vida kritisiert Vision der Bundesregierung als zu vage
Wir fordern bessere Löhne und Arbeitsbedingungen statt weiterer Anwerbung billiger Arbeitskräfte aus Drittstaaten.
Tourismus
Die von der Bundesregierung präsentierte „Vision T“ zur Weiterentwicklung des österreichischen Tourismus stößt bei der Gewerkschaft vida auf gemischte Reaktionen. Zwar begrüßt die Gewerkschaft das Ziel, den Tourismus stärker in Richtung Ganzjahresbeschäftigung zu entwickeln. Gleichzeitig kritisiert die Vorsitzende des vida-Fachbereichs Tourismus, Eva Eberhart, dass die tatsächlichen Arbeitsbedingungen der Beschäftigten in der Strategie kaum eine Rolle spielen.
„Man darf sich nicht wundern, wenn es ein mangelndes Interesse der Menschen an einer Arbeit im Tourismus gibt. Die Realität vieler Beschäftigter ist von niedrigen Löhnen, Wochenenddiensten und zahlreichen Überstunden geprägt“, betont Eberhart.
Gute Arbeit braucht mehr als schöne Worte
In der Vision T ist von sinnstiftenden Tätigkeiten, lebensphasengerechten Arbeitszeitmodellen und moderner Ausbildung die Rede. Für die Gewerkschaft vida bleibt jedoch offen, wie diese Ziele konkret umgesetzt werden sollen.
„Schöne Worte allein werden die Branche für die Beschäftigten nicht attraktiver machen.“Vorsitzende des vida-Fachbereichs Tourismus
Eberhart vermisst einen klaren Fahrplan und konkrete Maßnahmen. Begriffe wie „Authentizität“, „Flexibilität“ oder „Sinnstiftung“ seien nicht neu und würden seit Jahren von Politik und Wirtschaftskammer bemüht. Entscheidend sei, ob sich die Arbeitsbedingungen tatsächlich verbessern.
Besonders kritisch sieht die Gewerkschaft die Aussagen zur Digitalisierung und Automatisierung. Es sei fraglich, wie dadurch Beschäftigte in Küche und Service tatsächlich entlastet werden sollen.
Wertschätzung muss sich am Lohnzettel zeigen
Wenn Tourismusstaatssekretärin Elisabeth Zehetner von mehr Wertschätzung für Beschäftigte spricht, könne die Gewerkschaft dem grundsätzlich zustimmen. Doch Wertschätzung dürfe nicht bei Ankündigungen enden.
Aktuell bieten die Arbeitgeber in den laufenden Kollektivvertragsverhandlungen lediglich drei Prozent Lohnerhöhung an. Gleichzeitig liegt die Inflation derzeit bei 3,7 Prozent. Besonders betroffen sind Beschäftigte in den unteren Lohngruppen, deren Einstiegsgehälter nur knapp über 2.000 Euro brutto liegen.
„Von Wertschätzung allein kann niemand seine Rechnungen bezahlen“, stellt Eberhart klar.
Rot-Weiß-Rot-Karte verschärft laut vida die Probleme
Scharfe Kritik übt die Gewerkschaft an der Strategie der Bundesregierung, Arbeitskräftemangel verstärkt durch Arbeitskräfte aus Drittstaaten auszugleichen. Zusätzliche Saisonkontingente und die Ausweitung der Rot-Weiß-Rot-Karte seien keine nachhaltige Lösung.
Aus Sicht der vida führen diese Maßnahmen zu Lohndruck, prekären Beschäftigungsverhältnissen und einer höheren Abhängigkeit der Beschäftigten von ihren Arbeitgebern. Gleichzeitig werde dadurch die Branche für heimische Arbeitskräfte und Lehrstellensuchende weniger attraktiv.
Die Gewerkschaft warnt davor, den Arbeitskräftemangel dauerhaft mit billigen und leicht austauschbaren Arbeitskräften kompensieren zu wollen, statt die Ursachen des Problems anzugehen.
Fast 35.000 arbeitslose Menschen im Tourismus
Dabei sei das Potenzial am heimischen Arbeitsmarkt groß. Laut AMS-Daten waren im Jahr 2025 österreichweit durchschnittlich rund 34.900 Personen aus Beherbergung und Gastronomie arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosenquote in der Branche stieg von 12,7 auf 13,2 Prozent.
Für die vida zeigt diese Entwicklung deutlich, dass ausreichend Arbeitskräfte vorhanden wären, wenn die Rahmenbedingungen stimmen würden.
Attraktive Jobs statt Personalverschleiß
Die Gewerkschaft fordert daher einen Kurswechsel: Statt auf immer neue Rekrutierungsprogramme im Ausland zu setzen, müsse die Branche attraktiver für Beschäftigte in Österreich und der Europäischen Union werden.
„Beschäftigte sind das Blut in den Adern des Tourismus“
Eva Eberhart erinnert daran, dass die Beschäftigten wesentlich dazu beigetragen haben, den Tourismus nach der Pandemie wieder zu einem wichtigen Wirtschaftsmotor zu machen.
„Wenn Zehetner meint, der Tourismus ist der Pulsschlag der Regionen, dann muss man ergänzen, dass die Beschäftigten im Tourismus das Blut in seinen Adern sind und die Wirtschaftskammer derzeit an ihrem Aderlass arbeitet.“
Gute Arbeitsbedingungen, faire Löhne und langfristige Perspektiven sind der Schlüssel gegen Personalmangel. Davon würden nicht nur die Beschäftigten profitieren, sondern die gesamte Tourismusbranche und ihre Zukunftsfähigkeit.