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Gewerkschaft vida empört über Aussagen von WKÖ-Pulker

vida-Tusch: „Nicht die Beschäftigten für Arbeitslosenzahlen verantwortlich machen"

„Es grenzt an Verhöhnung, dass Mario Pulker die Arbeitsmarktsituation im Tourismus auf die Kolleginnen und Kollegen abwälzt, die in Kurzarbeit sind oder unverschuldet arbeitslos geworden sind. Der WKÖ-Gastronomieobmann sollte seine Ausführungen schleunigst richtigstellen“, sagt Berend Tusch, Vorsitzender des Fachbereichs Tourismus der Gewerkschaft vida. Pulker betonte am Montag im Gespräch mit der APA, dass Trinkgelder und Überstundenzahlungen ein wichtiger Bestandteil der Bezahlung seien und derzeit fehlen. Deswegen würden zahlreiche Beschäftigte der Branche den Rücken kehren. „Es stimmt sogar, dass das Trinkgeld ein wichtiger Bestandteil ist, aber es sind die Branchenvertreter gewesen, die den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern im Dezember nicht einmal den Trinkgeld-Hunderter zugestanden haben, von einer Lösung im Jänner erst gar nicht zu reden. Und jetzt sollen plötzlich die Beschäftigten schuld sein. Diese Aussagen sind eine Sauerei und unglaublich zynisch“, ist Tusch empört.++++

Die Arbeitgeber-Vertreter der Wirtschaftskammer hätten es vor Weihnachten selbst in der Hand gehabt, den Beschäftigten in Kurzarbeit eine Abgeltung für entgangenes Trinkgeld als Trinkgeldersatz für die Zeit des Lockdowns im Dezember zukommen zu lassen, so vida-Gewerkschafter Tusch. Da helfe auch die Erkenntnis Pulkers nichts, dass Trinkgelder ein wesentlicher Einkommens-Bestandteil für Beschäftigte im Tourismus sind: “Diese Erkenntnis ist leider zu wenig, wenn auf der anderen Seite WKÖ-Chef Harald Mahrer den unter den Sozialpartnern auf Präsidentenebene bereits vereinbarten Trinkgeldersatz einfach vergisst und die Frist der steuerfreien Auszahlung verstreichen lässt. Er kann sich offenbar im eigenen Haus nicht durchsetzen.“ Die Wirtschaftskammer mache nichts anderes, als sich wieder einmal mit einem Thema öffentlich zu inszenieren, es danach aber nicht umsetzt.

„Die WKÖ-Vertreter und allen voran Pulker bräuchten sich nur die aktuellen Arbeitsmarktzahlen anzuschauen und würden dann sehen, was der wahre Grund für die Arbeitslosigkeit ist“, so Tusch. Zu Beginn des zweiten Lockdowns hat sich die Branche noch einmal von fast 12.000 ArbeitnehmerInnen getrennt. Dazu kommen jene, die seit Anfang/Mitte Dezember in der Wintersaison arbeiten würden, wenn da nicht der Lockdown wäre. „Wir fragen uns, wo das höhere Arbeitslosengeld für jene Kolleginnen und Kollegen bleibt, die ebenso unverschuldet mit einem Bruchteil ihres Einkommens auskommen müssen, während die Hotellerie und Gastronomie andererseits Förderungen für leere Häuser bekommen."

Der Tourismus sei die am stärksten von der Krise betroffene Branche. Im Vergleich zu vor einem Jahr gibt es um 80 Prozent mehr Arbeitslose im Tourismus. Insgesamt sind mehr als 500.000 Personen arbeitslos. Dazu kommen 417.113 Personen, die in Kurzarbeit sind - ein wesentlicher Teil davon entfällt auf Tourismus-Beschäftigte. „Wann wird den Menschen wirklich geholfen“, fragt Berend Tusch vor allem in Richtung Bundeskanzler Kurz und schließt. „Der Kanzler hat mehrfach betont, dass niemand in der Krise zurückgelassen wird, koste es, was es wolle. Für Beschäftigte im Tourismus gilt das offenbar nicht. Es ist beschämend für ein Tourismus-Land wie Österreich, wie man arbeitende Menschen fallen lässt.“

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Über uns

Der Fachbereich Tourismus in der Gewerkschaft vida vertritt die Interessen der 200.000 Beschäftigten im Hotel- und Gastgewerbe und in der Systemgastronomie. Der Tourismus ist eine junge Branche, 40 Prozent der Beschäftigten sind jünger als 30 Jahre, nur knapp 11 Prozent über 50. Über 60 Prozent der ArbeitnehmerInnen im Hotel- und Gastgewerbe sind Frauen. Die Branche ist von hoher Fluktuation und Abwanderung gezeichnet. Ohne Pensionierungen verlässt im Tourismus fast die Hälfte der Beschäftigten die Branche nach zehn Jahren. Die Gründe dafür liegen in schlechten Verdienstmöglichkeiten, Schwierigkeiten bei der Vereinbarung von Beruf und Familie und wenig Zukunftsperspektiven. Das darf nicht so bleiben, daher setzen wir in der Gewerkschaft vida uns für bessere Rahmenbedingungen in der Branche ein.

Fachbereichsvorsitzender: Berend Tusch
Fachbereichssekretär: Andreas Gollner