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„Österreich läuft, weil die Beschäftigten jeden Tag Leistung bringen. Sie verdienen anständige Löhne. Und dafür kämpfen wir.“

vida-Vorsitzender am Wort: Roman Hebenstreit über Herbstlohnrunde, Fachkräftemangel, Ausbildungsstreik, Lohnraub und Einsatz der Gewerkschaft vida.

Interview

www.stefanjoham.com

Das Interview aus dem vida-Magazin 

vida-Magazin: Die Herbstlohnrunde steht vor der Tür. Was ist heuer besonders wichtig?

Roman Hebenstreit: Beschäftigte in den verschiedensten Branchen der vida halten Österreich am Laufen. Was für viele in unserem Land selbstverständlich ist, entsteht durch harte Arbeit und Verantwortung. Diese Leistung verdient Respekt, Anerkennung – und eine ordentliche Bezahlung. Wer gute Arbeit leistet und Verantwortung übernimmt, hat auch einen anständigen Lohn verdient. Dafür kämpfen wir in den Kollektivvertragsverhandlungen im Herbst.

vida-Magazin: Die Wirtschaft spricht von schwierigen Zeiten. Warum fordert die vida trotzdem kräftige Abschlüsse?

Roman Hebenstreit: Schwierige Zeiten? Die haben vor allem die Beschäftigten, wenn ihr Lohn an der Supermarktkasse schrumpft. Hören wir doch auf mit dem Märchen von der Gesamtkrise: Gewisse Branchen haben ihre Hausaufgaben verschlafen. Aber das ist kein Freibrief, um die Einkommen derer zu entwerten, die den Laden täglich am Laufen halten. Wer Leistung fordert, muss sie bezahlen. Punkt. Wer nach Fachkräften schreit und gleichzeitig Reallohnverluste als „Vernunft“ verkauft, produziert den Mangel selbst. Leistung muss sich lohnen – und zwar im Geldbörsel, nicht nur in Sonntagsreden.

vida-Magazin: In vielen Branchen fehlen Arbeitskräfte. Was muss sich ändern?

Roman Hebenstreit: Wer bei Löhnen auf der Bremse steht, hat beim Personalmangel den Fuß am Gaspedal. Was wir erleben, ist kein Mangel, sondern ein Ausbildungsstreik: Auf eine Lehrstelle in Wien kommen zehn Jugendliche – während gleichzeitig über „Fachkräftemangel“ gejammert wird. Wer den eigenen Nachwuchs im Regen stehen lässt und dauernd nach billigem Ersatz aus Drittstaaten ruft, betreibt arbeitsmarktpolitischen Etikettenschwindel. Wer Zukunft will, muss ausbilden und Leistung anständig bezahlen. Alles andere ist unternehmerische Arbeitsverweigerung.

vida-Magazin: Was läuft gerade besonders falsch?

Roman Hebenstreit: Ein Punkt ärgert mich besonders: Millionen Überstunden werden jedes Jahr weder bezahlt noch durch Zeitausgleich abgegolten. Knapp 46 Millionen Stunden und rund 2,5 Milliarden Euro werden durch Arbeitszeitbetrug den arbeitenden Menschen jährlich geraubt. Da braucht es schärfere Kontrollen und härtere Strafen! Dass jetzt auch noch die Leistungen der „Lohnausfallsversicherung“, also Leistungen aus dem Insolvenzentgeltfonds, infrage gestellt werden, schlägt dem Fass den Boden aus. Da haben Menschen gearbeitet, die Unternehmen haben dadurch Einnahmen lukriert, und wenn die Bude dann pleitegeht und der Versicherungstopf leer geräumt ist, sollen den Leuten die Leistungen gekürzt werden.

vida-Magazin: Was bringt die Gewerkschaft den Menschen konkret – gerade jetzt?

Roman Hebenstreit: Bei den KV-Verhandlungen sitzen wir für die Beschäftigten am Tisch und kämpfen dafür, dass ihre Leistung entsprechend bezahlt wird. Aber Gewerkschaft ist noch viel mehr und endet nicht mit dem letzten Arbeitstag. Auch in der Pension profitieren Mitglieder von unseren Leistungen. Dazu kommen Angebote und Vorteile für die Freizeit. vida zahlt sich aus – ein Leben lang. Und gerade in der Herbstlohnrunde zeigt sich wieder, wie wichtig Zusammenhalt ist. Danke an alle Mitglieder, Funktionär:innen, Betriebsrät:innen und Wegbegleiter:innen für eure Solidarität. Gemeinsam sorgen wir dafür, dass Leistung ihren Wert behält und sich Arbeit auch in Zukunft lohnt.

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