Höhere Fraueneinkommen statt Pensionsraub
Frauen erhalten in Österreich durchschnittlich um 39,4 Prozent weniger Pension als Männer. Wir fordern höhere Löhne, mehr Lohntransparenz und eine faire Bezahlung von Mehrarbeit – statt neuer Hürden beim Pensionsantritt.
Equal Pension Day 2026
Am 9. August ist Equal Pension Day. An diesem Tag haben Männer in Österreich bereits jene Pensionssumme erhalten, mit der Frauen bis zum Jahresende auskommen müssen. Die durchschnittlichen Frauenpensionen sind 2026 um 39,4 Prozent niedriger als jene von Männern. Das entspricht einer Pensionslücke von 144 Tagen.
Dass rund um den Equal Pension Day neue Verschlechterungen bei den Pensionen diskutiert werden, ist für uns völlig unverständlich. Besonders kritisch sehen wir die Forderung des Tiroler Landeshauptmanns Anton Mattle, den Pensionsantritt künftig an 45 Erwerbsjahre zu knüpfen.
45 Erwerbsjahre benachteiligen Frauen
Frauen übernehmen nach wie vor einen großen Teil der unbezahlten Kinderbetreuung und der Pflege von Angehörigen. Viele müssen ihre Erwerbstätigkeit deshalb unterbrechen oder ihre Arbeitszeit reduzieren. Für sie ist es besonders schwierig, 45 Erwerbsjahre zu erreichen.
„Besonders hinterhältig wäre Mattles Vorschlag, wenn damit die Schwerarbeitspension und die Korridorpension abgeschafft werden sollen.“vida-Bundesfrauenvorsitzende
„Angesichts der im Durchschnitt niedrigen Frauenpensionen in Österreich ist die Forderung nach einem Pensionsantritt erst nach 45 Erwerbsjahren an Zynismus und Geringschätzung kaum zu überbieten. Insbesondere für Frauen ist es aufgrund von Kinderbetreuung und der Betreuung von pflegebedürftigen Angehörigen sehr schwierig, diese Anzahl an Jahren zu erreichen“, kritisiert vida-Bundesfrauenvorsitzende Olivia Janisch.
Frauen, die Kinder großgezogen, Angehörige gepflegt und gleichzeitig in körperlich und psychisch belastenden Berufen gearbeitet haben, haben doppelt geleistet. Sie dürfen nicht auch noch mit einem späteren Pensionsantritt oder finanziellen Abschlägen bestraft werden.
Eine solche Regelung würde dazu führen, dass noch mehr Frauen die letzten Jahre vor der Pension in der Arbeitslosigkeit verbringen oder aus einem Krankenstand heraus in den Ruhestand wechseln müssen.
Höhere Frauenlöhne verhindern Altersarmut
Niedrige Frauenpensionen entstehen nicht erst beim Pensionsantritt. Sie sind das Ergebnis niedriger Einkommen, unbezahlter Sorgearbeit und struktureller Benachteiligung während des gesamten Erwerbslebens.
In Branchen wie Tourismus, Reinigung und Gesundheit arbeiten überwiegend Frauen. Gerade dort werden die Beschäftigten für ihre gesellschaftlich unverzichtbare Arbeit noch immer zu gering bezahlt. Deshalb braucht es bei den kommenden Kollektivvertragsverhandlungen kräftige Lohnerhöhungen – insbesondere in frauendominierten Branchen.
„Leistungsgerechte Einkommen sind ein Schlüssel für würdige Pensionen, von denen Frauen nach ihrem Erwerbsleben auch tatsächlich leben können“, betont Janisch.
Wer die Pensionslücke schließen will, muss daher bei den Einkommen ansetzen. Eine Debatte über längeres Arbeiten löst das Problem nicht. Sie verschärft vielmehr die Benachteiligung jener Frauen, die bereits während ihres gesamten Berufslebens weniger verdient haben.
EU-Lohntransparenzrichtlinie rasch umsetzen
Ein weiterer wichtiger Schritt zu gerechteren Einkommen ist die Umsetzung der EU-Lohntransparenzrichtlinie. Sie soll Beschäftigten ermöglichen, ungerechtfertigte Lohnunterschiede leichter zu erkennen und dagegen vorzugehen.
Die Umsetzungsfrist ist am 7. Juni 2026 abgelaufen. Dennoch fehlen in Österreich weiterhin die notwendigen gesetzlichen Maßnahmen.
„Nur wer ungerechtfertigte Lohnunterschiede kennt, kann sich dagegen wehren“, erklärt Janisch. Arbeitgeber und ihre Verbände müssen ihre Blockadehaltung aufgeben. Gleichzeitig ist die Bundesregierung gefordert, endlich für wirksame und verbindliche Regeln zu sorgen.
Es geht um das Recht von Leistungsträgerinnen auf jenen Lohn, der ihnen zusteht. Weitere Verzögerungen und Ausreden sind ein Schlag ins Gesicht der arbeitenden Frauen.
Mehrstunden ab der ersten Stunde fair bezahlen
Fast jede zweite erwerbstätige Frau in Österreich arbeitet Teilzeit. Bei Müttern mit Kindern unter 15 Jahren liegt die Teilzeitquote sogar bei 74 Prozent, bei Vätern hingegen nur bei 8,6 Prozent.
Besonders hoch ist der Anteil an Teilzeitbeschäftigten im Gesundheits- und Sozialwesen, in der Gebäudereinigung und im Tourismus. Viele Frauen reduzieren ihre bezahlte Arbeitszeit nicht freiwillig. Fehlende Kinderbetreuungsangebote und die Pflege von Angehörigen lassen sich mit einer Vollzeitbeschäftigung häufig kaum vereinbaren.
Wer zusätzlich arbeitet, erhält für Mehrstunden derzeit in der Regel nur einen Zuschlag von 25 Prozent. Bei Überstunden beträgt der Zuschlag hingegen 50 Prozent. Diese Ungleichbehandlung trifft vor allem Frauen.
Wir fordern daher, Mehrstunden ab der ersten Stunde wie Überstunden zu bezahlen. Der Zuschlag muss von 25 auf 50 Prozent angehoben werden. Gleichzeitig muss der zuschlagsfreie dreimonatige Durchrechnungszeitraum abgeschafft werden.
Gerechte Pensionen beginnen im Erwerbsleben
Der Equal Pension Day zeigt jedes Jahr, wie tief die finanzielle Ungleichheit zwischen Frauen und Männern noch immer ist. Diese Lücke lässt sich nicht schließen, indem Frauen länger arbeiten müssen.
Wir fordern höhere Löhne in frauendominierten Branchen, volle Lohntransparenz, eine faire Bezahlung von Mehrarbeit und eine bessere Vereinbarkeit von Beruf, Kinderbetreuung und Pflege. Denn gerechte Pensionen beginnen mit gerechten Einkommen – und nicht mit einem Pensionsraub.