Gesundheitssystem
In einem System, das zurzeit vorrangig auf Krankheit und ihre Bewältigung ausgerichtet ist, legen wir den Fokus mehr auf Gesundheit und steigen auf ein wirkliches GESUNDHEITSSYSTEM um. Das bedeutet, Gesundheitsvorsorge und ihre Finanzierung steht im Vordergrund.
Wer dennoch krank wird, wird unabhängig von den eigenen finanziellen Mitteln auf hohem Niveau behandelt. ALLE erhalten medizinische Versorgung entsprechend dem neuesten Stand. Die Finanzierung dieser öffentlichen Dienstleistungen ist an Qualitäts- und Sozialkriterien geknüpft; mit staatlichen Geldern dürfen weder Lohn- und Sozialdumping noch eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen finanziert werden.
ÖsterreicherInnen in guten Händen
Österreichs Gesundheitssystem gilt immer noch als eines der besten der Welt und die ÖsterreicherInnen haben hohes Vertrauen in unser Gesundheitswesen. Die Versorgungsdichte an ÄrztInnen und Spitälern sowie der Versorgungsstandard sind vergleichsweise hoch. Durch das staatliche Gesundheitssystem ist garantiert, dass Menschen in gesundheitlichen Notsituationen eine Behandlung zukommt. Von der Notfallsmedizin profitieren alle Bürgerinnen und Bürger.
Friede - Freude - Krankenbett?
Auch wenn die Akutversorgung für alle gesichert ist, so gibt es bei der Präventivmedizin und der ambulanten Betreuung Unterschiede zwischen Arm und Reich. Eine Befragung von vida-FunktionärInnen ergab, dass bereits ein Zweiklassensystem wahrgenommen wird: Personen mit privater Zusatzversicherung oder entsprechenden Beziehungen haben demnach klare Vorteile, von kürzeren Wartezeiten bis zu besserer medizinischen Beratung oder Behandlung. Es gibt in Österreich auch Menschen, die medizinisch unterversorgt sind, weil sie sich Behandlungen nicht leisten können, die von den Krankenkassen nicht - oder nicht zur Gänze - bezahlt werden.
Brandschutz statt Feuerwehr!
Nach einer Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts ist das österreichische Gesundheitssystem trotz des hohen Versorgungsniveaus "stark verbesserungsfähig". Die mangelnde Vorsorge wird in der Untersuchung als "die entscheidende Schwachstelle" festgehalten. Die Ausgaben für Prävention liegen mit 1,8 Prozent des BIP deutlich unter dem EU-Schnitt (EU-27: 2,9 Prozent), das entspricht einem Unterschied von 300 Millionen Euro. Nicht zuletzt deshalb leben die Österreicher kürzer ohne Beschwerden als der EU-Schnitt.
Geht’s dem Gesundheitswesen gut, geht’s uns allen gut!
Österreichs Gesundheitswesen leistet beachtliche Beiträge zu volkswirtschaftlicher Wertschöpfung und Wirtschaftswachstum. 2006 betrug der Wertschöpfungseffekt 22,5 Milliarden Euro und sicherte 445.000 Vollzeitarbeitsplätze. Über diesen Effekt kurbelt das Gesundheitssystem die österreichische Wirtschaft an.
Unter Druck - die Situation der Beschäftigten
Sechs Prozent aller Beschäftigten in Österreich sind im Gesundheits- und Sozialwesen beschäftigt. Davon ist die Hälfte, also knapp 114.000 Personen, dem Gesundheitswesen zuzurechnen (Wirtschaftsklassenstatistik 2009). Zwei Drittel der Beschäftigten sind Frauen, damit ist der Frauenanteil einer der höchsten in Österreichs Branchen.
Während die meisten anderen Branchen über Beschäftigungsrückgang klagen, ist der Gesundheitsbereich ein Beschäftigungsmotor. Die Arbeitsbelastung ist allerdings erheblich:
- Hohe Anzahl an Turnus- und Schichtdiensten. Nachtarbeit, Wochenenddienste, lange Dienste und Rufbereitschaft stehen auf der Tagesordnung.
- Kaum Planbarkeit. Die geringe Dienstplanstabilität stört das soziale System der Beschäftigten.
- Starkes Lohngefälle. Einige wenige verdienen sehr gut, der Großteil verdient sehr wenig.
- Hohe Verantwortung. Ein Fehler kann tödlich oder nicht mehr umkehrbar sein.
- Stress. Die Arbeit findet oft unter Zeitdruck statt.
Die chronische personelle Unterbesetzung im Gesundheits- und Sozialbereich und die schwierigen Arbeitsbedingungen sind Ursache für die relativ hohe Burn-Out-Gefährdung der Beschäftigten beziehungsweise für die Zunahme von psychischen und physischen Erkrankungen. Burnout und krankheitsbedingte Ausfälle sind Teil des Systems.
Mehr dazu finden Sie in der Studie "Arbeitsbedingungen und Arbeitsbelastungen in Gesundheitsberufen in Wien und Niederösterreich" links von diesem Artikel als Download.
Wer zahlt schafft an?
Die jährlichen Pro-Kopf-Ausgaben für Gesundheit liegen in Österreich mit knapp 3.000 Euro etwas über dem OECD-Schnitt. Dennoch ist das Geld gut investiert: In den USA sind die Pro-Kopf-Ausgaben fast doppelt so hoch und die Versorgung der breiten Bevölkerung kann mit dem österreichischen Niveau nicht mithalten.
Dreiviertel der Gesundheitsausgaben werden in Österreich von der öffentlichen Hand getragen. Einen wesentlichen Teil zur Finanzierung tragen die Sozialversicherungsbeiträge der ArbeitnehmerInnen bei. Damit halten die ArbeitnehmerInnen das Gesundheitssystem für ALLE ÖsterreicherInnen aufrecht.
vida Forderungen
- Einen uneingeschränkten und gleichwertigen Zugang zum Gesundheitswesen für alle Versicherten in gleicher Qualität, unabhängig von Alter, Herkunft, Geschlecht und Einkommen.
- Entsprechende und ausreichende Transportmöglichkeiten, um alle notwendigen Leistungen in Anspruch nehmen zu können
- Harmonisierung der Beiträge und Leistungen.
- Zielgruppenorientierte Medizin und Forschung für Frauen, Männer, Kinder, Menschen mit Behinderung und ältere Menschen.
- Hauskrankenpflege und extramurale Dienstleistungen sollen die Daseinsvorsorge ergänzen.
- Nachbetreuung, Nachsorgebetten als Alternative zu Krankenhäusern ausbauen und nutzen.
- Eine stetige Weiterentwicklung der Gesundheitsvorsorge und den Ausbau präventiver Maßnahmen, verstärkte Förderung der betrieblichen Gesundheitsvorsorge.
- BezieherInnen niedriger Einkommen sollen vollständig von Selbstbehalten befreit werden, analog der Rezeptgebührenbefreiung.
- Die Erstellung eines Kriterienkatalogs zur Anerkennung von Methoden abseits der Schulmedizin.
- Ein nachhaltiges und sicheres Finanzierungssystem aus einer Hand.
- Die Einführung einer österreichweit einheitlichen und gesetzlich verankerten Personalbedarfsberechnung, die dem jeweiligen Betreiber einer Gesundheits- oder Sozialeinrichtung die Mindestanzahl und die Qualifikation seiner MitarbeiterInnen zwingend vorschreibt.
- Hebung der Dienstplanqualität: Arbeitszeit muss planbarer werden. Notwendige Regenerations- und Erholungsphasen sind durch Dienstplanstabilität und Reduktion der Arbeitzeit herzustellen.
- Arbeitnehmerschutz, Burn-Out-Prophylaxe und Supervision sind auszubauen.
- Ausbau der Selbstverwaltung in der Sozialversicherung.