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„Hart in der Sache, aber mit Herz für den Menschen“

Ein Abschied, viele Erinnerungen und ein neues Kapitel: Bernd Brandstetter im Gespräch über Gewerkschaft und Solidarität – ein Leben lang.

vida Hören | Podcast

Gewerkschaft vida

Bernd Brandstetter verabschiedet sich im Herbst aus der Bundesgeschäftsführung der Gewerkschaft vida. In unserem Podcast „vidaHören“ blickt er zurück auf Jahrzehnte voller Kämpfe, Begegnungen, Erfolge und Niederlagen – und darauf, was Solidarität für ihn ganz persönlich bedeutet.

Manche Menschen hinterlassen eine Funktion. Andere hinterlassen Spuren. Bernd Brandstetter gehört zur zweiten Kategorie. Jahrzehntelang war er mittendrin in der Gewerkschaftsbewegung: als Lehrling und Jugendfunktionär, als Kommunikator, Kämpfer und Brückenbauer – zuletzt als Mitglied der Bundesgeschäftsführung der Gewerkschaft vida. Mit Herbst beginnt für ihn ein neues Kapitel – und zwar bei der ÖBB Landwirtschaft. Doch eines macht er im Gespräch mit „vidaHören“ unmissverständlich klar: Die Funktion geht, die Überzeugung bleibt.

Bernd Brandstetter in seinem Garten der ÖBB Landwirtschaft im Gespräch über "seine" Gewerkschaft Gewerkschaft vida

Für andere da sein

Was bleibt von Jahrzehnten Gewerkschaftsarbeit? Für Bernd Brandstetter ist die Antwort schnell gefunden: vor allem die Menschen. Freundschaften, Wegbegleiter:innen, gemeinsame Kämpfe und unzählige Begegnungen haben seinen Weg geprägt. Angefangen hat alles als junger Maschinenschlosser-Lehrling bei den ÖBB und in der Gewerkschaftsjugend. Schon damals ging es für Bernd Brandstetter um Zusammenhalt und darum, gemeinsam Probleme zu lösen. Diese Haltung hat ihn nie verlassen. Bei „vidaHören“ erzählt er von Kolleg:innen, die mit einem Problem zu ihm kamen, von Jugendlichen, denen er neue Perspektiven eröffnen konnte, und von vielen kleinen Momenten, die für ihn mehr bedeuten als jede Funktion.

Kämpfen – auch wenn der Ausgang offen ist

Natürlich gehören zu dieser Geschichte auch harte Auseinandersetzungen. Der große Eisenbahnerstreik 2003 war für Bernd Brandstetter der härteste gewerkschaftliche Kampf seiner Laufbahn. Er erinnert sich an lange Nächte, schwierige Entscheidungen und die Unsicherheit darüber, wie der Arbeitskampf ausgehen würde. Gleichzeitig sieht er darin auch einen Beleg dafür, was eine Gewerkschaft bewegen kann.

Selbst wenn am Ende nicht jede Auseinandersetzung gewonnen wird, bleibt für Bernd Brandstetter entscheidend, dass Menschen aufstehen und gemeinsam für ihre Interessen eintreten. Es geht darum, Verantwortung zu übernehmen, dranzubleiben und das gemeinsame Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.

Solidarität statt Ellbogengesellschaft

Wenn Bernd Brandstetter über die Zukunft der Gewerkschaftsbewegung spricht, landet er immer wieder bei einem Wort: Solidarität. Für ihn bedeutet Solidarität nicht, Menschen gegeneinander auszuspielen. Die Gewerkschaft müsse vielmehr dafür sorgen, dass sich die Lebenssituation von Menschen verbessert – gemeinsam und auf vielen Ebenen. Sein Blick auf die jüngere Generation ist dabei klar: Jede Generation ist anders. Aber jede Generation bringt auch neue Möglichkeiten mit. Die Aufgabe der Gewerkschaft ist für Bernd Brandstetter deshalb nicht, der Vergangenheit nachzutrauern, sondern neue Wege zu finden, Menschen zu erreichen und für die gute Sache mitzunehmen.

Herz oder Härte? Beides!

Was braucht ein Gewerkschafter mehr – Herz oder Härte? Bernd Brandstetters Antwort: Es kommt auf die Situation an. Entscheidend sei Empathie. Denn Gewerkschaft heißt für ihn, hart in der Sache zu sein, wenn es notwendig ist, gleichzeitig aber respektvoll und menschlich zu bleiben. Gerade wenn die Auseinandersetzungen härter werden, dürfe der Mensch auf der anderen Seite nicht aus dem Blick geraten. Kämpferisch sein und menschlich bleiben, das ist für Bernd Brandstetter kein Widerspruch.

Ein Abschied ist kein Schlussstrich

Was fällt Bernd Brandstetter beim Abschied schwer? Natürlich ist Wehmut dabei. Nach so vielen Jahren, so vielen Beziehungen und so vielen gemeinsamen Erlebnissen ist der Abschied von der Bundesgeschäftsführung der vida ein Einschnitt. Aber Bernd Brandstetter blickt nach vorne. Denn er bleibt Teil der Gewerkschaftsbewegung. Und er bleibt aktiv.

Bei der ÖBB Landwirtschaft beginnt für Bernd Brandstetter ein neues Kapitel. Dort will er seine Erfahrung einbringen, neue Dinge lernen und gemeinsam mit den Menschen in den Ortsgruppen an der Zukunft der Organisation arbeiten. Auch seinem Engagement im Waisen- und Unterstützungsverein des ÖBB-Konzerns, dessen Obmann er seit vielen Jahren ist, möchte er künftig noch mehr Zeit widmen. Aus dem Gewerkschafter wird also kein Ruheständler – nur die Rolle ändert sich.

WIR statt ICH

Zum Abschied gibt Bernd Brandstetter seinen Wegbegleiter:innen vor allem eines mit: Kraft, Glück, Gesundheit und Durchhaltevermögen. Und einen Gedanken, der sich durch das gesamte Gespräch zieht: mehr Wir, weniger Ich. Gerade in einer Zeit, in der vieles auseinanderdriftet, brauche es Gemeinschaft, sagt Bernd Brandstetter. Wissen und Erfahrung müssten weitergegeben werden – von Jung bis Alt. Vielleicht ist genau das die passendste Zusammenfassung seiner gewerkschaftlichen Geschichte. Denn Bernd Brandstetter verabschiedet sich aus einer Funktion, aber nicht von seinen Überzeugungen, nicht von den Menschen, und schon gar nicht von der Gewerkschaft.

„Hart in der Sache, aber mit Herz für den Menschen“ – das bleibt.

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