Salzburg

Krankenhaus St. Josef Braunau: Kartonkollegen machen auf Personalmangel aufmerksam

Utl.: 300 Pappfiguren werden stellvertretend für fehlende KollegInnen aufgestellt.

Mit einer ungewöhnlichen Aktion macht der Betriebsrat des Krankenhaus St. Josef in Braunau auf den chronischen Personalmangel aufmerksam. 300 Pappfiguren werden morgen Freitag, 15. November 2019, ab 13 Uhr vor dem Krankenhaus aufgestellt - stellvertretend für die fehlenden KollegInnen. ÄrztInnen, Pflegepersonal, Hebammen, Reinigungskräfte usw.: Es gibt kaum eine Berufsgruppe, für die das Krankenhaus St. Josef in Braunau derzeit kein Personal sucht.

Die Aktion ist auch Teil der von der Gewerkschaft vida und Arbeiterkammer ins Leben gerufenen Initiative „Mehr von uns. Besser für alle.“. Eine der Hauptforderungen der Initiative: 20 Prozent mehr Personal in Österreichs Krankenhäusern. „Krankenhäuser sind keine Fabriken und Menschen keine Autos, an denen man im Akkord herumschraubt! Heilung braucht Zeit und Zuwendung. Wir möchten PatientInnen und Angehörigen mehr davon geben können“, sagt Gerald Mjka, Vorsitzender des Fachbereichs Gesundheit in der Gewerkschaft vida. Er kündigt an, dass die Pappfiguren-Aktion nicht einmalig bleiben, sondern in den kommenden Wochen in ganz Österreich stattfinden wird.

Zu wenig Nachwuchs

Markus Simböck, Betriebsratsvorsitzender im Krankenhaus Braunau, weist zudem darauf hin, dass in Österreich viel zu wenig Pflegekräfte ausgebildet werden. Liegt der OECD-Schnitt bei 43,6 Abschlüssen pro 100.000 EinwohnerInnen, so sind es in Österreich lediglich 34,5. Im Bezirk Braunau – einer Region mit knapp 100.000 EinwohnerInnen – haben im vergangenen Jahr gar nur 19 Menschen eine Pflegeausbildung abgeschlossen. „Anhand dieser Zahlen wird deutlich, dass sowohl die Ausbildung als auch der Beruf an sich attraktiviert werden müssen. Viele KollegInnen gehen permanent an ihre psychischen und physischen Grenzen. Wer strebt schon so ein Berufsleben an?“, so Simböck.  

Die MitarbeiterInnen sind das Rückgrat des Spitalsbetriebs. Ihre Arbeit trägt entscheidend zur Genesung der PatientInnen bei. Und diese Arbeit wird immer anspruchsvoller. Viele KollegInnen sind an ihren psychischen und physischen Grenzen. „Wir brauchen endlich mehr Personal in den Gesundheits- und Pflegeberufen, denn nur mehr Personal bringt mehr an Zeit für die Beschäftigten und somit mehr Qualität in der Betreuung“, betont Mjka.

Die verantwortlichen Entscheidungsträger müssen handeln. Die Offensive „Mehr von uns. Besser für alle.“ hat klare Forderungen:

  • 20 Prozent mehr Personal in den Krankenhäusern
    Eine rasche Aufstockung als Akutmaßnahme, um drohende Engpässe zu verhindern.
  • Bundesweit einheitliche, verbindliche Berechnungsmethode für eine bedarfsgerechte Zahl der PflegerInnen
    Seit vielen Jahren drücken sich die verantwortlichen Entscheidungsträger davor, bundesweit einheitliche Standards für die Personalplanung in der Pflege festzulegen. Um bestmögliche Versorgung der PatientInnen sicherzustellen, müssen die Mindestanzahl und die Qualifikation der MitarbeiterInnen zwingend vorgeschrieben werden.
  • Offensive in der Aus- und Weiterbildung
    Wir fordern einen einfacheren sowie kostenlosen Zugang zu den Hochschulausbildungen in Gesundheitsberufen. Zudem brauchen wir auch berufsbildende mittlere und höhere Schulen für Pflege.
    Menschen, die in Gesundheitsberufen arbeiten wollen, müssen die besten Voraussetzungen geboten bekommen. Damit der Pflegeberuf auch für junge Menschen wieder attraktiv wird.

Sämtliche Infos und Downloads zur Offensive auf www.vida.at/mehrvonuns

 

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