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Gewerkschaft vida: Schärfere Zumutbarkeitsbestimmungen im Tourismus fern jeder Realität

vida-Tusch: „Von gerade einmal 1.200 Euro netto kann man keine Familie ernähren!“

„Wenn Mario Pulker feststellt, dass Arbeitssuchende im Tourismus einfach nicht mehr diesen großen Willen haben, sich wieder in den normalen Arbeitsalltag eingliedern zu wollen‘, dann könnte man meinen, er kennt die Arbeitsbedingungen in der Branche nicht. Pulker hat sich wieder einmal selbst überführt“, kommentiert Berend Tusch, Vorsitzender des Fachbereichs Tourismus der Gewerkschaft vida, die wiederholten Ausführungen des Spartensprechers der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) auf Nachfrage der Austria Presse Agentur am Sonntag. Von vida-Gewerkschafter Tusch kommt dementsprechend ein deutliches Nein zu schärferen Zumutbarkeitsbestimmungen für Arbeitslose in der Tourismusbranche.

Tusch weist diesbezüglich auf die Verantwortung der Betriebe gegenüber ihren MitarbeiterInnen hin. Man brauche nur einen Blick zurück auf den zweiten Lockdown zu werfen, wo die Arbeitslosigkeit von Oktober auf November um weitere 12.000 Personen gestiegen ist. „Wo ist hier die Loyalität der Arbeitgeber gegenüber den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern gewesen“, fragt Berend Tusch. Noch vor Wochen haben sich die Vertreter der Wirtschaftskammer darüber gefreut, dass die Wiedereinstellungszusagen verlängert werden, „jetzt müssen die Betriebe ihre Zusagen auch einhalten“, so der Gewerkschafter, der auf das Arbeitsmarktservice verweist, das seinen Auftrag, arbeitslose Personen in Beschäftigung zu bringen, auch wahrnimmt.

„Unsere Recherchen haben ergeben, dass sich beispielsweise in der Region um die Seethalerhütte im Bundesland Steiermark für Köche ein Netto-Lohn von gerade einmal 1.200 Euro ausgeht, abgesehen davon, dass es sich bei einem Großteil der offenen Stellen beim AMS um Saisonarbeit handelt“, sagt vida-Gewerkschafter Tusch und betont, dass sich Leistung lohnen muss. „Schwere Tag-, Nacht- und Wochenenddienste müssen sich auszahlen“, so Tusch. Drei-Zimmer-Wohnungen im benachbarten Salzburg würden bei der Bezahlung aber mehr als zwei Drittel des Lohnes ausmachen. „Die Vorstellungen der Wirtschaftskammer sind fern jeder Lebensrealität. Das passt aber zu ihr, denn die Vertreter der WKÖ haben keine Ahnung von den Sorgen und Nöten der hart arbeitenden Beschäftigten. Wer Vollzeit arbeitet, muss auch eine Familie ernähren können. Mit gerade einmal 1.200 Euro netto ist das aber unmöglich“, so der Gewerkschafter weiter.

„Es ist völlig klar, dass man unter solchen Arbeitsbedingungen keine oder nur sehr schwer Leute findet. Deswegen setzt die ÖVP-dominierte Wirtschaftskammer nun offenbar auf Zwangsarbeit. Es gilt, die Menschen davor zu schützen, denn Zwang wird nicht die Probleme des für Österreichs Wirtschaft so wichtigen Sektors lösen“, ist der Fachbereichsvorsitzende überzeugt und fordert, dass Unternehmen, die nur Mindestlöhne bezahlen, vom AMS gesperrt werden. Es werde nicht reichen, auf Bewährtes zu setzen, denn das Bewährte habe lange vor der Krise zur schwierigen Personalsituation geführt, die die WKÖ moniert. „In der Privatwirtschaft gilt das Prinzip von Angebot und Nachfrage“, so Tusch und schließt: „Leidet die Tourismusbranche unter einem Nachfrageproblem, muss sie endlich bereit sein, das Angebot zu erhöhen!“

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