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Inklusionstagung 2026: Behinderung, Krankheit und Einsamkeit in der Arbeitswelt

Gewerkschaft vida, AK Wien, ÖGB, KOBV und ÖZIV veranstalteten am 16. Juni 2026 in Wien eine Inklusionstagung zu Behinderung, Krankheit und Einsamkeit im Arbeitsleben. Rund 250 Besucher:innen unterstrichen die Relevanz dieser Themen.

Tatort Arbeitsplatz

ÖGB/Julia Berndl

Am 16. Juni 2026 kamen rund 250 Interessierte im ÖGB- und Gewerkschaftshaus Catamaran in Wien zusammen. Die Gewerkschaft vida, der ÖGB, die AK Wien, der ÖZIV Bundesverband und der KOBV luden zur Inklusionstagung, um Barrieren in der Arbeitswelt sichtbar zu machen und Lösungsansätze für mehr Teilhabe zu diskutieren.

Menschen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen stoßen im Berufsleben nach wie vor auf zahlreiche Hürden. Gleichzeitig entwickelt sich Einsamkeit zunehmend zu einer gesellschaftlichen Herausforderung, die auch vor Arbeitsplätzen nicht Halt macht. Unter dem Motto „Behinderung, Krankheit, Einsamkeit – Du bist nicht alleine!“ widmete sich die Tagung aktuellen Herausforderungen und konkreten Lösungsansätzen für mehr Inklusion.

Im Mittelpunkt standen Themen wie Arbeiten mit Behinderung, Persönliche Assistenz, Wiedereingliederung nach gesundheitlichen Einschränkungen, Mobilität im Arbeitsalltag sowie Förder- und Unterstützungsangebote.

Schwerpunkt Einsamkeit

Ein besonderer Fokus lag auf dem Thema Einsamkeit. Expert:innen aus Wissenschaft und Praxis beleuchteten deren Auswirkungen auf Gesundheit und Arbeitsleben und diskutierten mit den Teilnehmer:innen mögliche Gegenstrategien. Präsentiert wurde zudem ein Leitfaden zum Thema Einsamkeit, der gemeinsam mit der Plattform gegen Einsamkeit, einem Projekt der Social City Wien, entwickelt wurde.

Leitfaden "Einsamkeit am Arbeitsplatz"
Leitfaden "Einsamkeit am Arbeitsplatz"
Download (PDF, 948 KB)

Workshops, Diskussionsrunden und Informationsstände ergänzten das Programm und boten Raum für Vernetzung, Erfahrungsaustausch und praktische Unterstützung.

Vortragspräsentation "Einsamkeit sichtbar machen - gemeinsam Lösungen entwickeln"
Vortragspräsentation "Einsamkeit sichtbar machen - gemeinsam Lösungen entwickeln"
Download (PDF, 926 KB)

„Pandemie der Gegenwart ist Einsamkeit“

„Behinderung kann jede und jeden von uns treffen – vorübergehend oder dauerhaft. Entscheidend ist daher nicht die Beeinträchtigung selbst, sondern die Frage, wie unsere Gesellschaft damit umgeht“. Mit diesen Worten eröffnete AK-Präsidentin Renate Anderl die diesjährige Tagung.

ÖGB-Vizepräsidentin Christa Hörmann betonte, dass Krankheiten oder Unfälle das Leben von einem Tag auf den anderen grundlegend verändern können. Umso wichtiger sei es, dass niemand nach einer langen Erkrankung den Anschluss an das Arbeitsleben und die Gesellschaft verliere. „Einsamkeit ist nicht nur ein gesellschaftliches Problem, sondern kann auch die Gesundheit erheblich beeinträchtigen“, verwies sie auf die Rolle von Inklusion für die Gesundheitsvorsorge.

ÖZIV-Präsident Rudolf Kravanja hob hervor, welche Bedeutung von Vernetzung und Engagement im Sinne der Inklusion haben, um gesellschaftliche Verbesserungen zu erreichen: „Um der Einsamkeit entgegenzuwirken, ist es wichtig für uns alle Menschen mit Behinderung ins Arbeitsleben zu bringen! Solche Veranstaltungen sind wichtiger denn je und können neue Lösungswege und Projekte aufzeigen“.

Franz Groschan, Präsident des KOBV Österreich – Der Behindertenverband, erklärte, dass eine Behinderung häufig zu eingeschränkter sozialer Teilhabe führt und die Integration in den Arbeitsmarkt erschwert. „Das darf nicht so sein. Wenn wir zusammenarbeiten und unser Wissen teilen, profitieren wir alle davon, sodass wir uns in Zukunft nicht mehr einsam zu fühlen brauchen“, so Groschan.

Harald Steer, Gesundheitssprecher der Gewerkschaft vida Wien und Betriebsratsvorsitzender des Anton Proksch Instituts, hob die Bedeutung von Betroffenen, Behindertenvertrauenspersonen und Betriebsrät:innen hervor, die sich täglich für mehr Inklusion einsetzen. Mit Blick auf das diesjährige Schwerpunktthema betonte Steer, dass Krankheit und Einsamkeit einander häufig bedingen und verstärken. Diese Abwärtsspirale gelte es zu durchbrechen. „Du bist nicht alleine - dieses Versprechen ist kein billiger Trostspruch. Es ist unser gesetzlicher Auftrag, unsere moralische Pflicht und unser täglich gelebtes Versprechen als Betriebsräte, Personalvertreter und Behindertenvertrauenspersonen!“.

Zugleich verwies er auf die zunehmenden Belastungen in der Arbeitswelt. Umso wichtiger seien Zusammenhalt und gegenseitige Rücksicht. Sein Schlusswort fasste den Geist der Veranstaltung zusammen: „Wenn der Druck steigt, wenn die Gesundheit schwindet und wenn die Angst vor dem sozialen Abseits wächst, dann sind wir die Ersten, die die Hand ausstrecken“.

Austausch zu Arbeit, Gesundheit und Teilhabe

Das weitere Programm umfasste eine Keynote von Alexander Miklautz vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz sowie mehrere parallel stattfindende Workshops zu Förderungen, Wiedereingliederung und Mobilität im Arbeitsalltag. Eine eigene Gesprächsrunde widmete sich dem Thema Einsamkeit und bot Raum für einen offenen Austausch. In dem Rahmen stellte Yvonne Rychly, Frauenvorsitzende der vida Wien und Mitbegründerin der Initiative Tatort Arbeitsplatz das Plauderbankerl als Symbol für gelebtes Miteinander vor. „Das Plauderlbankerl steht für etwas sehr Wertvolles: Zeit füreinander. Im Arbeitsalltag geht das oft verloren. Umso wichtiger sind Orte und Gelegenheiten, an denen Menschen miteinander ins Gespräch kommen können“, so Rychly. 30 Informationsstände ergänzten das Angebot mit Beratungs- und Unterstützungsangeboten.

Die Inklusionstagung 2026 machte deutlich, dass Einsamkeit, Krankheit und Behinderung im Arbeitsleben keine Randthemen sind. Solidarität, Aufklärung und gemeinsames Engagement sind wesentliche Voraussetzungen für eine Arbeitswelt, die niemanden ausschließt und allen Menschen Teilhabe ermöglicht.

 

 

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