Europaweiter Tag gegen Fahrer:innen-Müdigkeit
Bis zu 66 Prozent der Berufskraftfahrer:innen müssen mit chronischer Müdigkeit ans Steuer – Gewerkschaft vida sieht dringliches Problem.
Straße
Laut einer Studie der Europäischen Transportarbeiter-Föderation (ETF) müssen bis zu zwei Drittel der LKW- und Busfahrer:innen mit chronischer Müdigkeit ans Steuer. Ein großes Problem sieht darin Markus Petritsch, Vorsitzender des Fachbereichs Straße in der Gewerkschaft vida: „Es geht hier um die Sicherheit der Fahrer:innen und aller Verkehrsteilnehmer:innen. Angesichts des Berufskraftfahrer:innenmangels in Europa sind Maßnahmen gegen das Problem der Müdigkeit am Steuer durch lange Arbeitszeiten noch viel dringlicher geworden.“
Schlechte Arbeitsbedingungen auf der Straße
Laut ETF-Studie sind chronische Müdigkeit bei Berufskraftfahrern:innen in ganz Europa die Norm: 60 Prozent der LKW- und 66 Prozent der Busfahrer:innen von rund 2.900 Befragten gaben an, regelmäßig unter Müdigkeit fahren zu müssen. Laut derselben Studie sind schlechte Arbeitsbedingungen wie unregelmäßige und lange Arbeitszeiten sowie unzureichende Ruhe- und Pausenzeiten die Hauptursachen für Fahrermüdigkeit, so Petritsch.
„Der 21. Juni ist bekanntlich der längste Tag des Jahres – aber für die meisten Berufskraftfahrer:innen ist der längste Tag jeden Tag."Vorsitzender des vida-Fachbereichs Straße
Brisantes Problem – nicht nur am längsten Tag des Jahres
Am 21. Juni, Sonntag, findet daher zum vierten Mal seit 2023 der europaweite Sensibilisierungstag zum Thema Fahrer:innen-Müdigkeit (Drivers‘ Fatigue Day) statt. Ziel der ETF und ihrer Mitgliedsgewerkschaften im Straßensektor, zu denen auch die vida zählt, ist es, aufzuzeigen, wie brisant dieses Problem im Straßenverkehr ist. „Der 21. Juni ist bekanntlich der längste Tag des Jahres – aber für die meisten Berufskraftfahrer:innen ist der längste Tag jeden Tag“, betont der vida-Gewerkschafter. Die ETF und ihre Mitgliedsgewerkschaften werden europaweit mehrere Aktionen organisieren, um das öffentliche Bewusstsein für die Ursachen der Fahrer:innenmüdigkeit zu schärfen.
Bessere soziale Infrastruktur für Lenker:innen
Man wolle deutlich machen, dass die einzige Antwort auf die vor allem durch schlechte Arbeitsbedingungen verursachte Übermüdung der Fahrer:innen darin bestehe, indem man sicherstellt, dass ihre Arbeitsbedingungen verbessert werden. Ein besonders gravierender Missstand sei in diesem Zusammenhang in Österreich die nach wie vor fehlende soziale Infrastruktur für Lenker:innen. Die Asfinag habe grundsätzlich eine brauchbare Anzahl an Rastplätzen, aber die Ausstattung dieser lasse oft zu wünschen übrig, so Petritsch.
„Egal ob entlang von Autobahnen, in Gewerbeparks oder im städtischen und ländlichen Raum – vielerorts fehlen kostenlose Toiletten, Duschen und Waschräume. Ebenso fehlt eine ausreichende Zahl an rechtlich abgesicherten Abstellplätzen, Möglichkeiten zur Konsumation von kostengünstigen Mahlzeiten, Lärmschutz und Schatten, damit Ruhezeiten auch tatsächlich zur Regeneration und Erholung genutzt werden können, erläutert Petritsch, dass die Gewerkschaft vida seit Jahren auf die mangelhafte Infrastruktur für Berufslenker:innen hinweist.
Wirksame Kontrollen für mehr Sicherheit und Fairness
Auch beim Thema Kontrollen sieht die vida dringenden Handlungsbedarf. „Mehr wirksame Kontrollen bedeuten mehr Sicherheit und Fairness auf der Straße - für Beschäftigte, redlich wirtschaftende Unternehmen, Anrainer:innen und auch für die Steuerzahler:innen“, so der vida-Gewerkschafter. Insbesondere müsse die behördliche Zusammenarbeit bei Kontrollen erleichtert und damit verbessert werden - und ein stärkerer Fokus auf mögliche Unterentlohnung von Fahrer:innen gerichtet werden: „Vor allem bei Fahrten von Unternehmen aus dem Ausland ist Lohn- und Sozialdumping ein großes Problem. Es müssen mit Kontrollen auch die Löhne und Arbeitsbedingungen unserer heimischen Lenker:innen im knallharten Wettbewerb mit Dumpinglohn-Ländern geschützt werden.“ Die Verbesserung der Arbeitsbedingungen sei auch von entscheidender Bedeutung, um neue Fahrer:innen zu gewinnen und sie an den Beruf zu binden. Das wirkt sich direkt positiv auf das Wohlbefinden der Berufskraftfahrer:innen und auch auf die Verkehrssicherheit im Allgemeinen aus“, bekräftigt vida-Gewerkschafter Markus Petritsch.
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