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Laudamotion und die Geldtaschen

Miese Arbeitsbedingungen und Dumpinglöhne nur Spitze des Eisbergs.

Wenn man denkt, das gibt es nicht, dann kommt jemand, und belehrt einen eines Besseren. So geschehen bei Billigfluglinie Laudamotion, die über den Sommer hinweg mehrfach die Schließung der österreichischen Basis am Flughafen Wien androhte, wenn die Gewerkschaft vida dem Kollektivvertrag nicht zustimmt. So soll es bei der 100-prozentigen  Ryanair-Tochter gängige Praxis gewesen sein, dass Geldbeträge in fünfstelliger Höhe quer durch Europa bis nach Irland transportiert wurden. Aber nicht wie man vielleicht denkt, in gesicherten Geldkoffern und von geschultem Personal, sondern in roten Taschen, beaufsichtigt von Bordpersonal. Das berichten profilORF-"Report" sowie das deutsche Medium "WELT" nach einer gemeinsamen Recherche. 

Mitarbeiter auf "geheimer Mission"?

„An uns sind bereits sehr früh Kolleginnen und Kollegen herangetreten und haben von dubiosem Vorgehen an Bord erzählt. Die Kollegen haben eine Tasche bekommen, da war laut Aussagen eine höhere Summe Bargeld drin“, erklärt Daniel Liebhart im Gespräch mit dem Profil. Und diese musste dann auf einer Strecke von A nach B transportiert und am Ende abgegeben werden. „Und da haben sich dann eben sehr viele Fragen aufgetan, eben was die Haftung betrifft, wenn da jetzt etwas abhanden kommt. Und ganz grundsätzlich, wie die Kolleginnen und Kollegen rechtlich dastehen“, so der Vorsitzende des Fachbereichs Luftfahrt der Gewerkschaft vida weiter. 

An Steuer vorbei

Ryanair bestreitet natürlich jegliche Vorwürfe und verweist auf „verärgerte ehemalige Mitarbeiter“ von der Basis Düsseldorf, die kürzlich geschlossen wurde. Den recherchierenden Journalisten hat diese Antwort seitens des irischen Unternehmens, das regelmäßig aufgrund der miesen Arbeitsbedingungen und Dumping-Löhnen in der Kritik steht, aber nicht gereicht. Der ORF fragt in seiner Report-Ausgabe vom Dienstag, warum es überhaupt zu diesen Geldtransporten gekommen ist. Vielleicht Steuergründe? Prinzipiell müssen Erlöse von Bordverkäufen im jeweiligen Abflugland versteuert werden bzw. ab 10.000 Euro dem Zoll gemeldet werden. Länder wie Spanien sind in der Abwicklung sogar noch strenger. Generell muss man gute Gründe haben, warum man 10.000 Euro in bar mit sich führt.

Mehr als fragwürdige Unternehmenskultur

Für die Gewerkschaft vida ist der Fall, abgesehen von den Gründen für die Transporte glasklar: Nach gerichtlich festgestellten Arbeitsrechtsverletzungen kommen nun dubiose Geldtransporte ans Tageslicht, die umgehend auf Steuerhinterziehung untersucht werden müssen.

„Wir fordern die nationalen und europäischen Behörden auf, rechtzeitig – am besten noch heute – den Stecker zu ziehen und sämtliche Lizenzen von Airlines zu entziehen, die Rechtsbrüche begehen!“

Daniel Liebhart, Vorsitzender vida-Fachbereich Luftfahrt
 

„Die Zuverlässigkeit dieser Konzerne ist umfassend zu prüfen“, zeigt sich Liebhart besorgt. Eines Tages würde diese kranke Unternehmenskultur sonst ihr Unwesen in der Flugsicherheit treiben.

Finanzminister am Zug

Vom Finanzminister erwarte sich Liebhart eine umgehende Umsatzsteuerprüfung der Bordeinnahmen von allen Airlines. „Im Konkreten ist die Umsatzsteuer auf Bordverkauf pro Monat in Jahr 2019 zu prüfen. Dabei muss sich der Minister zwei Fragen stellen: Gibt es einen nicht erklärbaren Einbruch der Steuereinnahmen? Wie hoch war der Umsatz pro Passagier? Diese Daten sind alle abrufbar und es ist ein durchschnittlicher Umsatz pro Passagier bekannt“, betont der vida-Gewerkschafter. Komme es hier zu signifikanten unerklärlichen Abweichungen und werden Rechtsbrüche festgestellt, fordert die vida die Erhebung des maximalen Strafrahmens gegen den Ryanair-Konzern, Laudamotion sowie Michael O’Leary und Andreas Gruber, den beiden Köpfen der dubiosen Machenschaften.

Skrupellose Machenschaften müssen aufgedeckt werden

„Gerade der Umgang mit den Beschäftigten im Ryanair-Konzern hat uns vor Augen geführt, wie skrupellos dort vorgegangen wird. Dass nun mögliche weitere Rechtsverletzungen des Konzerns zu Tage kommen, ist für uns wenig verwunderlich. Ob es tatsächlich zu Rechtsbrüchen gekommen ist, müssen natürlich die zuständigen Behörden und Gerichte klären – eine Aufarbeitung der dubiosen Geldtransporte fordern wir ein“, stellt Liebhart klar, der sich bei den gründlich recherchierenden Medien bedankt und auch die Konsumenten auffordert, eher auf Flugbuchungen von Airlines zurückzugreifen die einen faireren Umgang mit ihren Mitarbeitern pflegen als es die Unternehmen des Ryanair-Konzerns, Buzz, Lauda, Malta Air und Ryanair, tun.

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