Zum Hauptinhalt wechseln

Sicherheit im Zug: vida fordert regelmäßige Evakuierungsübungen

Zugpersonal braucht regelmäßige praktische Notfalltrainings und einheitliche Ausbildungsstandards. Die Gewerkschaft vida fordert außerdem eine verbindliche Mindestbesetzung und ausreichende Ruhezeiten.

Bahnsicherheit

assalve | Getty Images Signature

Wenn ein Zug im Tunnel liegen bleibt, muss das Personal rasch und sicher handeln können. Dafür braucht es regelmäßige, realitätsnahe Übungen. Die Gewerkschaft vida fordert alle österreichischen Eisenbahnunternehmen auf, ihre Verantwortung für die Vorbereitung auf Notfallsituationen wahrzunehmen.

Anlass ist ein Bericht der ORF-Sendung ZIB 2 vom 29. Oktober 2026. Darin schildern Beschäftigte, dass praktische Evakuierungsschulungen in Tunnelanlagen teilweise mehrere Jahre zurückliegen. Auch strecken- und tunnelspezifische Inhalte seien nicht immer Teil der Ausbildung.

Evakuierungen regelmäßig und praxisnah trainieren

Eine Grundausbildung allein reicht nicht aus, um auf Notfälle dauerhaft vorbereitet zu sein. Gerhard Tauchner, Vorsitzender des Fachbereichs Eisenbahn in der Gewerkschaft vida, fordert deshalb regelmäßige praktische Schulungen:

Portrait Gerhard Tauchner
„Wer im Ernstfall Verantwortung für hunderte Fahrgäste trägt, muss wissen, was zu tun ist. Das kann man nicht ausschließlich in einer Grundausbildung lernen und trainieren. Räumungen und Evakuierungen müssen regelmäßig und möglichst realitätsnah praktisch trainiert werden.“
Gerhard Tauchner
Vorsitzender des Fachbereichs Eisenbahn in der Gewerkschaft vida und KV-Verhandlungsleiter

Wie wichtig diese Vorbereitung ist, zeigte der Vorfall mit dem ICE 90 im Sommer 2025 in Wien. Der Zug blieb in einem Tunnel liegen, Fahrgäste mussten vor ihrer Evakuierung mehrere Stunden im Zug ausharren. Nach Angaben Tauchners ist die Prüfung des Vorfalls durch die oberste Eisenbahnbehörde auch nach 15 Monaten noch nicht abgeschlossen.

Neue Züge und Tunnel erfordern angepasste Ausbildung

Moderne Fahrzeuge mit hohen Fahrgastkapazitäten, Doppelstockzüge, neue Railjet-Generationen und Infrastrukturanlagen wie der Koralmtunnel verändern die Anforderungen an das Zugpersonal. Die praktische Ausbildung muss mit dieser Entwicklung Schritt halten.

Die Gewerkschaft vida fordert daher verbindliche und einheitliche Mindeststandards für Räumungs- und Evakuierungsschulungen sowie für die personelle Besetzung von Zügen. Diese Standards müssen für alle Eisenbahnunternehmen gelten.

Ausreichend Personal für Sicherheit im Ernstfall

Tauchner verweist auf die Luftfahrt: Dort ist eine Mindestanzahl an Flugbegleiter im Verhältnis zur Sitzplatzanzahl vorgeschrieben. Eine vergleichbare Vorgabe fehlt laut Tauchner bei der Eisenbahn. So dürfen im Regional- und Lokalverkehr Züge mit Kapazitäten von bis zu 500 Reisenden ohne Zugbegleiter unterwegs sein.

Auch regelmäßiges Training sicherheitsrelevanter Abläufe müsse auf der Schiene selbstverständlich werden. Beschäftigte brauchen die Möglichkeit, Notfallsituationen wiederholt praktisch zu üben und dadurch Handlungssicherheit zu gewinnen.

Sicherheit ist eine Systemaufgabe

Die Verantwortung für sichere Abläufe darf nicht auf einzelne Beschäftigte abgeschoben werden. Eisenbahnunternehmen müssen die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen – mit ausreichend Personal, regelmäßigen Ausbildungen und praktischen Übungen.

Dazu gehört auch, dass Beschäftigte ihren Dienst gut ausgeruht antreten können. Ausreichende Ruhezeiten zwischen zwei Dienstschichten sind deshalb ebenfalls eine Forderung der vida bei den laufenden Kollektivvertragsverhandlungen für die Eisenbahnbranche.

 

Aktuelles