Gewalt am Arbeitsplatz nimmt stark zu: vida fordert wirksamen Schutz
Rund 1.750 Arbeitsunfälle infolge von Gewalt wurden 2025 in Österreich registriert – um etwa 65 Prozent mehr als noch 2021.
Tatort Arbeitsplatz
Die Gewerkschaft vida fordert Null-Toleranz, klare Anlaufstellen und verbindliche Präventionsmaßnahmen in den Betrieben.
Gewalt und Belästigung am Arbeitsplatz nehmen in Österreich deutlich zu. Im Jahr 2025 wurden rund 1.750 Arbeitsunfälle infolge von Gewalt registriert. Das zeigen aktuelle Daten der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA). Gegenüber 2021 entspricht das einem Anstieg von etwa 65 Prozent.
Damit werden täglich mehrere Beschäftigte bei gewaltsamen Vorfällen am Arbeitsplatz verletzt. Besonders betroffen sind Arbeitnehmer im Gesundheits- und Sozialbereich, im öffentlichen Verkehr, im Handel, in der Verwaltung und in der Gastronomie.
AUVA-Zahlen zeigen nur einen Teil der Gewalt am Arbeitsplatz
Die Statistik erfasst ausschließlich körperliche Gewalttaten, die zu einem Krankenstand führen. Verbale Angriffe, psychische Gewalt, Mobbing und sexuelle Belästigung scheinen darin ebenso wenig auf wie Vorfälle in anderen Versicherungsbereichen.
Die tatsächliche Zahl der Betroffenen dürfte daher deutlich höher sein. Viele Vorfälle werden zudem gar nicht gemeldet – etwa aus Angst vor Konsequenzen oder weil Übergriffe fälschlicherweise als unvermeidbarer Teil des Berufsalltags betrachtet werden.
„Gewalt am Arbeitsplatz ist kein Randphänomen. Die AUVA-Zahlen zeigen einen klaren Trend: Die registrierten Arbeitsunfälle sind seit 2021 um rund zwei Drittel gestiegen. Gleichzeitig wissen wir, dass die eigentlichen Dimensionen deutlich größer sind“, erklärt AUVA-Präventionsdirektorin Caroline Krammer.
„Gewalt am Arbeitsplatz ist kein Berufsrisiko und darf niemals als Teil der Arbeit akzeptiert werden. Es braucht Null-Toleranz, klare Regeln und konsequente Prävention, um Beschäftigte wirksam zu schützen.“stellvertretende vida-Bundesfrauenvorsitzende und Schirmherrin der Initiative „Tatort Arbeitsplatz“
Beschimpfungen, Drohungen und körperliche Angriffe
Gewalt am Arbeitsplatz kann viele Formen annehmen. Zugbegleiter werden etwa von Fahrgästen beschimpft, angespuckt oder körperlich attackiert. Beschäftigte in Pflege- und Betreuungseinrichtungen erleben Beleidigungen, Drohungen, Bisse oder Schläge. In der Gastronomie sind Arbeitnehmer häufig mit anzüglichen Bemerkungen, unerwünschten Berührungen und sexueller Belästigung konfrontiert.
Die körperlichen Folgen reichen von Kratz- und Schürfwunden bis zu Prellungen und schweren Verletzungen. Hinzu kommen psychische Belastungen wie Stress, Angstzustände und Schockreaktionen. Manche Betroffene leiden langfristig unter den Folgen oder fallen für längere Zeit krankheitsbedingt aus.
Rund zwei Drittel der registrierten Vorfälle gehen von betriebsfremden Personen wie Kund, Fahrgästen, Patient oder Angehörigen aus. Gleichzeitig nimmt auch Gewalt innerhalb der Betriebe zu.
Frauen sind besonders häufig betroffen
Frauen erleben überdurchschnittlich häufig Gewalt und Belästigung am Arbeitsplatz. Ein Grund dafür ist, dass sie besonders stark in Branchen vertreten sind, in denen intensiver Kontakt mit Patient, Gästen oder Kund zum Arbeitsalltag gehört.
Zudem sind Frauen häufiger von sexueller Belästigung und sexualisierter Gewalt betroffen. Gerade diese Vorfälle finden sich jedoch vielfach nicht in den offiziellen Unfallstatistiken wieder.
Klare Strukturen fehlen
In zahlreichen Betrieben gibt es noch immer keine klaren Abläufe für den Umgang mit Gewaltvorfällen. Beschäftigte wissen häufig nicht, an wen sie sich wenden können, wie Vorfälle dokumentiert werden oder welche Unterstützung ihnen zusteht.
Mögliche Maßnahmen sind verbindliche Verhaltenskodizes, geschulte Vertrauenspersonen, klar definierte Meldewege und regelmäßige Schulungen. Auch Gefahren durch Gewalt und Belästigung müssen bei der betrieblichen Evaluierung des Arbeitsplatzes berücksichtigt werden.
Das Arbeitnehmer verpflichtet Arbeitgeber bereits heute dazu, die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten zu schützen. Angesichts der steigenden Zahl an Übergriffen müssen diese Verpflichtungen jedoch konsequent umgesetzt und weiter konkretisiert werden.
vida: Gewalt ist kein Berufsrisiko
Mit der Initiative „Tatort Arbeitsplatz – Gib der Gewalt im Job keine Chance“ setzt sich die Gewerkschaft vida seit Jahren für Aufklärung, Unterstützung und wirksame Prävention ein.
Arbeitgeber müssen Übergriffe ernst nehmen, Betroffene unterstützen und Täter konsequent zur Verantwortung ziehen. Wer Gewalt erlebt oder beobachtet, sollte den Vorfall dokumentieren und sich an den Betriebsrat, die Gewerkschaft oder die AUVA wenden.
Denn ein gewaltfreier Arbeitsplatz ist kein Entgegenkommen der Arbeitgeber – sondern ein Recht jedes einzelnen Menschen.