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WKÖ sucht Schuld bei Beschäftigten

Tourismus: Kein Trinkgeldersatz, aber Fingerzeigen

Vergleicht man die Arbeitslosenstatistik in der Tourismus-Branche von jetzt mit den Zahlen von vor einem Jahr, stellt man eine 80-prozentige Steigerung fest. Damit ist der Tourismus die am stärksten von der Krise betroffene Branche. Insgesamt sind mehr als 500.000 Personen arbeitslos. Dazu kommen 417.113 Personen, die in Kurzarbeit sind - ein wesentlicher Teil beider Zahlen entfällt auf Tourismus-Beschäftigte.

Wann endlich Hilfe?

„Wann wird den Menschen wirklich geholfen“, fragt vida-Gewerkschafter Berend Tusch vor allem in Richtung Bundeskanzler Kurz und schließt. „Der Kanzler hat mehrfach betont, dass niemand in der Krise zurückgelassen wird, koste es, was es wolle. Für Beschäftigte im Tourismus gilt das offenbar nicht. Es ist beschämend für ein Tourismus-Land wie Österreich, wie man arbeitende Menschen fallen lässt.“

Empörung

Für Empörung bei Tusch sorgen nun Aussagen von WKÖ-Tourismus-Spartenobmann Mario Pulker, der am Montag im Gespräch mit der APA betonte, dass Trinkgelder und Überstundenzahlungen ein wichtiger Bestandteil der Bezahlung seien und derzeit fehlen. Deswegen würden zahlreiche Beschäftigte der Branche den Rücken kehren. „Es stimmt sogar, dass das Trinkgeld ein wichtiger Bestandteil ist, aber es sind die Branchenvertreter gewesen, die den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern im Dezember nicht einmal den Trinkgeld-Hunderter zugestanden haben, von einer Lösung im Jänner erst gar nicht zu reden. Und jetzt sollen plötzlich die Beschäftigten schuld sein. Diese Aussagen sind eine Sauerei und unglaublich zynisch", so Tourismus-vida-Fachbereichs-Vorsitzender Tusch.

„Es grenzt an Verhöhnung, dass Mario Pulker die Arbeitsmarktsituation im Tourismus auf die Kolleginnen und Kollegen abwälzt, die in Kurzarbeit sind oder unverschuldet arbeitslos geworden sind. Der WKÖ-Gastronomieobmann sollte seine Ausführungen schleunigst richtigstellen."

Berend Tusch, Vorsitzender Fachbereich Tourismus

„Die WKÖ-Vertreter und allen voran Pulker bräuchten sich nur die aktuellen Arbeitsmarktzahlen anzuschauen und würden dann sehen, was der wahre Grund für die Arbeitslosigkeit ist“, so Tusch. Zu Beginn des zweiten Lockdowns hat sich die Branche noch einmal von fast 12.000 ArbeitnehmerInnen getrennt. Dazu kommen jene, die seit Anfang/Mitte Dezember in der Wintersaison arbeiten würden, wenn da nicht der Lockdown wäre. „Wir fragen uns, wo das höhere Arbeitslosengeld für jene Kolleginnen und Kollegen bleibt, die ebenso unverschuldet mit einem Bruchteil ihres Einkommens auskommen müssen, während die Hotellerie und Gastronomie andererseits Förderungen für leere Häuser bekommen.“

Erkenntnis allein zu wenig

Die Arbeitgeber-Vertreter der Wirtschaftskammer hätten es vor Weihnachten selbst in der Hand gehabt, den Beschäftigten in Kurzarbeit eine Abgeltung für entgangenes Trinkgeld als Trinkgeldersatz für die Zeit des Lockdowns im Dezember zukommen zu lassen, so vida-Gewerkschafter Tusch. Da helfe auch die Erkenntnis Pulkers nichts, dass Trinkgelder ein wesentlicher Einkommens-Bestandteil für Beschäftigte im Tourismus sind: “Diese Erkenntnis ist leider zu wenig, wenn auf der anderen Seite WKÖ-Chef Harald Mahrer den unter den Sozialpartnern auf Präsidentenebene bereits vereinbarten Trinkgeldersatz einfach vergisst und die Frist der steuerfreien Auszahlung verstreichen lässt. Er kann sich offenbar im eigenen Haus nicht durchsetzen.“ Die Wirtschaftskammer mache nichts anderes, als sich wieder einmal mit einem Thema öffentlich zu inszenieren, es danach aber nicht umsetzt. 

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