Oberösterreich

Nächste Landesregierung muss in der Pflege handeln

Was sich die Gewerkschaft von der künftigen Regierung erwartet.

Die Lage der Beschäftigten in den Spitälern sowie den Alten- und Pflegeheimen ist nicht erst seit Ausbruch der Corona-Pandemie prekär. Studien haben schon vor der Krise gezeigt, dass alleine in Oberösterreichs Krankenhäusern etwa 20 Prozent zu wenig Personal vorhanden ist. Diesem Personalmangel entgegenzusteuern ist angesichts der demographischen Entwicklung und der Krisenfestigkeit des Gesundheitssystems für die Politik ein Gebot der Stunde. Die Gewerkschaften vida und younion in Oberösterreich stellten ihre Forderungen an die nächste Landesregierung bei einer Pressekonferenz am 9. September 2021 der Öffentlichkeit vor

Neuen Kurs einschlagen

Leider mussten wir gerade in Oberösterreich in den vergangenen Jahren feststellen, dass die Politik der Landesregierung darauf abzielt, notwendige Maßnahmen zu verzögern und mit niedrigen Kosten davonzukommen.

„Zu versuchen, alles möglichst lange auszusitzen, ist die falsche Strategie, vergrößert die Probleme, führt zu Frust bei den Beschäftigten und verschärft den Personalmangel.“

Helmut Woisetschläger, Landesvorsitzender vida Oberösterreich
 

Deshalb fordern die Gewerkschaften vida und younion, dass die nach der Wahl neue Landesregierung einen anderen Kurs einschlägt. „Die Landesregierung muss die Probleme in der Pflege offensiv angehen und in den Dialog mit den ArbeitnehmerInnen gehen“, fordert Woisetschläger.
Verhandlungen rasch starten

Die erste Baustelle, die der Landesregierung ins Haus steht, sind die Verhandlungen über Verbesserungen für den nicht-pflegenden Bereich in den Krankenhäusern und Heimen. „Im Zuge der Verhandlungen zum Pflegepaket 2020 wurde vereinbart, dass ab dem 1. Quartal 2022 auch für diesen Bereich, das heißt jene KollegInnen, die etwa in der Haustechnik oder in der Reinigung tätig sind, über Verbesserungen verhandelt wird“, erklärt Woisetschläger. Um diese Verhandlungen rasch starten zu können, müssen schon vor dem Jahreswechsel Vorgespräche begonnen werden. „Ein weiteres Hinhalten der KollegInnen ist für uns nicht akzeptabel. Da darf es keine Ausreden geben“, so der Gewerkschafter.

Als Sofortmaßnahme und um den Personalengpass bekämpfen zu können, muss Kolleginnen und Kollegen die Möglichkeit gegeben werden, ihre Stunden auf Vollzeit erhöhen zu können. Leider ist es derzeit gerade im ArbeiterInnen-Bereich oft so, dass entsprechende Ansuchen nicht genehmigt werden. Darüber hinaus ist es für den Pflegebereich dringend notwendig, zusätzliches Unterstützungspersonal anzustellen, um die KollegInnen zu entlasten.
Mehr Personal, bessere Bezahlung

Nachdem im vergangenen Jahr in den Verhandlungen erreicht werden konnte, dass ein rechtskonformer Zustand für die Pflegebeschäftigten hergestellt wurde, sind nun substanzielle Verbesserungen notwendig, damit diese Berufe attraktiver werden. „Das bedeutet auf der einen Seite, dass die Gehälter in allen Spitals- und Heimbereichen steigen und auf der anderen Seite, dass die Arbeitsbedingungen deutlich verbessert werden müssen“, sagt Woisetschläger. Hierzu ist es notwendig in den Alten- und Pflegeheimen den gesetzlich verankerten Mindest-Pflegepersonalschlüssel, der teilweise aus den 1990er-Jahren stammt, auf die heutigen Gegebenheiten anzupassen.

So ist gerade in den Heimen die Zahl jener BewohnerInnen, die etwa an Demenz leiden, in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Diese BewohnerInnen brauchen eine deutlich intensivere Pflege und Betreuung, die nur mit zusätzlichem Personal stemmbar ist. „Daher ist eine deutliche Erhöhung des Pflegeschlüssels in diesen Bereichen ein Gebot der Stunde. Damit werden diese Berufe attraktiver und die Beschäftigten können gehalten werden“, sagt Woisetschläger. Durch eine schrittweise Erhöhung des Mindest-Pflegepersonalschlüssels kann auch einem Engpass an Pflegeplätzen entgegengewirkt werden.

Gesundheitsgipfel als Startschuss

Die Forderungen der Gewerkschaften müssen so schnell wie möglich auf die politische Agenda kommen. „Die Landesregierung wäre gut beraten, das unmittelbar anzugehen. Wir wollen deshalb auch einen Gesundheitsgipfel für Oberösterreich, der Ausgangspunkt für entscheidende Verbesserungen sein muss“, betonen der Landesvorsitzende der vida Oberösterreich, Helmut Woisetschläger, und younion-Betriebsrat Branko Novakovic, Vorsitzender der ARGE FGV Gesundheitsberufe im ÖGB in Oberösterreich.

Du findest die gesamte Presseunterlage zur Pressekonferenz als Download auf dieser Seite.

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