause an.“ Dieses enge Verhältnis zu den Beschäftigten war auch der Grund, warum Dominik Wimberger 2013 den Schritt in den Betriebsrat wagte. Als ihn der damalige Vorsitzende fragte, ob er Verantwortung übernehmen wolle, musste er nicht lange überlegen. „Ich wollte etwas zurückgeben. Nicht nur zuhören, sondern gemeinsam mit der Gewerkschaft Lösungen für die Menschen finden.“
Früh anfangen, gemeinsam anpacken
Die Arbeit in den BahnBistros beginnt lange vor der Mittagspause. Bereits ab sechs Uhr morgens werden Speisen vorbereitet, Salate angerichtet und Caterings zusammengestellt. Zwischen 11 und 13 Uhr herrscht Hochbetrieb, bevor Reinigung und Vorbereitung für den nächsten Tag beginnen. Was viele nicht sehen: Hinter jedem Mittagessen arbeitet ein ganzes Team zusammen – von Küchenleiter:innen über Köch:innen und Küchenhilfen bis zu den Buffetkräften an der Kassa.
Wie gut dieses Zusammenspiel funktioniert, zeigen auch die Zahlen: Während vor zehn Jahren rund 700.000 Menüs pro Jahr ausgegeben wurden, sind es heute bereits rund 1,3 Millionen. Für Dominik Wimberger ist das kein Zufall. „Wir haben bewusst auf mehr Frische und Qualität gesetzt. Das merken die Gäste – und sie kommen gerne wieder.“
Planbare Arbeitszeiten: ein echter Pluspunkt
Die Gastronomie kämpft vielerorts mit Personalmangel und schwierigen Arbeitsbedingungen. In den BahnBistros der ÖBB sieht Dominik Wimberger dennoch einen entscheidenden Vorteil: planbare Arbeitszeiten. Sie erleichtern die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. „Gerade junge Menschen wünschen sich Planbarkeit. Wenn ich weiß, wann ich arbeite und wann ich Freizeit habe, ist das ein großer Pluspunkt.“
Betriebsratsarbeit beginnt mit Zuhören
Seit 2023 steht Dominik Wimberger an der Spitze des Betriebsrats. Auf seinem Schreibtisch landen Fragen zu Einstufungen, Kündigungen oder arbeitsrechtlichen Themen. Besonders belastend sind für ihn jene Situationen, in denen langjährige Kolleg:innen ihren Arbeitsplatz verlieren. Seine wichtigste Botschaft lautet deshalb: „Redet mit uns. Viele warten zu lange, obwohl wir oft schon früh gemeinsam Lösungen finden könnten.“
Für ihn ist klar: Gute Betriebsratsarbeit beginnt nicht erst dann, wenn der Konflikt bereits eskaliert. Sie beginnt mit Zuhören, mit Vertrauen – und mit dem Mut, rechtzeitig das Gespräch zu suchen.
Ein „Danke“ kann mehr bedeuten als ein großer Erfolg
Gefragt nach seinen größten Erfolgen nennt Dominik Wimberger keine spektakulären Verhandlungen oder großen Projekte. Für ihn sind es die persönlichen Momente, die bleiben. „Wenn jemand einfach Danke sagt, weil ich zugehört oder geholfen habe, dann weiß ich, dass sich der Einsatz lohnt.“ Dass er selbst viele Jahre in den BahnBistros gearbeitet hat, schafft zusätzlich Vertrauen. Er kennt die Arbeitsplätze nicht aus der Theorie, sondern aus eigener Erfahrung. Er kennt die Teams, die Abläufe und die unterschiedlichen Anforderungen an den Standorten in ganz Österreich.
Gute Gastronomie braucht gute Arbeitsbedingungen
Auch wenn die BahnBistros vergleichsweise gute Rahmenbedingungen bieten, sieht Dominik Wimberger die Herausforderungen der Branche deutlich. Hohe Temperaturen in den Küchen, körperlich anspruchsvolle Arbeit und Personalmangel dürfen nicht unterschätzt werden.
Wenn er drei Wünsche frei hätte, wären sie schnell formuliert:
- bessere Arbeitsbedingungen,
- höhere Entlohnung,
- und mehr Gehör für die Erfahrungen der Beschäftigten.
„Die psychische und körperliche Belastung kann man mit Geld allein nicht ausgleichen. Es braucht ein Gesamtpaket.“
Digitalisierung hilft – aber Menschen bleiben unverzichtbar
Digitale Speisekarten, vergünstigte Menüs über die Mitarbeiterkarte oder Essensautomaten an entlegenen Standorten gehören bereits zum Alltag der BahnBistros. Trotzdem glaubt Dominik Wimberger nicht, dass Technik den Menschen ersetzen wird. „Ein gutes Schnitzel macht noch immer kein Roboter.“ Für ihn soll Digitalisierung vor allem eines: unterstützen. Sie soll möglichst vielen Beschäftigten den Zugang zu einem guten, warmen Essen ermöglichen – auch dort, wo keine eigene Küche betrieben werden kann.
Mitbestimmung braucht eine starke Stimme
Für die Zukunft wünscht sich Dominik Wimberger starke Betriebsräte und eine starke Gewerkschaft. Gerade in Zeiten ständiger Veränderungen brauche es Menschen, die arbeitsrechtliche Entwicklungen einordnen und Beschäftigte unterstützen. Sein Rat an Kolleg:innen lautet deshalb klar: „Nutzt den Betriebsrat. Nutzt die Gewerkschaft. Gemeinsam findet man fast immer eine Lösung.“ Und wenn in zehn Jahren über seine Arbeit gesprochen wird? Dann würde er sich vor allem eines wünschen: „Er hat sich für uns eingesetzt und unsere Branche ein Stück weitergebracht.“
Gute Gründe, gerade jetzt Mitglied zu werden
- Du verstärkst die Verhandlungsmacht – je mehr wir sind, desto besser die Kollektivverträge.
- Rechtsschutz & Beratung, wenn’s ernst wird.
- Mitbestimmung im Betrieb: Du gibst deiner Stimme Gewicht.
- Weiterbildung & Vernetzung: Wissen teilen, Strategien lernen, gemeinsam gewinnen.
- Alle Vorteile einer großen Gemeinschaft
- Solidarität, die trägt – auch dann, wenn’s ungemütlich wird.
Du willst, dass Verhandlungen wieder auf Augenhöhe stattfinden – mit Ergebnissen, die im Geldbörsel ankommen?