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Fahrradbotin Sonja liefert frische Mahlzeiten nach Hause.

Wir haben uns umgehört, wie geht es den Heldinnen und Helden, die unser tägliches Leben mit ihrer Arbeit aufrechterhalten und unsere Versorgung sichern? Hier in Wort und Bild Sonja Steinacher, 42 Jahre, Fahrradbotin beim Lieferdienst mjam in Wien.

vida.at: Wie geht es dir in der Corona-Krise?

Sonja Steinacher: Für mich fühlen sich die Tage fast schon surreal an. Dieses neue Leben trägt etwas Geheimnisvolles, beinahe Unwirkliches in sich, dass ich mehr mit einem kindlichen Staunen als mit Ängsten und Unsicherheit verfolge. Grundsätzlich versuche ich stets das Positive zu sehen, Yoga und Meditation helfen da ungemein. Verfolge ich aber die Nachrichten und sehe Berichte von stetig steigenden Infektionen und Todeszahlen, dann verliert sich dieses Gutdenken schnell. Hier helfen mir Abgrenzung und Achtsamkeit, mit einem gesunden Maß an Mitgefühl.

vida.at: Wie hat sich dein Arbeitsalltag verändert?

Sonja Steinacher: Ich ziehe erst seit Jänner als „Road Runner“ durch die Straßen. Als Frau im Alter von 42 Jahren war das doch ein sehr großer Schritt, der bereits ohne Krise mein Leben völlig auf den Kopf gestellt hat. Ich bin quasi mit der Krise in den Job hineingewachsen und konnte gerade noch den Wandel auf den Straßen, in den Restaurants und im Hause unserer Kunden miterleben. Im Laufe der Wochen konnte die Branche immer mehr Restaurants und Menschen als Kunden gewinnen. Die Ausgangsbeschränkungen haben quasi wie ein Boost auf den Markt gewirkt. Für uns Road Runner bedeutet das, dass wir noch häufiger zum Einsatz kommen. Ich kann jetzt auf verkehrsarmen, ruhigen und deutlich Abgas-reduzierten Straßen fahren, wie ich es sonst nur an einigen wenigen Sonntagen erlebt habe. Für mich ist das Radfahren sehr viel sicherer, angenehmer und natürlich auch schneller geworden.

vida.at: Fühlst du dich gut geschützt in deiner Arbeit?

Sonja Steinacher: Absolut ja, ich empfinde keine zusätzliche Gefahr, außer jener, der wir FahrradbotInnen ohnehin täglich ausgesetzt sind. Die Schutzmaßnahmen setzen neben bargeldlosem Zahlen überwiegend auf Eigeninitiative wie das Desinfizieren von Händen und das Tragen spezieller Ausrüstung. Ganz wichtig ist die kontaktlose Zustellung. Wir bekommen die Speisen durch das Fenster gereicht oder es stehen Tische vor dem Restaurant, die als Übernahmezone dienen. Dort gibt es oft Desinfektionsmittel, damit wir unsere Taschen und Hände regelmäßig reinigen können. Beim Kunden stellen wir die Bestellung vor die Türe, klingeln und beobachten mit zwei Meter Abstand die Übernahme. Das Trinkgeld bekommen wir jetzt nicht persönlich in die Hand, es stehen Behältnisse diverser Art vor den Wohnungen und Zettelchen mit einem „Danke“ darauf. DANKE an dieser Stelle an jeden einzelnen Kunden, der seine Wertschätzung in dieser Form zum Ausdruck bringt. Unser Stundenlohn hängt ja zu einem überwiegenden Teil von der Großzügigkeit unserer Kunden ab.

vida.at: Hast du Kinder und wenn ja, wie funktioniert das mit der Betreuung derzeit?

Sonja Steinacher: Nein, aber ich weiß von Familie und Freunden, dass die Zeit der Ausgangssperre für jene mit Kind und Homeoffice eine tägliche Herausforderung darstellt. Eine perfekte Organisation ist unerlässlich. Bewegung und frische Luft, gerade in diesen Ausnahmezeiten, stellen hier eine gute Basis für ein harmonisches Miteinander dar und sollten meiner Meinung nach im Tagesablauf unbedingt integriert werden.

vida.at: Wie unterstützt dich der Betriebsrat in dieser herausfordernden Zeit?

Sonja Steinacher: Als freie Dienstnehmerin und Neuling in der Branche hatte ich noch wenig bis keine Berührungspunkte mit dem Betriebsrat. Es ist jedoch ein gutes Gefühl, eine starke Stimme im Hintergrund zu wissen.

vida.at: Du leistest mit deiner Arbeit einen wertvollen Beitrag für uns alle. Hast du ein besonderes Erlebnis bei deiner Arbeit gehabt?

Sonja Steinacher: In dieser außergewöhnlichen Zeit einen Beitrag für die Gemeinschaft leisten zu können, macht mich stolz und gleichzeitig dankbar. Das spüre ich auch am Verhalten der Menschen, die einem noch freundlicher als sonst begegnen. Insbesondere jener, die aufgrund von Ausgangsbeschränkung und Quarantäne ihr Zuhause nicht verlassen und auf Boten jeglicher Art angewiesen sind. Da kann es auch mal passieren, dass man von fremden Menschen via WhatsApp einen Ostergruß erhält, weil man ihnen am Tag zuvor eine Bestellung geliefert hat. Und ja, das sind die ganz besonders netten Überraschungen.

vida.at: Deine Wünsche an die Gesellschaft, Gewerkschaft, Regierung?

Sonja Steinacher: „Das Leben von Menschen in Not und sozial Schwachen durch die Kraft der Menschlichkeit verbessern.“ Das ist der Leitsatz des Roten Kreuz. Menschlichkeit sollte unsere Entscheidungen leiten und zusammen mit dem uns eigenen Verstand handeln lassen. Handeln wir unmenschlich oder nicht den Umständen angemessen, gerät das Gleichgewicht ins Wanken. Das sollten wir, als die Gesellschaft, aber auch als die das Land führende Regierung, stets im Hinterkopf behalten. Unsere Regierung hat – wie ich finde – bislang überwiegend kluge Entscheidungen getroffen. Nun werden ihre Qualität und Stabilität daran gemessen werden, wie menschlich sie weiterhin agieren wird und mit wieviel sanfter Gewalt die getroffenen Maßnahmen durchgesetzt werden. Ich persönlich glaube und vertraue auf unser Land und die Menschen.

vida.at: Welche drei Dinge machst du zuerst, wenn die Krise vorbei ist?

Sonja Steinacher: Schwimmen und entspannen im Brigittenauer Bad. An dieser Stelle ein herzliches DANKE an die vielen tollen MitarbeiterInnen der Wiener Bäder. Das sind meine ganz persönlichen HeldInnen, das ganze Jahr über! Dann werde ich meine Eltern in Kärnten besuchen und sie ganz fest und lange im Arm halten, Freunde zu mir einladen und gemeinsam Ausflüge unternehmen, Hand in Hand spazieren gehen. Und ich werde meine ehrenamtlichen Tätigkeiten beim Roten Kreuz und pro mente Wien wieder aufnehmen und damit der Gesellschaft ein klein wenig von dem zurückgeben, was ich in meinem Leben geschenkt bekommen habe.

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