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Ein neues Zeitalter bricht an

GewerkschafterInnen bei Testung der Digitalen Automatischen Mittelpufferkupplung in Görlitz.

Die Europäische Transportarbeiter-Föderation (ETF) entsendete eine Delegation von PraktikerInnen – VerschieberInnen, LokführerInnen und Wagenmeister - auf ein Testgelände in Görlitz, Deutschland. Hier werden aktuell 4 Prototypen von Digitalen Automatischen Kupplungen (DAK) für den Schienengüterverkehr getestet, von denen ein Kupplungstyp für die flächendeckende Einführung der DAK in Europa ausgewählt werden soll. Das Ziel der Delegation der ETF: die Prototypen manuell zu testen und damit Erfahrungen und Bewertungen durch die PraktikerInnen für die weitere Arbeit zum Thema einzuholen.

An der Manipulation der Kupplungen nahmen KollegInnen der Gewerkschaften vida (Österreich), EVG (Deutschland) und SEV (Schweiz) teil.

Europäische Pläne zur Einführung der Digitalen Automatischen Kupplung (DAK)

Die Umrüstung der rund 400.000 - 450.000 Waggons soll bis 2030 europaweit erfolgen. Die Europäische Kommission erteilte dafür den Forschungsauftrag und Finanzierung an das Programm Shift2Rail. Das von Shift2Rail ermöglichte European DAC Delivery Programme (EDDP) bietet eine einzigartige europäische Plattform für eine solche Zusammenarbeit und Kooperation. Initiativen wie DAC4EU, an dem auch die RCG, SBB Cargo, DB Cargo beteiligt sind, werden im EDDP vereint. Auch die Europäische Eisenbahnagentur (ERA) hat Arbeiten dazu aufgenommen und befasst sich mit Schnittstellen der DAK zu den bestehenden technischen Spezifikationen. Noch in diesem Jahr soll die Entscheidung zu den technischen Fragen fallen. Ob aber das ambitionierte Ziel der Einführung 2030 gelingt, hängt noch von der Klärung und Machbarkeit der Migrationsstrategie und der Finanzierung ab.

Forderungen der Gewerkschaften

Die Gewerkschaften unterstützen die Einführung der europaweiten DAK zur Stärkung des Schienengüterverkehrs, haben jedoch zwei zentrale Forderungen:

  1. Sicherstellung von Begleitmaßnahmen von durch die Umstellung betroffenen Eisenbahn-Beschäftigten in den Unternehmen.
    Dazu zählen unter anderem Investitionen in Qualifizierung und Weiterbildung für jene Beschäftigte, die sich für einen anderen Bereich umschulen lassen möchten, und das Recht zur Aufrechterhaltung eines zumindest adäquaten Arbeitsplatzes im Unternehmen. Der gesamte Sektor muss verpflichtet sein, Maßnahmen zu setzen.
     
  2. Beachtung des ArbeitnehmerInnenschutzes ist essenziell, grundsätzlich, im Mischbetrieb mit herkömmlichen Kupplungen als auch bei außergewöhnlichen Ereignissen (Notfall, mechanische Störungen, usw.). 
    Gerade weil die händische Bedienung oder Eingriff an der DAK nicht mehr die Regel sein wird, muss trotzdem der ArbeitnehmerInnenschutz sichergestellt werden. Bei aller Euphorie zu den technischen Möglichkeiten bleibt das hohe Risiko an der Schnittstelle zum Menschen bestehen. Daher
    müssen Folgenabschätzungen verpflichtend bei der Entwicklung und Einführung gemacht und mitberücksichtigt werden.

 

Die Manipulation durch die PraktikerInnen am Testgelände in Görlitz ist Teil der Umsetzung dieser 2. Forderung von uns, die dankenswerterweise von Shift2Rail durch die Unterstützung der EDDP Programmleitung (Mark Topal, CTO der ÖBB, und Jens Engelmann, Gründer von railiable) aufgegriffen wurde.

Teil der Delegation in Görlitz war Marco Hörtenhuber-Stuhl, Vertreter der vida und Mitglied in der Arbeitsgruppen der ETF. Er zeigt sich erfreut, dass in der technischen Entwicklung der einzelnen Kupplungsvarianten bereits eine hohe Funktionalität erreicht werden konnte. Aus heutiger Sicht waren die Rahmenbedingungen nie so gut wie aktuell, die Umsetzung der digitalen automatischen Mittelpufferkupplung auf breiter europäischer Ebene tatsächlich stemmen zu können. Allerdings bedarf es noch großer Anstrengung aller Beteiligten, die Beachtung finden müssen, nicht zuletzt auch der Umsetzung der Forderungen der Gewerkschaften, um die Kupplung zu einem sicheren Arbeitsmittel der Zukunft zu machen.

Herzlichen Dank an Shift2Rail, ÖBB, DAC4EU und an die Deutsche Bahn, dass dieser Austausch möglich geworden ist!
 

Für Rückfragen und mehr Details steht auch das >>Internationale Referat der Gewerkschaft vida zur Verfügung.

 

Weitere Infos: 

European DAC Delivery Programme

Das von Shift2Rail ermöglichte European DAC Delivery Programme (EDDP) ist eine einzigartige Plattform, die sich der erfolgreichen Implementierung der Digital Automatischen Kupplung (DAK) widmet, um den Schienengüterverkehr in Europa zu revolutionieren. Das Projekt basiert auf einem offenen Kooperationskonzept und vereint ein breites Spektrum von Einrichtungen aus Eisenbahnverkehrsunternehmen, Infrastrukturbetreibern und Wagenhaltern sowie der Eisenbahn-Zulieferindustrie, für die Instandhaltung zuständigen Stellen, betroffenen Branchenorganisationen, Eisenbahnforschungseinrichtungen sowie nationalen und europäischen politische Institutionen. Ziel ist die Bereitstellung einer europäischen DAK-Lösung durch ein integriertes gemeinsames Programm, das auf R&I-Ergebnissen und Pilotprojekten aufbaut und die notwendigen Maßnahmen für eine schnelle, technisch und wirtschaftlich durchführbare europaweite Einführung sicherstellt.

Shift2Rail Joint Undertaking

Das Shift2Rail Joint Undertaking (S2R JU) trägt zu intelligentem und nachhaltigem Wachstum bei, indem es innovative Lösungen entwickelt, um Eisenbahnsysteme der Zukunft für Personen- und Güterverkehr zu schaffen. Das im Rahmen des Horizon 2020 Programm der Europäischen Union finanzierte Shift2Rail JU, geht auf die sich wandelnden Bedürfnisse der EU-Bürger ein, zielt auf die Lebenszykluskosten und die Effizienz von Bahnsystemen ab und entwickelt die notwendigen Technologien, um den einheitlichen europäischen Eisenbahnraum zu verwirklichen und so zu einer klimaneutralen Europäischen Gesellschaft beizutragen. Das S2R R&I Programm konzentriert sich auf Demonstrationsaktivitäten und die Verbreitung relevanter Ergebnisse für Markteinführung, um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Eisenbahnindustrie zu fördern und gleichzeitig einen Multiplikatoreffekt der EU-Mittel zu erzielen.

Das europäische Konsortium DAC4EU

Das Konsortium DAC4EU, bestehend aus dem Konsortiumsleader DB AG, den Güterbahnen ÖBB Rail Cargo Group, DB Cargo und SBB Cargo sowie den Wagenhaltern Ermewa, GATX Rail Europe und VTG testet im Auftrag des deutschen Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) mehrere Prototypen Digitaler Automatischer Kupplungen verschiedener Hersteller. Die Testergebnisse des Konsortiums sollen mit einfließen in die durch das EDDP zu treffende Auswahlentscheidung für einen einheitlichen Kupplungstyp in Europa. Mit Juni 2020 hat das Konsortium seine Arbeit aufgenommen. Das deutsche BMVI finanziert das Projekt in der Projektlaufzeit von zweieinhalb Jahren mit rund 13 Millionen Euro. Bis 2030 sollen Züge in ganz Europa mit der neuen Technologie ausgestattet sein und dazu beitragen, dass der Schienengüterverkehr eine wesentliche Rolle im europäischen Mobilitätssystem der Zukunft spielt. Weitere Informationen auf www.dac4.eu.

 

 

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