Gewalt am Arbeitsplatz: vida fordert klare gesetzliche Maßnahmen statt Symbolpolitik
Gewaltpräventionstagung „Tatort Arbeitsplatz“ in Wien zeigt Handlungsbedarf – Roman Hebenstreit verlangt verbindliche Regeln und Konsequenzen
Gewalttagung 2026
Gewalt, Hass und Mobbing am Arbeitsplatz nehmen zu – und damit auch der Druck auf Politik und Arbeitgeber, endlich wirksam gegenzusteuern. Bei der Gewaltpräventionstagung „Tatort Arbeitsplatz“ in Wien machte die Gewerkschaft vida klar: Freiwilligkeit reicht nicht mehr aus. Es braucht gesetzlich verankerte Maßnahmen, die Beschäftigte tatsächlich schützen.
„Statistiken zeigen vieles – aber sie zeigen nicht das Leid der Betroffenen“, betonte Roman Hebenstreit, Vorsitzender der Gewerkschaft vida, bei der Eröffnung der Tagung. Die Realität in vielen Branchen ist längst alarmierend.
Schluss mit Appellen: Gesetzliche Regeln statt nette Plakate
Information und Sensibilisierung seien wichtig – aber längst nicht ausreichend.
„Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem wir uns nicht mehr mit gut gemeinten Kampagnen zufriedengeben können.“Vorsitzender der Gewerkschaft vida
Die Forderung der vida:
Verbindliche gesetzliche Gewaltschutzmaßnahmen
Dazu gehört etwa:
- Verpflichtende Präventionskonzepte in Betrieben
- Klare Regeln zum Schutz von Beschäftigten
- Konsequenzen für Unternehmen, die keine Maßnahmen setzen
Ein zentraler Hebel: öffentliche Aufträge. Diese sollen künftig nur mehr an Unternehmen vergeben werden, die funktionierende Gewaltschutz- und Präventionskonzepte nachweisen können.
Öffentliche Aufträge als Druckmittel für bessere Arbeitsbedingungen
Die Gewerkschaft sieht im Vergaberecht ein wirksames Instrument. Wer öffentliche Gelder erhält, muss auch Verantwortung übernehmen.
Ein konkretes Beispiel aus der Praxis:
- Im öffentlichen Verkehr könnte gesetzlich festgelegt werden, dass Beschäftigte nicht mehr alleine arbeiten dürfen
- Ein-Personen-Besetzungen könnten damit der Vergangenheit angehören
Das würde nicht nur die Sicherheit erhöhen, sondern auch die Arbeitsbelastung reduzieren.
Billigstbieterprinzip fördert Unsicherheit
Besonders kritisch sieht die vida die Situation im Sicherheitsgewerbe. Dort dominiert oft das sogenannte Billigstbieterprinzip – mit problematischen Folgen.
„Wenn der Preis das einzige Kriterium ist, leidet die Qualität – und am Ende die Sicherheit“, so die Kritik.
Die Folgen sind gravierend:
- Unzureichend geschultes Personal
- Überforderung und Gefährdung von Beschäftigten
- Teilweise sogar der Einsatz von Minderjährigen bei sicherheitsrelevanten Aufgaben
Hier fordert die Gewerkschaft klare Qualitätskriterien statt Preisdumping.
Gewalt ist branchenübergreifend ein Problem
Die Tagung machte deutlich: Gewalt am Arbeitsplatz betrifft viele Bereiche – vom Verkehr über den Sicherheitsdienst bis hin zu Pflege und Tourismus.
Besonders im Tourismus sieht die vida Nachholbedarf:
- Fehlende oder unzureichende Präventionskonzepte
- Hohe Arbeitsbelastung bei gleichzeitig geringem Schutz
Auch im Pflegebereich braucht es strukturelle Lösungen. Ein österreichweit einheitlicher Personalschlüssel könnte dazu beitragen, Beschäftigte zu entlasten und gegenseitigen Schutz zu ermöglichen.
Gewaltprävention braucht Struktur – nicht nur gute Absichten
Die Gewaltpräventionstagung „Tatort Arbeitsplatz – NED mit uns!“ zeigt: Es gibt Wissen, Strategien und Beispiele, die funktionieren. Doch ohne politische Umsetzung bleiben viele dieser Ansätze wirkungslos.
Gewalt am Arbeitsplatz hat weitreichende Folgen:
- Psychische und physische Belastungen
- Verschlechtertes Arbeitsklima
- Sinkende Leistungsfähigkeit
Die Gewerkschaft vida bringt es auf den Punkt:
Gewalt hat viele Gesichter – und braucht deshalb viele, aber vor allem verbindliche Lösungen.
Sicherheit ist kein Nice-to-have
Ob im Zug, im Krankenhaus oder im Sicherheitsdienst – Beschäftigte haben ein Recht auf sichere Arbeitsbedingungen.
Wer hier weiter auf Freiwilligkeit setzt, ignoriert die Realität vieler Arbeitnehmer:innen. Oder anders gesagt: Ein „Bitte seid nett zueinander“ schützt niemanden vor Gewalt
Mehr Schutz. Mehr Personal. Mehr Verantwortung – gesetzlich abgesichert.