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Der "Deal" um das Frauenpensionsalter

"Der Neid ist fehl am Platz"

Interview mit Elisabeth Vondrasek, vida-Frauenvorsitzende

Männer arbeiten länger, Frauen leben länger. Ist das nicht eine grobe Ungerechtigkeit?

Frauen verdienen im Durchschnitt um ein Drittel weniger als Männer. Selbst Frauen, die kinderlos bleiben und durchgehend beschäftigt sind, bekommen weniger gezahlt. Die Benachteiligung der Frauen ist nach wie vor eine Realität. Männern aus meinem Bekanntenkreis, die meckern, weil die Frauen länger eine Pension bekommen, schlage ich oft einen Tausch mit ihrer Frau vor. "Ok, du gibst dich mit dem zufrieden, was sie verdient und später auch mit der niedrigen Pension. Willst du das?" Die meisten lehnen dann dankend ab. Dazu kommt, dass zwar das gesetzliche Pensionsalter von Frauen und Männern derzeit fünf Jahre auseinanderliegt. Tatsächlich gehen Männer im Schnitt aber nicht einmal zwei Jahre später in die Pension als Frauen.

Würden die Frauen bei einem höheren Pensionsalter nicht besser aussteigen?

Wer Frauen eine höhere Pension verspricht, wenn sie länger im Erwerbsleben bleiben, sagt nur die halbe Wahrheit. Die Einkommensbenachteiligung und die Diskriminierung werden mit zunehmendem Alter nicht geringer, im Gegenteil. Viele ältere Frauen finden keinen Job oder müssen sich mit einem Teilzeitjob durchschlagen, der dann erst recht in eine niedrige Pension mündet. Meine Position ist klar: Frauen sollen natürlich auch länger als bis 60 Jahre arbeiten, wenn sie das wollen. Aber bei der Gleichstellung im EU-Vergleich unter den Schlusslichtern sein und trotzdem den Frauen vorzeitig das frühere Pensionsantrittsalter wegnehmen - da machen wir Gewerkschafterinnen nicht mit.

 

Historischer Rückblick

Das gesetzliche Pensionsantrittalter der Frauen liegt in Österreich bei 60. Schon vor rund zwanzig Jahren gab es eine heftige Diskussion um das frühere Antrittsalter der Frauen. Denn der Verfassungsgerichtshof erklärte die günstigere Bestimmung für die Frauen damals für verfassungswidrig. Parteiübergreifend mobilisierten die Frauen daraufhin für das zeitlich befristete Festhalten an der Regelung. An vorderster Front dabei waren die Gewerkschafterinnen. Mehr als 70.000 Frauen unterzeichneten die Postkartenaktion der ÖGB-Frauen gegen das überfallsartige Anheben des Pensionsalters.

Die Argumentation der Frauen lautete: "Gleichstellung darf nicht beim Pensionsalter beginnen - zuvor muss die Gleichberechtigung im Beruf und in der Gesellschaft erreicht werden." Nach langen Verhandlungen einigten sich die Parteien 1992 auf das so genannte "Gleichbehandlungspaket". Es enthielt einige Gesetze, die die Gleichstellung am Arbeitsmarkt vorantreiben sollten. Zugleich beschlossen die Parteien per Verfassungsgesetz, dass das reguläre Pensionsantrittsalter für Frauen weiter bei 60 liegt, aber von 2024 bis 2033 schrittweise auf das Antrittsalter der Männer angehoben wird

Die Vereinbarung, der die Frauenpolitikerinnen damals zustimmten, lautete also kurzgesagt: Wir gehen jetzt mit einer Vielzahl an Maßnahmen die Gleichstellung der Frauen an. Dafür heben wir dann, ab 2024 das Pensionsantrittsalter der Frauen jedes Jahr um sechs Monate an, bis 2033 der Gleichstand mit den Männern erreicht ist. Obwohl Österreich innerhalb der EU das Land mit den zweitgrößten Einkommensunterschieden zwischen Frauen und Männern ist, bricht jetzt die Diskussion um die vorzeitige Anhebung des Frauenpensionsalters wieder voll aus.

 


 

 

 

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