Erste KV-Runde in der Güterbeförderung ohne Einigung
vida fordert faire Löhne und bessere Arbeitsbedingungen für rund 50.000 Lkw-Lenker. Die Arbeitgeber verweigern den Teuerungsausgleich und verlangen Einschnitte bei Einkommen und Freizeit.
KV Verhandlung
Die erste Runde der Kollektivvertragsverhandlungen im österreichischen Güterbeförderungsgewerbe ist am 4. November ohne Einigung zu Ende gegangen. Die Arbeitgeberseite lehnt es bisher ab, die durchschnittliche Teuerung von 3,3 Prozent abzugelten. Gleichzeitig fordert sie Verschlechterungen bei Überstundenzuschlägen, Zeitausgleich und Schadenshaftung.
Lkw-Lenker brauchen einen Teuerungsausgleich
Für die Gewerkschaft vida ist der Ausgleich der Teuerung die Grundlage für einen KV-Abschluss. Steigende Lebenshaltungskosten dürfen die Kaufkraft der rund 50.000 Beschäftigten nicht weiter schwächen.
„Lohnzurückhaltung macht im Geschäft für die Beschäftigten nichts billiger. Weder die Mieten noch die Treibstoffpreise sinken, wenn die Beschäftigten keinen Teuerungsausgleich bekommen.“Verhandlungsleiter der Gewerkschaft vida
Die Arbeitgeber würden gerne mit dem Bild der „Friends on the Road“ werben, kritisiert Petritsch. Bei den Verhandlungen sei davon allerdings kaum etwas zu bemerken gewesen.
Arbeitgeber fordern Einschnitte bei Einkommen und Freizeit
Neben der fehlenden Bereitschaft zum Inflationsausgleich sorgen weitere Forderungen der Arbeitgeber für Konflikt:
- Überstundenzuschläge sollen faktisch wegfallen.
- Zeitausgleich soll einseitig vom Arbeitgeber angeordnet werden können. Dadurch würde die ohnehin schwer planbare Freizeit weiter eingeschränkt.
- Die Schadenshaftung der Lkw-Lenker soll ausgeweitet werden.
Für vida sind diese Verschlechterungen keine Grundlage für eine sozialpartnerschaftliche Lösung. „Das unternehmerische Risiko gehört nicht auf den Schultern der Beschäftigten abgeladen“, stellt Petritsch klar.
Fahrermangel: Bessere Arbeitsbedingungen statt niedrigerer Standards
Bereits jetzt fehlen in Österreich rund 8.000 Lkw-Fahrer. Ein Drittel der aktiven Lenker ist älter als 55 Jahre. Jährlich gehen der Branche rund 2.000 Fahrer verloren.
Die Unternehmen wollen den Beruf auf die Mangelberufsliste setzen. Für Anil Zümrüt, Vorsitzender des vida-Fachbereichs Straße, braucht es vor allem bessere Arbeitsbedingungen: „Wenn die Bedingungen schlechter werden, wird es noch schwerer, in Österreich Fahrerinnen und Fahrer zu finden.“
vida fordert deshalb, den Beruf durch faire Löhne und gute Arbeitsbedingungen attraktiver zu machen. Niedrigere Standards und die Anwerbung von Arbeitskräften aus dem Ausland lösen die strukturellen Probleme der Branche nicht.
Nächste KV-Verhandlung am 12. November
Die Kollektivvertragsverhandlungen für die Güterbeförderung werden am 12. November 2026 fortgesetzt. vida bleibt bei ihrer Forderung nach einem Teuerungsausgleich und besseren Bedingungen für die Menschen hinter dem Steuer.