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Aufsperren - JETZT!

Initiative „5 vor 12“ fordert Maßnahmen zur Existenzsicherung und Perspektiven für Tourismusbeschäftige.

„Es ist nicht 5 Minuten vor 12, sondern meines Erachtens längst 20 Minuten nach 12 Uhr!“ Diese klaren Worte fand Reinhard Nowak, Schauspieler und Künstler, bei der Pressekonferenz der Initiative „5 vor 12“ im Lokal „The Legends“ in Wien, mit der Gastronomen, Kaffeesieder und Touristiker ein Zeichen setzen wollen.

Nach bereits durchgeführten
Aktionen mit Grabkerzen und einem „toten Ober“ im Café Hummel lud Initiatorin Alexandra Psichos am Montag zu einer PK, an der die Schauspieler Nowak und Gerald Pichowetz sowie Gewerkschafter Berend Tusch und Psichos selbst teilnahmen. „In dieser einen Pressekonferenz wird Sinnvolleres gesagt als in den gefühlten 270 Pressekonferenzen der Regierung in den vergangenen zwölf Monaten. So viele Gastronomie- und auch Kulturbetriebe haben in Schutzmaßnahmen investiert und werden am Ende wieder nicht belohnt, weil es zum Beispiel dann anstatt eineinhalb Meter Abstand zwei sein müssen oder irgendwann vielleicht vier“, betont ein verärgerter und sich über die Maßnahmen wundernder Kabarettist.

„Es geht um Existenzen!"

Berend Tusch, Vorsitzender vida-Fachbereich Tourismus

Berend Tusch, Vorsitzender des Fachbereichs Tourismus der Gewerkschaft vida, unterstrich im Rahmen der Konferenz die angespannte Situation der Beschäftigten im Tourismus.

„Da geht es um Existenzen. Nicht nur die Unternehmen müssen mit Fixkostenzuschüssen unterstützt werden, sondern auch die Kolleginnen und Kollegen, die nicht mehr wissen, wie sie sich die Miete für ihre Wohnungen leisten können. Die Ersparnisse sind aufgebraucht“, sagt der vida-Gewerkschafter und wurde von Psichos unterstützt: „Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sitzen seit Monaten zu Hause und wissen nicht, wie es weitergeht“, so die „Legends“-Chefin, die nicht mit Kritik an Wirtschaftskammer und Regierung spart: „Welche Berechtigung haben unsere Vertreter in der WKÖ noch, wenn sie nicht für uns kämpfen.“ Ein Brief an Bundesministerin Köstinger vergangene Woche erfuhr bis heute keine Reaktion. „Sind die Anliegen von Hunderten Betrieben nicht wichtig genug“, fragt sie in Richtung Regierung und pocht auf ein umgehendes Aufsperren von zumindest der Gastgärten und in weiterer Folge – sollten es die Infektionszahlen zulassen, wovon sie ausgeht – eine komplette Öffnung. Sollte die Regierung weiterhin nicht reagieren, verspricht sie, dass ihre Unternehmer-KollegInnen und sie noch lauter werden.

Lehrlingen Zukunft zurückgeben

vida-Gewerkschafter Tusch betont, dass man in Anbetracht der Situation auch auf die Lehrlinge nicht vergessen darf: „Durch die Schließungen und Lockdowns ist für viele junge Menschen der Start ins Berufsleben mit unüberwindbaren Hürden verbunden. Die Regierung muss endlich Maßnahmen setzen, um den Lehrlingen oder angehenden Lehrlingen ihre Zukunft zurückzugeben.“

Braucht nachhaltige Maßnahmen und Rechtssicherheit

Unternehmer und Schauspieler Gerald Pichowetz skizzierte im Rahmen der Pressekonferenz die nach außen hin gutaussehenden Förderungen der Regierungen und Kreditstundungen: „Wer da genauer hinschaut, merkt aber gleich, dass sich das für viele nicht ausgeht. Auch dass Unternehmen hinsichtlich der Kurzarbeit mit bis zu drei Monaten in Vorauszahlungen gehen müssen, kann für viele Betriebe den Todesstoß bedeuten.“ Pichowetz betont, dass es nachhaltige Maßnahmen braucht. „Es war schon im Vorjahr so, dass die Gastro- und Kulturbetriebe wieder aufsperren durften und dann war wieder geschlossen. Man hat das Gefühl, die Regierung unterstützt zwar die Großen, vergisst aber auf die Kleinen. Ein Kaffeehaus oder gar ein Hotel kann nicht von heute auf morgen oder von einer auf die andere Woche aufsperren, sondern braucht Perspektiven, die die Regierung geben muss“, so der Schauspieler, der daran erinnert, dass die Förderungen ohnehin über unser aller Steuergeld finanziert werden: „Ich verstehe, dass jede Branche und jeder einzelne von uns seine eigenen Herausforderungen und Befindlichkeiten hat. Am Ende geht es aber um uns alle und um ganzheitliche Problemlösungen. Wir müssen wieder zu leben beginnen. Wenn jeder in eine andere Richtung schwimmt, werden wir das nicht schaffen.“

 

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Der Fachbereich Tourismus in der Gewerkschaft vida vertritt die Interessen der 200.000 Beschäftigten im Hotel- und Gastgewerbe und in der Systemgastronomie. Der Tourismus ist eine junge Branche, 40 Prozent der Beschäftigten sind jünger als 30 Jahre, nur knapp 11 Prozent über 50. Über 60 Prozent der ArbeitnehmerInnen im Hotel- und Gastgewerbe sind Frauen. Die Branche ist von hoher Fluktuation und Abwanderung gezeichnet. Ohne Pensionierungen verlässt im Tourismus fast die Hälfte der Beschäftigten die Branche nach zehn Jahren. Die Gründe dafür liegen in schlechten Verdienstmöglichkeiten, Schwierigkeiten bei der Vereinbarung von Beruf und Familie und wenig Zukunftsperspektiven. Das darf nicht so bleiben, daher setzen wir in der Gewerkschaft vida uns für bessere Rahmenbedingungen in der Branche ein.

Fachbereichsvorsitzender: Berend Tusch
Fachbereichssekretär: Andreas Gollner