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vida fordert bessere Bedingungen für Nachwuchs

Ohne Reformen fehlen Gesundheits- und Sozialbereich demnächst 75.000 Fachkräfte.
„Bis zum Jahr 2030 brauchen Gesundheits-, Pflege- und Sozialberufe rund 75.000 zusätzliche Fachkräfte. Unter den aktuellen Bedingungen ist das nicht machbar!“, warnt Sarah Kroboth, Referentin für Auszubildende in der Hauptgruppe II der younion_ Die Daseinsgewerkschaft. Die Gewerkschaftsjugend der younion, GÖD, vida und GPA haben sich zusammengeschlossen und einen Brief an den Gesundheitsminister und die Landeshauptleute gesendet. Die Kernbotschaft: Auszubildende brauchen bessere Bedingungen und vor allem bessere Entlohnung.
 
„Niemand soll sagen können, wir hätten nicht rechtzeitig Alarm geschlagen“, erklärt Verena Strobl, Jugendsekretärin der GÖD. Derzeit sind die Anreize für eine Ausbildung nicht sehr verlockend. Strobl: „Mehr als die Hälfte ihrer Ausbildungszeit müssen junge Menschen im Gesundheits- und Pflegebereich mit praktischer Arbeit verbringen, nebenbei noch für Prüfungen lernen. Aber, und das ist der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt: Sie bekommen keine finanzielle Entschädigung dafür.“
 
"Der Kampf um eine faire Bezahlung und bessere Rahmenbedingungen für Auszubildende ist seit jeher eine der Kernaufgaben der Gewerkschaftsjugend."

Roman Brunner, vida-Jugendsekretär
 
Dabei mangelt es oft nicht an gutem Willen. Sehr wohl aber an der notwendigen Unterstützung durch die hohe Politik. Roman Brunner, Jugendsekretär der vida: „Einige Träger bemühen sich bereits seit Jahren um eine Verbesserung der Rahmenbedingungen und der Bezahlung, aber ohne die notwendige finanzielle Unterstützung durch die Bundesregierung stehen sie auf verlorenem Posten.“ Der Kampf um eine faire Bezahlung und bessere Rahmenbedingungen für Auszubildende ist seit jeher eine der Kernaufgaben der Gewerkschaftsjugend. Grundforderung ist ein Ausbildungsfond, in welchen Länder, Bund und private-kommerzielle Träger einzahlen sollen, um Auszubildende zu entlohnen.
 
Pflegekräftemangel vorprogammiert
 
„Es braucht viele Maßnahmen, um den Pflegekräftemangel zu bekämpfen. Eine Reform der Ausbildung wäre ein guter Anfang“, sagt Susanne Hofer, Vorsitzende der GPA-Jugend: „Wir fordern einen Ausbildungsfonds, aus dem junge Menschen in der Pflegeausbildung bezahlt werden. Ein Einstieg in den Pflegeberuf darf nicht daran scheitern, dass man ihn sich nicht leisten kann. In anderen Berufen ist die Ausbildung bezahlt, das muss auch für die Pflegeausbildung möglich sein.“
 
Investitionen in Gesundheitssystem - JETZT!
 
„Gerade in der aktuellen Krise wird ersichtlich, wie schnell unser Gesundheitssystem erschöpft sein kann. In den nächsten Jahren wird sich das wohl nicht ändern, wenn jetzt nichts getan wird. Wir müssen in die Auszubildenden investieren um unser ausgezeichnetes österreichisches Gesundheitssystem weiter aufrechtzuerhalten!“, sind sich die GewerkschafterInnen einig.
 
 
Anbei der offene Brief im Wortlaut:
 
Finanzielle Entschädigung für Auszubildende in den Gesundheits-, Pflege- und Sozialberufen
 
Sehr geehrter Herr Gesundheitsminister Dr. Wolfgang Mückstein!
 
Die Corona-Krise hat uns bewiesen, wie wichtig Leistungen für und am Menschen sind, egal ob im Bereich Gesundheit, Pflege oder sozialer Arbeit. Auch in der Pandemie zeigt sich deutlich, dass der Bedarf an qualitativ hochwertig ausgebildetem Personal steigt. Aufgrund der uns bevorstehenden Pensionswelle in den nächsten Jahren wird der Personalbedarf - auch nach der Pandemie - eklatant steigen. Auch der demographische Wandel stellt neben der akuten Gesundheitskrise eine weitere Herausforderung dar. Wenn wir auch in Zukunft eine ausgezeichnete Gesundheitsversorgung in Österreich sicherstellen wollen, führt kein Weg an einer attraktiveren Gestaltung der Ausbildungen in Form von erstklassigen und standardisierten Rahmenbedingungen und einer verpflichtenden Aufwandsentschädigung vorbei.
 
Wir fordern Sie als Entscheidungsträger auf umgehend mit den Gewerkschaften in Verhandlung zu treten, damit sich die Situation für Schüler, Schülerinnen und Studierende der Gesundheits-, Pflege- und Sozialberufe schnellstmöglich verbessert. Einer unserer Vorschläge bezüglich der finanziellen Absicherung wäre ein österreichweiter Ausbildungsfond, in welchen die öffentlichen Körperschaften (Länder und Bund) bzw. auch die privat-kommerziellen Betriebe in diesem Bereich, einzahlen. Aus diesem könnten Auszubildende in den Gesundheits-, Pflege- und Sozialberufen während ihrer Ausbildung/ihres Studiums entlohnt werden. Die verschiedenen Träger - aber auch der Bund bzw. die Länder - können so einen wertvollen Beitrag dazu leisten, dem aktuellen verheerenden sowie künftigen Personalmangel entgegenzusteuern. Uns ist bewusst, dass sich dieses Vorhaben nicht mit einem Fingerschnipsen umsetzen lässt, aber es ist eine Minute vor zwölf um das österreichische Gesundheitswesen am Leben zu erhalten.
 
Bis 2030 benötigt Österreich, für eine weiterhin ausgezeichnete Gesundheitsversorgung, rund 75.000 zusätzliche Fachkräfte in den Gesundheits-, Pflege- und Sozialberufen1 - ein Ziel, welches zum aktuellen Zeitpunkt, unter diesen Voraussetzungen, unter keinen Umständen erreicht werden kann und aufgrund der aktuellen Mehrbelastung wohl eher das Gegenteil bewirken wird. Auch in den verschiedenen Ausbildungszweigen für Gesundheits-, Pflege- und Sozialberufe sind die aktuellen Rahmenbedingungen alles andere als auf die Bedürfnisse der Auszubildenden abgestimmt. Oft werden diese nicht oder nur gering entschädigt – zum Beispiel haben Studierende der Gesundheits- und Krankenpflege einzig im Wiener Gesundheitsverbund die Möglichkeit ab dem 2. Semester eine zusätzliche Aufwandsentschädigung zu beantragen – ein erster Schritt in die richtige Richtung. Doch in
anderen Bundesländern - beziehungsweise bei anderen Trägern - ist das leider nicht so! Wenn Ausnahmesituationen eintreffen, wie zum Beispiel die aktuelle Pandemie, stehen viele Auszubildende von heute auf morgen vor unüberwindbaren existenziellen Herausforderungen. Die Nebenjobs fallen zumeist weg, Förderungen und Beihilfen sind an bestimmte Voraussetzungen gebunden und somit sind viele Auszubildende gezwungen ihre Ausbildung abzubrechen. Aus gewerkschaftlicher und gesundheitspolitischer Sicht eine absolute Katastrophe! Aufgrund der oben genannten Fakten bitten wir Sie daher nochmals mit aller Deutlichkeit um rasches Handeln und schnellstmögliches Aufnehmen der Verhandlungen mit den Gewerkschaften. Diese wichtigen Ausbildungen müssen attraktiver gestaltet werden, damit sich mehr Menschen dazu entscheiden können, diese Berufe zu erlernen – der Faktor „Geld“ darf hier keine unüberwindbare Hürde darstellen.
 
Wir freuen uns auf eine positive Rückmeldung Ihrerseits.
 
Verena Strobl, MA
GÖD-Jugendsekretärin
 
Sarah Kroboth
younion _ Die Daseinsgewerkschaft – Hauptgruppe II
Referentin für Auszubildende
 
Susanne Hofer
Vorsitzende Gewerkschaft GPA Jugend
 
Roman Brunner
vida-Jugendsekretär
 
 
 
Ergeht an:
Bundesminister für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz
Landeshauptleute
 

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