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Es gibt keinen Arbeitskräftemangel, es gibt einen Lohnmangel

Vier Arbeitslose kommen auf eine offene Stelle. Vida fordert Stopp für Mangelberufsliste, Saisonkontingente und Rot-Weiß-Rot-Karte sowie kräftige Lohnerhöhungen als Konjunkturmotor.

KV Herbst 2026

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Die Arbeitslosigkeit steigt, die Zahl der offenen Stellen sinkt. Trotzdem fordern Wirtschaftsvertreter zusätzliche Arbeitskräfte aus dem Ausland. Die Gewerkschaft vida kritisiert diese Forderungen und verlangt einen Kurswechsel: Beschäftigte brauchen anständige Löhne, Arbeitsuchende brauchen Jobchancen und Qualifizierung.

Roman Hebenstreit
„Die Zahlen vom Arbeitsmarkt sind eindeutig: Österreich hat keinen allgemeinen Arbeitskräftemangel. Wer das Gegenteil behauptet, will keine Fachkräfte, sondern Lohndruck.“
Roman Hebenstreit
Vorsitzender der Gewerkschaft vida

Fast vier Arbeitslose auf jede offene Stelle

Ende September waren in Österreich 306.624 Menschen arbeitslos gemeldet – um 7.444 mehr als ein Jahr zuvor. Dazu kamen 74.535 Menschen in AMS-Schulungen. Ihnen standen 78.267 sofort verfügbare offene Stellen gegenüber.

Damit kommen auf jede beim AMS gemeldete offene Stelle fast vier Arbeitslose, inklusive Schulungsteilnehmer fast fünf. Besonders alarmierend: Die Langzeitarbeitslosigkeit stieg um 22 Prozent. Auch Menschen über 50 und Personen mit Lehrabschluss sind zunehmend betroffen.

Stopp für Mangelberufsliste, Saisonkontingente und Rot-Weiß-Rot-Karte

vida fordert einen Stopp für die Mangelberufsliste, zusätzliche Saisonkontingente und Rot-Weiß-Rot-Karten in angeblichen Mangelberufen, solange die Arbeitslosigkeit steigt und die Reallöhne nicht deutlich wachsen.

Unternehmen sollen zuerst Menschen einstellen, die beim AMS gemeldet sind, in Qualifizierung investieren und mehr Lehrlinge ausbilden. Angesichts von rund 381.000 Menschen in Arbeitslosigkeit oder AMS-Schulung und erstmals weniger als 100.000 Lehrlingen sieht Hebenstreit die Betriebe in der Pflicht.

Die Kritik richtet sich gegen eine Politik, die Lohndruck fördert. Für Beschäftigte fordert vida unabhängig von ihrer Herkunft gleiche Bedingungen: „Wer in Österreich arbeitet, hat Anspruch auf denselben Kollektivvertrag, denselben Lohn und dieselben Rechte, egal woher er oder sie kommt.“

Ohne Kaufkraft kein Aufschwung, ohne Aufschwung keine Jobs

„Wer bei den Löhnen spart, würgt die Nachfrage ab, und ohne Nachfrage stellt kein Betrieb zusätzlich Arbeitskräfte ein. Lohnzurückhaltung schafft keinen einzigen Arbeitsplatz. Kaufkraft schafft Arbeitsplätze.“
Roman Hebenstreit
Vorsitzender der Gewerkschaft vida

Für vida liegt das wirtschaftliche Problem in der schwachen Nachfrage. Der private Konsum macht rund die Hälfte der Wirtschaftsleistung aus. Wenn den Haushalten Kaufkraft fehlt, fehlen auch den Betrieben Aufträge.

Gerade Menschen mit niedrigen und mittleren Einkommen geben zusätzliches Geld im Inland aus – etwa im Handel, in der Gastronomie oder bei Handwerksbetrieben. Höhere Löhne stärken außerdem die öffentlichen Kassen: Ein Prozent weniger Lohnentwicklung im Dienstleistungssektor kostet laut vida rund 204 Millionen Euro an Steuern und 385 Millionen Euro an Sozialbeiträgen.

Herbstlohnrunde: Inflation abgelten, Reallöhne erhöhen

Am 12. Oktober startet die vida-Herbstlohnrunde mit den Kollektivvertragsverhandlungen für die Eisenbahnen. Die Gewerkschaft fordert die volle Abgeltung der rollierenden Inflation und reale Lohnzuwächse, besonders für niedrige Einkommen.

Für uns sind kräftige Lohnabschlüsse entscheidend, um die Wirtschaft anzukurbeln und die Arbeitslosigkeit zu senken: „Das ist kein Wunschkonzert. Das ist das beste Konjunktur- und Beschäftigungsprogramm, das dieses Land hat.“

 

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