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ÖBB: Passagierrekorde brauchen Weitblick – Bahn darf nicht auf Verschleiß fahren

Gewerkschaft vida sieht Rechnungshofbericht als Warnsignal und fordert strategische Kurskorrektur

Eisenbahn

petrrgoskov | Adobe Stock

Die steigenden Fahrgastzahlen bei den ÖBB zeigen deutlich: Die Bahn ist ein zentraler Pfeiler der Mobilitätswende in Österreich. Für die Gewerkschaft vida ist dieser Erfolg jedoch kein Selbstläufer – sondern das Ergebnis harter Arbeit der Beschäftigten und funktionierender Infrastruktur. Gleichzeitig warnt sie vor einem gefährlichen Trend: Rekorde dürfen nicht auf Kosten von Qualität und Verlässlichkeit gehen.

Rechnungshofbericht als klare Mahnung

Der aktuelle Bericht des Rechnungshofs liefert eine deutliche Analyse: Das starke Wachstum bei Angebot und Nachfrage wurde nicht ausreichend durch Fahrzeuge und betriebliche Reserven abgesichert.

Portrait Gerhard Tauchner
„Als Gewerkschaft vida sehen wir den Rechnungshofbericht als Mahnung. Um negative Entwicklungen zu verhindern, muss jetzt auf allen Ebenen gegengesteuert werden.“
Gerhard Tauchner
Vorsitzender des vida-Fachbereichs Eisenbahn

Überlastetes Rollmaterial und sinkende Qualität

Besonders kritisch ist laut Bericht die Fahrzeugverfügbarkeit. Lieferverzögerungen bei neuen Zügen haben dazu geführt, dass ältere Garnituren länger im Einsatz bleiben und neue Fahrzeuge stärker beansprucht werden als geplant.

Die Folgen sind für Fahrgäste längst spürbar:

  • sinkende Pünktlichkeit
  • häufigere Ausfälle
  • Qualitätsverluste bei Fahrzeugen und Information
  • abnehmende Zuverlässigkeit im Betrieb

Was als Erfolgsgeschichte beginnt, droht so zur Belastungsprobe für das gesamte System zu werden.

Ohne Personal und Struktur kein stabiler Betrieb

Für die Gewerkschaft vida ist klar: Der Schlüssel liegt im technischen Bereich. Franz Raidl, stv. Vorsitzender des Fachbereichs Eisenbahn, fordert konkrete Maßnahmen:

„Notwendig sind klare Standortstrategien, stabile Instandhaltungsstrukturen und ausreichend qualifiziertes Fachpersonal. Ohne diese Voraussetzungen wird jeder Angebotsausbau zum Risiko.“

Damit richtet sich der Fokus bewusst weg von den Beschäftigten als vermeintliches Problem – hin zu strukturellen Defiziten im System.

Nicht das Personal ist das Problem

Der Rechnungshof stellt unmissverständlich fest: Die Ursachen für Qualitätsprobleme liegen nicht beim Personal, sondern in der Planung.

Konkret nennt der Bericht Schwächen in:

  • Angebotsplanung
  • Flottenstrategie
  • Risikomanagement

Damit bestätigt er eine zentrale gewerkschaftliche Kritik: Wenn Systeme auf Kante genäht sind, zahlen Beschäftigte und Fahrgäste am Ende den Preis.

Rekorde verpflichten

Die Gewerkschaft vida fordert daher ein Umdenken im Management der ÖBB. Kurzfristige betriebswirtschaftliche Kennzahlen dürfen nicht länger über langfristige Stabilität gestellt werden.

„Hohe Fahrgastzahlen sind keine Garantie für die Zukunft – sie verpflichten zu verantwortungsvoller Planung“, so Raidl.

Mobilitätswende braucht verlässliche Bahn

Für eine funktionierende Mobilitätswende reicht es nicht, immer mehr Menschen in die Züge zu bringen. Entscheidend ist, dass die Bahn langfristig stabil, zuverlässig und qualitativ hochwertig bleibt. Wer heute Rekorde feiert, muss heute auch investieren – in Fahrzeuge, Infrastruktur und Personal.

Denn eine Bahn, die dauerhaft am Limit fährt, ist keine Lösung für die Zukunft.

 

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