Zum Hauptinhalt wechseln

Tourismus-KV: Keine Einigung wegen vier Euro für die niedrigsten Einkommen.

vida kritisiert Blockadehaltung der Arbeitgeber bei KV-Verhandlungen für Hotellerie und Gastronomie.

KV Verhandlung

s-motive | Adobe Stock

Auch die vierte Verhandlungsrunde zum Kollektivvertrag für die Beschäftigten in Hotellerie und Gastronomie ist ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Trotz Annäherungen bei den Gesprächen scheiterte eine Einigung letztlich an vier Euro monatlich für die niedrigste Lohngruppe. Die Gewerkschaft vida zeigt sich über die Haltung der Arbeitgeberseite enttäuscht und fordert weiterhin einen vollen Inflationsausgleich für Beschäftigte mit niedrigen Einkommen.

Eva Eberhart Portrait
„Es spießte sich an ganzen vier Euro mehr für die unterste Lohngruppe. Trotz leichter Bewegung nach oben war die WKÖ nicht bereit, hier noch mitzuziehen. Beschäftigte, die ohnehin nahe an der Armutsgrenze arbeiten, müssen zumindest einen Inflationsausgleich erhalten.“
Eva Eberhart
vida-Chefverhandlerin

Streitpunkt: Faire Lohnerhöhung für die niedrigsten Einkommen

Die Gewerkschaft vida hatte bereits in der vergangenen Verhandlungsrunde ein neues Modell vorgelegt, das insbesondere Beschäftigte mit niedrigen Einkommen absichern soll. Konkret fordert die Gewerkschaft eine Erhöhung von mindestens 73 Euro brutto in der untersten Lohngruppe sowie 65 Euro brutto in der obersten Lohngruppe.

Besonders betroffen wäre die Lohngruppe 5, in der mehr als die Hälfte aller Beschäftigten der Branche eingestuft ist. Laut vida war die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) nicht bereit, die geforderten vier Euro zusätzlich für diese Beschäftigtengruppe zu akzeptieren.

Für einen Hilfskellner oder eine Hilfskellnerin mit einem aktuellen Monatslohn von 2.026 Euro brutto würde dies bedeuten, statt der geforderten 73 Euro lediglich 69 Euro mehr pro Monat zu erhalten.

Erfolgreiche Wintersaison, aber kein fairer Anteil für Beschäftigte

Für Unverständnis sorgt bei der Gewerkschaft auch die Begründung der Arbeitgeberseite. Während die Wirtschaftskammer auf hohe Lohnabschlüsse der vergangenen Jahre verweist, sieht die vida die wirtschaftliche Entwicklung der Branche deutlich positiver.

Mehrere Tourismusbetriebe hätten ihren Beschäftigten bereits freiwillig IST-Lohnerhöhungen über der Inflation gewährt. Gleichzeitig wurde erst heute die erfolgreichste Wintersaison in der Geschichte des österreichischen Tourismus präsentiert.

„Dass ausgerechnet jetzt behauptet wird, es sei kein fairer Abschluss möglich, ist für uns nicht nachvollziehbar“, hält Eberhart fest.

Tourismus bleibt trotz Rekorden eine Niedriglohnbranche

Die Gewerkschaft weist zudem darauf hin, dass die Beschäftigten vom wirtschaftlichen Erfolg der Branche bislang nur eingeschränkt profitieren. Seit 2022 sind die Preise in Restaurants und Hotels laut vida um rund 38,4 Prozent gestiegen. Die allgemeine Inflation lag im selben Zeitraum bei rund 24,8 Prozent.

Trotz der Lohnerhöhungen der vergangenen Jahre zählt der Tourismus weiterhin zu den am schlechtesten bezahlten Branchen Österreichs. Der aktuelle kollektivvertragliche Mindestlohn liegt seit November 2025 bei lediglich 11,70 Euro pro Stunde.

Aus Sicht der Gewerkschaft zeigt dies, dass die oft zitierte Argumentation der Arbeitgeber über angeblich überdurchschnittliche Lohnsteigerungen zu kurz greift. Entscheidend sei nicht nur die Höhe der Erhöhungen, sondern auch das Ausgangsniveau der Einkommen.

vida bleibt verhandlungsbereit

Die Gewerkschaft vida betont, dass sie weiterhin jederzeit zu Verhandlungen bereit ist. Voraussetzung sei jedoch ein ernsthaftes Interesse der Arbeitgeberseite an einer Lösung.

Für die Gewerkschaft steht fest: Wer in einer Branche arbeitet, die Rekordzahlen bei Gästen und Nächtigungen verzeichnet, muss auch einen fairen Anteil am wirtschaftlichen Erfolg erhalten. Besonders Beschäftigte mit niedrigen Einkommen dürften nicht zum Spielball von Verhandlungstaktiken werden.

„Wir sind jederzeit bereit, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Wir sind jedoch entsetzt, dass die WKÖ heute ihr wahres Gesicht gezeigt hat, indem sie Kolleginnen und Kollegen, die hart an der Armutsgrenze arbeiten müssen, vier Euro im Monat vorenthalten will“, so Eberhart abschließend.

Mehr Themen für dich