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Klinik der Solidarität: Mit dem Transporter nach Thessaloniki

Zwei Betriebsräte über ihre Reise ins krisengeschüttelte Griechenland.

Irgendwo in Griechenland, jede Menge weißer Sand. Die steirische Band STS besingt in „Irgendwann bleib i dann dort“ den Traum, einmal im Land der Götter zu bleiben. Griechenland fernab der Touristenstrände kennengelernt, das haben die Betriebsräte Markus Simböck, dipl. Gesundheits- und Krankenpfleger im Ordensspital St. Josef, und Jürgen Michlmayr, gelernter Produktionstechniker. Sie haben im Rahmen der Sozialakademie, einem Lehrgang von ÖGB und Arbeiterkammer, das Land, das zum Symbol für die wirtschaftliche und soziale Krise in Europa geworden ist, besucht. Ihre Erlebnisse haben die Betriebsräte nicht nur in einem Blog zusammengefasst, sondern auch im vida-Magazin erzählt.

Licht und Schatten

Griechenland – ein Land mit viel Sonne. Griechenland – ein Land mit viel Schatten. Über zwei Millionen Menschen leben in Armut. Mindestlohn und Arbeitslosengeld wurden  gekürzt, Kollektivverträge ausgehöhlt, das Pensionssystem massiv beschnitten. Viele öffentliche Krankenhäuser und Gesundheitszentren sind geschlossen. Fast die Hälfte der  Bevölkerung hat keinen Zugang zu medizinischer Versorgung. Die gute Nachricht: in der ArbeiterInnenbewegung entstehen zahlreiche Selbsthilfeprojekte, wie beispielweise die „Klinik der Solidarität“ im nordgriechischen Thessaloniki.

My Big Greek Help

An die hundert PatientInnen nehmen Tag für Tag die Leistungen der Solidaritäts-Ambulanz in Anspruch. Geführt wird sie von ÄrztInnen, KrankenpflegerInnen und TherapeutInnen, ehrenamtlich, der ÖGB unterstützt das Hilfsprojekt. Hilfe dort, wo sie am meisten benötigt wird, so lautet auch das Motto der beiden Betriebsräte: „Als wir von der dramatischen, durch brutales Kaputtsparen herbeigeführten Situation in Griechenland gehört haben, war für uns klar: unsere Solidarität ist gefragt.“ Markus und Jürgen organisierten eine Spendenaktion,  die sich sehen lassen kann: 4.000 kg Babynahrung und medizinische Güter – vom Verbandsmaterial bis zum Ultraschallgerät – im Wert von 40.000 Euro kamen zusammen.

Wien - Hellas -Wien

Mit einem voll beladenen Transporter fuhren die zwei Richtung Thessaloniki – Carabinieri-Kontrollen und Mittelmeerquerung inklusive. Spätestens als Markus und Jürgen in der Klinik angekommen waren, wussten sie, dass sich ihre Bemühungen gelohnt haben: „Die Freude in den Gesichtern der Menschen sprach Bände“. Die Betriebsräte haben einige Tage in der Klinik verbracht und „ein kleines Stück weit“ mitgeholfen. Unvergesslich bleiben Erinnerungen, wie der Anblick einer jungen Mutter, „wie sie mit ihrem Baby und einer Packung Babynahrung die Klinik verlässt“. Wohin es die zwei auf ihrer Reise noch verschlagen hat, dass lesen Sie in ihrem Blog (siehe Link-Tipp).

Kein Fremdwort

Zurück in Österreich hat der „normale Klinikalltag“ für Markus als Betriebsrat wieder begonnen. Was er seinen KollegInnen zum Nachdenken mitgebracht hat? „Wie schnell es abwärts gehen kann, wenn soziale Politik immer mehr in den Hintergrund gedrängt wird, wenn Gewerkschaften ein Minderheitenprogramm werden und Solidarität ein Fremdwort ist.“

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