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Faire Arbeitsbedingungen statt Billigstaufträge

Zum Tag der Reinigungskraft am 8. November fordert vida mehr Qualität bei der Auftragsvergabe und mehr Tagreinigung. Reinigungskräfte brauchen ausreichend Zeit, faire Arbeitsbedingungen und Schutz ihrer Gesundheit.

Tag der Reinigungskraft

Anastasiia | Adobe Stock

Ob im Krankenhaus, im Büro oder in öffentlichen Einrichtungen: Reinigungskräfte leisten unverzichtbare Arbeit. Doch Zeitdruck, gesundheitliche Belastungen und unfreiwillige Arbeitszeitkürzungen erschweren ihren Alltag. Eine aktuelle IFES-Studie zur Krankenhausreinigung zeigt, wo Handlungsbedarf besteht.

Gernot Kopp Portrait
„Wer bei der Reinigung nur auf den billigsten Preis schaut, spart oft am falschen Platz. Gute Reinigungsqualität braucht qualifiziertes Personal, ausreichend Zeit für die Tätigkeit und faire Arbeitsbedingungen.“
Gernot Kopp
Vorsitzender des vida-Fachbereichs Gebäudemanagement

Gute Reinigung braucht gute Arbeitsbedingungen. Reinigungsaufträge müssen deshalb nach nachvollziehbaren Qualitäts- und Sozialkriterien vergeben werden.

IFES-Studie: Arbeitszeitkürzungen oft vom Arbeitgeber gewünscht

Für die Studie „Reinigungskräfte im Spitalsbereich“ wurden zwischen Dezember 2025 und April 2026 insgesamt 368 Reinigungskräfte online befragt. Die Ergebnisse zeigen: Die berufliche Zufriedenheit ist bei Reinigungskräften im Krankenhaus insgesamt höher als bei Beschäftigten außerhalb des Spitalsbereichs. Dennoch bestehen Probleme bei Arbeitszeiten, Arbeitsbelastung und Gesundheitsschutz.

30 Prozent der Befragten haben ihre Arbeitsstunden in den vergangenen drei Jahren erhöht, bei elf Prozent wurden sie reduziert. Von jenen, deren Arbeitszeit gekürzt wurde, geben 56 Prozent an, dass dies vom Arbeitgeber gewünscht war.

Auch der Umgang mit Krankheit ist ein Thema: Am häufigsten berichteten die Befragten davon, krank arbeiten gehen zu müssen. Untersucht wurden außerdem Zeitdruck, psychische Belastungen, ungünstige Gesundheitsbedingungen und fehlende Unterstützung durch Führungskräfte. Bei mehreren Belastungsfaktoren schnitten Reinigungskräfte außerhalb des Spitalsbereichs noch schlechter ab.

Ausreichend Personal zum Schutz der Gesundheit

Berufliche Zufriedenheit allein sagt noch nicht aus, ob Arbeitsbedingungen gesund und fair sind. Entscheidend ist auch, ob Beschäftigte ausreichend Unterstützung erhalten und im Krankheitsfall vertreten werden können.

„Wenn Beschäftigte krank arbeiten gehen müssen, stellt sich die Frage nach ausreichenden Personalressourcen, Vertretungsmöglichkeiten und gesundheitsgerechten Arbeitsbedingungen“, erklärt Studienautor Stefan Friesenbichler, wissenschaftlicher Projektleiter am IFES.

Viele Reinigungskräfte wünschen sich berufliche Kontinuität: 44 Prozent möchten langfristig in ihrer derzeitigen Position und Tätigkeit bleiben. 15 Prozent streben eine höhere berufliche Position an. Umso wichtiger sind Arbeitsbedingungen, die eine langfristig gesunde Berufsausübung ermöglichen und Entwicklungsperspektiven bieten.

Bestbieterprinzip: Qualität und soziale Kriterien müssen zählen

Werden Reinigungsaufträge hauptsächlich nach dem niedrigsten Preis vergeben, geraten Beschäftigte und Reinigungsqualität unter Druck. Die Gewerkschaft vida fordert deshalb das Bestbieterprinzip bei der Vergabe von Reinigungsdienstleistungen: Neben dem Preis müssen Qualität und soziale Verantwortung entscheidend sein.

Dazu gehören insbesondere:

  • qualifiziertes und regelmäßig geschultes Personal,
  • ausreichend Zeit und realistische Leistungsvorgaben,
  • geeignete technische Ausstattung und Qualitätsmanagement,
  • ausreichende Personalreserven,
  • stabile Beschäftigungsverhältnisse.

Bereits 2018 hat vida einen umfassenden Kriterienkatalog erarbeitet. Er zeigt, wie Qualitäts- und Sozialkriterien in Ausschreibungen verankert und die vereinbarten Leistungen während der Vertragslaufzeit kontrolliert werden können.

„Öffentliche Auftraggeber haben hier eine besondere Verantwortung und sollten mit gutem Beispiel vorangehen“, betont Kopp.

Regierungsziele müssten sich klar in den Zuschlagskriterien widerspiegeln, fordert der vida-Gewerkschafter zudem klare „Knock-out-Kriterien“: Anbieter, die vorgegebene Kriterien wie z.B. regelmäßige Weiterbildung, Gesundheitsförderung oder Arbeiten im Alter nicht erfüllen, müssten vom Vergabeverfahren ausgeschlossen werden.

Vida Kriterienkatalog Reinigung
Vida Kriterienkatalog Reinigung
für faire Vergabekriterien im Bereich Reinigungsdienstleistungen
Download (PDF, 1 MB)

Tagreinigung verbessert Vereinbarkeit und Sichtbarkeit

Wo es betrieblich möglich ist, fordert vida die Umstellung auf Tagreinigung. Sie kann die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben verbessern und den Austausch mit anderen Beschäftigten sowie Führungskräften erleichtern. Zugleich wird die Arbeit der Reinigungskräfte sichtbarer.

„Wo es möglich ist, wollen wir die Reinigung aus den frühen Morgen- und späten Abendstunden herausholen und Tagreinigung etablieren. Das kann die Zusammenarbeit verbessern und die Arbeit besser in den Alltag integrieren“, sagt Kopp.

In Krankenhäusern müssen dabei die Hygieneanforderungen, die Betriebsabläufe und die Bedürfnisse der Patient berücksichtigt werden.

Zum Tag der Reinigungskraft am 8. November richtet vida einen klaren Appell an Auftraggeber, Krankenhausträger und Politik: Faire Auftragsvergabe und gute Arbeitsbedingungen müssen sichergestellt werden. Hochwertige Reinigung darf nicht auf Kosten der Beschäftigten gehen.

 

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