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Mit Schulausbildung zum Pflegeass

vida-Forderung umgesetzt. Klares NEIN zur Pflegelehre!

„Neun Schulversuche zur Pflegeausbildung mit zunächst rund 300 Schülern starten im Herbst. Sechs Höhere Lehranstalten für Sozialbetreuung und Pflege sind als fünfjährige berufsbildende höhere Schulen (BHS) mit Matura konzipiert. Dazu kommen laut Bildungsministerium drei Fachschulen für Sozialberufe, an denen Lehrinhalte einer weiterführenden Pflegeausbildung vorgezogen werden können.“

So begann letzten Freitag, den 10. Juli, eine APA-Meldung. Damit kam die Bundesregierung der Forderung der Gewerkschaft vida nach. „Allerdings will man neben der schulischen Ausbildung weiterhin die Pflegelehre und das hat aus unserer Sicht überhaupt keinen Sinn“, kritisiert Gerald Mjka, Vorsitzender des Fachbereichs Gesundheit in der Gewerkschaft vida.

Arbeitsbedingungen verbessern

Die Pflegelehre soll ein 3-jähriger Lehrberuf auf Basis der Pflegefachassistentin/des Pflegefachassistenten sein. „Diese 3-jährige Lehrausbildung passt aber nicht in die Systematik der bisherigen Pflegeausbildungen, nämlich 1-jährig zum Pflegeassistenten und 2-jährig zur Pflegefachassistentin beziehungsweise zum 3-jährigen Studium“, unterstreicht Roman Brunner, Bundesjugendsekretär in der vida, der auf Erfahrungen in der Schweiz verweist, wo es bereits so etwas wie eine Pflegelehre gibt. Nur 26 Prozent jener, die diese Art Lehre dort absolvieren, arbeiten nach Beendigung ihrer Ausbildung noch in ihrem Beruf, 20 Prozent haben das Gesundheits- und Pflegewesen bereits verlassen. „Das Problem sind nicht die mangelnden Möglichkeiten, den Pflegeberuf zu erlernen, sondern die verbesserungswürdigen Arbeitsbedingungen", so vida-Gewerkschafter Gerald Mjka.

Jugendliche nicht überfordern

Außerdem liegt ein moralisch-rechtliches Problem vor, und das könnte nicht unter den Tisch gekehrt werden. „Wir wollen keine 15-Jährigen am Pflegebett. Nach derzeitiger Rechtslage ist dies auch erst ab 17 möglich. Wir akzeptieren keine Aufweichung der bestehenden Regelungen“, so Sylvia Gassner, Vorsitzende des vida-Fachbereichs Soziale Dienste, die betont, dass die Pflege von Akut-Patienten, Demenzkranken und Palliativ-Patienten eine zu große psychische und physische Belastung für Jugendliche ist. Sogar für Erwachsene stellt sie eine große Herausforderung dar. „Wenn junge Menschen die Begleitung von Palliativ-Patienten übernehmen müssen oder bei der Versorgung von Akut-Patienten eingesetzt werden, dann ist das unverantwortlich gegenüber der Jugend. Es birgt die Gefahr, sehr rasch in ein Burn-out zu fallen oder wieder aus dem Beruf auszusteigen. So etwas darf man nicht zulassen.“
 

Hintergrund: Das Konzept der Pflegelehre soll helfen, den Personalmangel – bis 2030 benötigt allein die Langzeitpflege in Österreich rund 75.000 zusätzliche Pflegestellen – abzufedern. Schon ab 2024 wird der zusätzliche Bedarf nicht mehr durch die prognostizierten jährlichen Absolventenzahlen zu decken sein. „Es ist ganz klar, dass wir zusätzliche qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter brauchen, aber die Lehre ist nicht der richtige Vorschlag“, ist Gerald Mjka überzeugt.

Schule statt Pflegelehre

Das richtige Konzept sei einzig und allein die schulische Ausbildung zur Pflegeassistentin/zum Pflegeassistent in einer mittleren berufsbildenden Schule und zur Pflegefachassistentin/zum Pflegefachassistenten in einer höheren berufsbildenden Schule. „Setzt man auf die Schule, erspart man sich das aus unserer Sicht eigenartige Konstrukt einer Pflegelehre, da man ja per Gesetz ohnehin erst ab 17 Jahren am Krankenbett arbeiten darf. Diese gesetzliche Regelung gibt es nicht ohne Grund“, sagt vida-Jugendgewerkschafter Brunner. „Die Umsetzung der Pflegelehre dauert außerdem zu lange, um Jugendliche vor Arbeitslosigkeit zu schützen.“

Pflegeberuf attraktiver machen

Soll künftiger Personalmangel wirklich verhindert werden, müssen generell Rahmenbedingungen verändert werden, beispielsweise braucht es eine einheitliche Personalbedarfsberechnungsmethode, die Wiedereinführung des Vorbereitungsjahres für die reguläre Ausbildung in einem Pflegeberuf und die Erhöhung der finanziellen Anreize für die Ausbildung zu Pflegeassistenzberufen sowie die Anhebung von Ausbildungs- und Praktikumsgelder für SchülerInnen der Gesundheits- und Krankenpflegeschulen. Außerdem müssen Studiengebühren für Fachhochschulen in den Gesundheitsberufen abgeschafft werden und es braucht einen Ausbau des Fachkräftestipendiums, das Selbsterhalterstipendium über das 35. Lebensjahr hinaus und mehr Mittel für aktive Arbeitsmarktpolitik. „Also optimale Zugangsbedingungen für Wieder- und QuereinsteigerInnen“, so vida-Gewerkschafterin Gassner.

Offensive Gesundheit

All diese Forderungen vereint die Kampagne „Offensive Gesundheit“, deren Vertreterinnen und Vertreter vor zwei Wochen vor dem Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz mit einem eindringlichen Videoappell an Gesundheitsminister Rudi Anschober aufwarteten, kurz darauf wurden bereits erste Gespräche vereinbart. Vergangene Woche einigten sich die Initiative und Anschober auf einen gemeinsamen Prozess, den Strukturdialog „Roadmap Gesundheit 2020“, um ein zukunftssicheres System für Gesundheit und Langzeitpflege in Österreich zu schaffen.

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Über uns

Der Fachbereich Gesundheit in der Gewerkschaft vida vertritt eine Vielzahl unterschiedlicher Berufsgruppen, die ein gemeinsames Betätigungsfeld vereint – nämlich das Wohlergehen von Menschen in außergewöhnlichen Lebenssituationen. Hier finden sich sämtliche MitarbeiterInnen von Privatkrankenanstalten und Konfessionellen Einrichtungen Österreichs – von der hochdotierten Primaria bis zur Reinigungskraft. Wir vertreten auch die Beschäftigten der Sozialversicherung. Die MitarbeiterInnen der Bäder und Kuranstalten gehören zu dem vida-Fachbereich sowie ArbeiterInnen in Sauna-, Solarien- und Bäderbetrieben, HeilmasseurInnen und die medizinischen MasseurInnen in selbständigen Ambulatorien für physikalische Behandlungen, sofern es sich nicht um Angestellte oder Beschäftigte in Arztpraxen und Spitälern handelt. Dabei engagieren wir uns für faire Arbeitsbedingungen und gerechte Löhne. Sie sind unabdingbare Voraussetzungen für ein Mehr an Lebensqualität.

Fachbereichsvorsitzender: Gerald Mjka
Fachbereichssekretärin: Farije Selimi