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KV-Speditions- und Lagereiarbeiter:innen: Zweite Verhandlungsrunde ohne Ergebnis

Gewerkschaft vida hat kein Verständnis für von der WKÖ geforderten Verschlechterungen und fordert faire Lohnerhöhung für 9.000 Arbeiter:innen

KV Verhandlung

industrieblick | stock.adobe.com

Die zweite Kollektivvertrags-Verhandlungsrunde für rund 9.000 Arbeiter:innen in österreichischen Speditions- und Lagereibetrieben ist ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Die Gespräche zwischen der Gewerkschaft vida und der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) brachten zu Wochenbeginn keine Annäherung. Aus Sicht der Gewerkschaft liegt das Angebot der Arbeitgeber deutlich unter den Erwartungen der Beschäftigten – und beinhaltet zusätzlich Forderungen nach Verschlechterungen bei bestehenden Regelungen.

Markus Petritsch
„Das Angebot liegt weit unter der rollierenden Inflation von 3,6 Prozent im vergangenen Jahr. Zudem werden von den Arbeitgebern Verschlechterungen beim Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie bei den Ruhezeiten gefordert.“
Markus Petritsch
Vorsitzender des vida-Fachbereichs Straße

Die Arbeitgeberseite legte ein Angebot von 2,2 Prozent Lohnerhöhung vor. Dieses liegt laut vida klar unter der rollierenden Inflation von 3,6 Prozent im vergangenen Jahr.

vida kritisiert Angebot unter der Inflationsrate

Mit deutlichen Worten reagiert Markus Petritsch, Vorsitzender des vida-Fachbereichs Straße, auf den bisherigen Verlauf der Verhandlungen.

Für uns ist klar: Ein Abschluss unterhalb der Teuerung würde für viele Beschäftigte realen Einkommensverlust bedeuten. Gerade in einer Branche mit vergleichsweise niedrigen Einkommen sei eine spürbare Lohnerhöhung notwendig, um die Kaufkraft zu sichern.

Konferenz der Betriebsrät:innen am 11. März

Wie es in den KV-Verhandlungen weitergeht, wird nun auch innerhalb der Gewerkschaft beraten. Für 11. März 2026 hat vida eine Konferenz mit Betriebsrät:innen aus der Branche einberufen. Dort sollen das vorliegende Angebot der Arbeitgeber bewertet und mögliche gewerkschaftliche Maßnahmen diskutiert werden.

Eine weitere Verhandlungsrunde ist für den 18. März vereinbart.

Logistikbranche kämpft mit Personalmangel

Aus Sicht der Gewerkschaft steht viel auf dem Spiel. Die Logistik zählt zur kritischen Infrastruktur, ohne die Wirtschaft und Versorgung nicht funktionieren würden. Gerade deshalb müsse die Branche attraktivere Arbeitsbedingungen bieten.

„In einer für die kritische Infrastruktur so wichtigen Branche, ohne die in Österreich nichts geht, sollte es Ziel sein, neben fairen Lohnerhöhungen auch die Arbeitsbedingungen zu attraktiveren, um mehr Stammpersonal zu halten und neues Personal zu gewinnen“, betont Petritsch.

Die Arbeitgeber selbst würden in der Logistikstrategie der Bundesregierung Maßnahmen gegen den Personalmangel erwarten. Dafür müssten jedoch auch die Unternehmen ihren Beitrag leisten.

Mindestlohn und steigende Lebenshaltungskosten

Der aktuelle Mindestlohn für Speditions- und Lagereiarbeiter:innen liegt bei einer 38,5-Stunden-Woche bei 2.280,55 Euro brutto monatlich – rund 1.800 Euro netto.

Gerade Beschäftigte mit niedrigeren Einkommen seien von der hohen Teuerung der letzten Jahre besonders betroffen. Eine faire Lohnerhöhung sei daher auch volkswirtschaftlich sinnvoll.

„Die hohe Teuerung der letzten Jahre ist für Arbeitnehmer:innen mit geringem Haushaltseinkommen deutlich stärker spürbar als für Gutverdiener:innen“, betont Petritsch.

Lohnsteigerungen würden zudem direkt wieder in den Konsum fließen und damit auch den heimischen Handel stärken.

Hohe Wertschöpfung in der Branche

Die österreichische Speditions- und Logistikbranche umfasst zahlreiche große Unternehmen, darunter Gebrüder Weiss, Schenker, DHL, Kühne+Nagel, Amazon, DPD oder die Nagel Group.

Laut Branchendaten der WKÖ lag die Bruttowertschöpfung der Branche 2023 bei insgesamt 2,622 Milliarden Euro. Fast die Hälfte entfiel auf 23 Großunternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten.

Eine aktuelle Branchenanalyse zeigt zudem: Die Bruttowertschöpfung pro Beschäftigten lag 2024 bei 95.499 Euro und ist trotz real gesunkener Umsätze gestiegen.

Für uns ist daher klar, dass Spielraum für faire Löhne vorhanden ist. Petritsch erwartet deshalb in den kommenden Verhandlungen ein verbessertes Angebot der Arbeitgeber.

 

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