Tourismus-KV: Beschäftigte entscheiden über Angebot der Arbeitgeber
Voller Teuerungsausgleich für niedrige Einkommen bleibt zentrale Forderung.
KV Verhandlung
Die Kollektivvertragsverhandlungen für die Beschäftigten in Hotellerie und Gastronomie bleiben weiter ohne Abschluss. Nach der jüngsten Verhandlungsrunde wird die Gewerkschaft vida nun ihre Mitglieder über das vorliegende Angebot der Arbeitgeber informieren und über das weitere Vorgehen abstimmen lassen. Für die Gewerkschaft steht dabei weiterhin der Schutz niedriger Einkommen vor Kaufkraftverlusten im Mittelpunkt.
„Unser Auftrag bleibt, niedrige Einkommen vor Kaufkraftverlusten und Armut zu schützen.“vida-Verhandlungsleiterin
Streitpunkt bleibt der Teuerungsausgleich
Mit deutlicher Kritik reagiert die Gewerkschaft vida auf Vorwürfe der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), die Gewerkschaft würde eine Einigung verzögern. Aus Sicht der vida liegt die Verantwortung für das Ausbleiben eines Abschlusses bei den Arbeitgebern.
„Die WKÖ spricht von Verantwortung. Tatsächlich hat sie sich in ihren Gremien einbetoniert und jede weitere Bewegung verweigert. Wer nicht einmal bereit ist, Beschäftigte mit Bruttolöhnen von knapp über 2.000 Euro vor Reallohnverlusten zu schützen, wirtschaftet auf Kosten seiner Mitarbeitenden“, sagt Eberhart.
Die Gewerkschaft habe mehrfach Vorschläge eingebracht, die insbesondere Arbeitnehmer in den unteren Lohngruppen absichern würden. Diese seien von der Arbeitgeberseite jedoch nicht aufgegriffen worden.
Personalmangel und niedrige Löhne passen nicht zusammen
Besonders kritisch sieht die vida die Argumentation der Arbeitgeber beim Thema Fachkräftemangel. Während die Branche regelmäßig auf fehlendes Personal verweist, sei sie gleichzeitig nicht bereit, die Einkommen entsprechend anzuheben.
„Wer ständig über Personalmangel jammert, gleichzeitig aber nicht bereit ist, die Arbeit der Beschäftigten angemessen zu entlohnen, widerspricht sich selbst“, so Eberhart.
Aus Sicht der Gewerkschaft müssten sich tatsächliche Personalengpässe auch in einer höheren Bewertung der Arbeit und damit in besseren Löhnen niederschlagen. Stattdessen würden strukturelle Probleme zunehmend durch die Anwerbung zusätzlicher Arbeitskräfte aus Drittstaaten über Rot-Weiß-Rot-Karten und Saisonkontingente abgefedert.
vida fordert bessere Löhne statt Lohndruck
Die Gewerkschaft warnt davor, den Lohndruck in der Branche durch immer neue Rekrutierungsinstrumente weiter zu erhöhen.
„Wenn der Preis für Arbeit gedrückt wird, kann die Antwort nicht sein, ständig auf der ganzen Welt nach neuen, billigeren Arbeitskräften zu suchen. Es braucht bessere Löhne statt immer neuer Instrumente, die den Lohndruck in der Branche aufrechterhalten“, fordert Eberhart.
Aus Sicht der vida könne es nicht sein, dass Beschäftigte Reallohnverluste hinnehmen sollen, während die Branche gleichzeitig durch staatlich unterstützte Personalrekrutierung entlastet wird.
Mitglieder entscheiden über das weitere Vorgehen
Wie es in den Verhandlungen weitergeht, werden nun die Beschäftigten selbst mitentscheiden. Die Gewerkschaft vida wird ihre Mitglieder über das aktuelle Angebot informieren und eine Befragung durchführen.
„Am Ende werden jene entscheiden, die täglich in Küchen, Hotels, Restaurants und Cafés die Branche am Laufen halten“, unterstreicht Eberhart.
Die Gewerkschaft weist zudem den Vorwurf zurück, sie verhindere durch die laufenden Verhandlungen eine rasche Lohnerhöhung. Ziel sei nicht die Verzögerung eines Abschlusses, sondern die Verhinderung von Reallohnverlusten für die Beschäftigten.
Für die vida bleibt allerdings klar: Ein Kollektivvertragsabschluss muss insbesondere jene Arbeitnehmer absichern, die bereits heute mit niedrigen Einkommen und steigenden Lebenshaltungskosten konfrontiert sind.
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