vida

Achtung, FahrradbotInnen!

Umfrage zeigt Handlungsbedarf. vida im Einsatz für Beschäftigte.

Männlich, eher jung, nicht in einer Ausbildung. Das ist das Durchschnittsprofil eines Fahrradboten in Österreich. Wie schaut es aber mit den Arbeitsbedingungen und der Zufriedenheit im Job aus? Die erste wissenschaftliche Studie dazu liegt jetzt vor – durchgeführt vom Europäischen Zentrum für Wohlfahrtspolitik und Sozialforschung und unterstützt von ÖGB, der Gewerkschaft vida sowie der Arbeiterkammer Wien. Für die Studie wurden 300 Zustellerinnen und Zusteller befragt.

Wie geht’s den FahrradbotInnen?  

Die Umfrage zeigt: Die befragten BotInnen sind mit den Arbeitsbedingungen mehrheitlich zufrieden. Bei der Bezahlung ist aber noch deutlich Luft nach oben. „Wir wissen also genau, was zu tun ist“, kommentiert Karl Delfs, Bundessekretär des Fachbereichs Straße in der Gewerkschaft vida, die in einer Pressekonferenz Ende Juli präsentierte Studie. Brisante Details: Viele Beschäftigte sehen sich mit gefährlichen Verkehrssituationen, erniedrigendem Verhalten, Beleidigungen, Drohungen oder unerwünschten sexuellen Annäherungsversuchen konfrontiert.

Übergriffe keine Seltenheit

Unter weiblichen Ridern ist der Anteil derer, die mit Beleidigungen (58 Prozent) und ungewollten Annäherungsversuchen (35 Prozent) konfrontiert waren, besonders hoch, heißt es in der Studie. Die Ergebnisse zeigen, dass es sich bei Übergriffen, insbesondere auf Fahrerinnen, nicht um Einzelfälle, sondern um ein weit verbreitetes Problem handelt. Das könnte auch eine Erklärung sein, warum der Anteil an weiblichen Zustellern mit 15,5 Prozent ausgesprochen niedrig sei, so die Studienautoren.

Von Kollektivvertrag bis Betriebsrat

Die Umfrage legt außerdem dar, dass viele Fahrer und Fahrerinnen nicht über ihre Arbeitsrechte Bescheid wissen. Nur die Hälfte der Befragten weiß, dass es einen Kollektivvertrag für Fahrradboten gibt. „Aktuell liegt der Einstiegslohn im Kollektivvertrag für FahrradbotInnen bei 1.600 Euro brutto. Wer das eigene Fahrrad und Handy verwendet, kommt im Monat mit Zulagen auf rund 2.000 Euro brutto“, erklärt vida-Gewerkschafter Karl Delfs. Weiteres überraschendes Ergebnis der Befragung: Mehr als die Hälfte der Rider bei Mjam und Lieferando wissen nicht über die Existenz der Betriebsräte in diesen Unternehmen Bescheid.

Gewerkschaft mehr als gefragt

Besonders erfreulich: Ein Fünftel der Befragten ist Gewerkschaftsmitglied. Rund 43 Prozent zeigen sich bereit, in naher Zukunft einer Gewerkschaft beizutreten. 60 Prozent der Befragten sind freie Dienstnehmer, rund 33 Prozent Angestellte. Über 60 Prozent arbeiten durchschnittlich mehr als 16 Wochenstunden und sind auf das Einkommen aus dieser Arbeit angewiesen, um ihre Rechnungen zu bezahlen. Etwa ein Viertel unterstützt mit ihrem Einkommen außerdem andere Familienangehörige.

„Es freut uns wirklich sehr, dass die Kolleginnen und Kollegen der Gewerkschaft zugetan sind. Wir wissen, dass die Beschäftigten uns brauchen. Aber natürlich brauchen auch wir die Beschäftigten, um gegen die Machenschaften von großen Unternehmen noch stärker vorgehen zu können. Der Scheinselbstständigkeit ist der Kampf anzusagen. Die KollegInnen werden ansonsten hinsichtlich sozialer Absicherung weiter völlig im Regen stehen gelassen, werden heute gekündigt und morgen wieder eingestellt.“

Karl Delfs, Bundessekretär vida-Fachbereich Straße

 

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